Die deutsche Wohnungswirtschaft dringt auf einen langfristigen Bund-Länder-Pakt für altersgerechtes Wohnen und warnt vor einem massiven Mangel an barrierefreien Wohnungen für ältere Menschen. Regierungsparteien und Opposition verweisen auf bereits aufgelegte oder geplante Förderprogramme, kritisieren sich aber gegenseitig für unzureichende Finanzierung und fehlende Verlässlichkeit.
Wohnungswirtschaft warnt vor Millionen fehlender Wohnungen
Der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen fordert die Bundesregierung auf, einen dauerhaft verlässlichen Bund-Länder-Kraftakt zu starten. Schon heute fehlten 2,2 bis 2,5 Millionen weitgehend barrierefreie Wohnungen allein für ältere Haushalte mit Mobilitätseinschränkungen, teilte der Verband mit.
GdW-Präsident Axel Gedaschko kritisiert im Gespräch mit dem „Focus“ die bisherigen staatlichen Förderungen: „Bisherige Programme waren zu klein, zu unsicher und zu wenig auf die Breite des Mietwohnungsbestands ausgerichtet“. Er warnte zudem vor finanziellen Überforderungen der Bewohner: Ein barrierefreies Bad helfe wenig, wenn es für die Mieter nicht mehr bezahlbar sei. Altersgerechtes Wohnen sei keine Komfortfrage, sondern zentrale Sozial-, Pflege- und Wohnungspolitik, so Gedaschko gegenüber dem „Focus“.
Koalition verweist auf Förderprogramm der KfW
Die Regierungsparteien verweisen auf bereits ergriffene Maßnahmen. Der wohnungspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Jan-Marco Luczak, sagte dem „Focus“, die Union habe bei den Haushaltsverhandlungen durchgesetzt, dass das von der Ampel gestrichene KfW-Förderprogramm „Altersgerecht Umbauen“ wieder vom Bund finanziert werde. „Als Union wollen wir insbesondere selbstnutzende Eigentümer von Auflagen und Genehmigungen entlasten.“ Für 2026 stehen nach seinen Angaben 50 Millionen Euro bereit.
Der wohnungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Hendrik Bollmann, räumt gegenüber dem „Focus“ Handlungsbedarf ein. „Ziel muss die Hebung auf 75 Millionen Euro sein“, sagte er dem Magazin. Zudem sei die bestehende Rückbaupflicht ein wesentliches Hemmnis, da Mieter beim Auszug verpflichtet werden könnten, barrierefreie Umbauten auf eigene Kosten rückgängig zu machen.
Grüne fordern deutlich höhere Fördersumme
Der Opposition reicht das nicht. Die wohnungspolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Hanna Steinmüller, kritisiert gegenüber dem „Focus“: „Dieses Hin und Her schafft Unsicherheit und sorgt dafür, dass altersgerechter Wohnraum weiterhin Mangelware bleibt“. Sie fordert eine dauerhafte Absicherung des KfW-Programms mit mindestens 150 Millionen Euro jährlich.
Ein Sprecher des Ministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen erklärte auf „Focus“-Anfrage, das Programm fördere den Abbau von Barrieren im Wohnungsbestand. Knapp 60 Prozent aller geförderten Neubaumietwohnungen seien 2025 bereits barrierefrei konzipiert worden, so der Ministeriumssprecher gegenüber dem „Focus“.
