Meckern ist in Osnabrück längst zum Volkssport geworden. Egal, was passiert – es ist falsch. Die Stadt ist hässlich, heißt es. Sie tue nichts für die Aufenthaltsqualität. Und wenn sie dann doch etwas macht, ist es plötzlich Geldverschwendung.
Eine öffentliche Tanzfläche am Ledenhof? Braucht kein Mensch. Eine Klimaoase am Nikolaiort? Viel zu teuer. Stadtgärten? Unsinn. Neue (orange) Sitzbänke oder Trinkwasserbrunnen? Werden sowieso kaputtgemacht. Es scheint, als gäbe es für manche Menschen genau zwei Zustände in Osnabrück: schlecht und noch schlechter.
Dabei wird die Friedensstadt von vielen auf genau zwei Orte reduziert: den Neumarkt und die Johannisstraße. Als gäbe es keinen Marktplatz, keinen Bürgerpark, keinen Westerberg, keinen Rubbenbruchsee, keine Hase, keine Altstadt, keine unzähligen lebenswerten Ecken. Wer die gesamte Stadt auf ihre Problemzonen verkürzt, sucht keine Wahrheit – sondern eine Bestätigung für die eigene schlechte Laune.
Besonders absurd wird es, wenn jeder Versuch, die Stadt attraktiver zu machen, reflexartig zerrissen wird. „Ist doch sowieso bald kaputt“, lautet eines der Lieblingsargumente. Ja – und nun? Dann dürfte man überhaupt nichts mehr bauen. Keine Spielplätze, keine Sitzbänke, keine Kunstwerke, keine Trinkwasserbrunnen. Denn alles kann beschädigt werden. Die Klimaoase am Nikolaiort war tatsächlich zeitweise defekt. Überraschung: Elektrische Technik kann ausfallen. Noch größere Überraschung: Sie wurde repariert. Genau dafür gibt es Wartung.
Schöne Seiten von Osnabrück. / Fotos: Dominik Lapp (Collage mithilfe von KI bearbeitet)
Natürlich hat Osnabrück Probleme. Die Kriminalität an bestimmten Orten muss bekämpft werden. Leerstände gehören nicht in eine attraktive Innenstadt. Über Baustellen und Verkehrsplanung kann man trefflich streiten. Kritik ist wichtig – aber permanentes Nörgeln ersetzt keine konstruktive Debatte.
Vielleicht täte uns allen ein Perspektivwechsel gut. Statt bei jeder positiven Nachricht sofort nach dem Haken zu suchen, könnte man sich einfach einmal darüber freuen, dass überhaupt etwas passiert. Denn Stillstand wäre die einzige Alternative. Und die wünschen sich am Ende vermutlich nicht einmal die größten Meckerköpfe in dieser Stadt.
Und wer tatsächlich davon überzeugt ist, dass Osnabrück nichts als hässlich, trostlos und hoffnungslos ist, dem steht eine einfache Möglichkeit offen: umziehen. Deutschland hat viele Städte. Vielleicht wartet irgendwo genau der Ort, an dem wirklich alles perfekt ist. Für Osnabrück hätte das sogar einen angenehmen Nebeneffekt: Der Wohnungsmarkt würde ein kleines bisschen entspannter – und die Stimmung vielleicht auch. Aber es scheint, als sei der ewige Nörgler Osnabrücks Wahrzeichen.
[Gruß vom Herausgeber] Liebe Leserin, lieber Leser, schön, dass Sie bis zum Ende durchgehalten haben. Meinungsbeiträge spiegeln immer nur die Ansichten des jeweiligen Autors wider – nicht die der gesamten Redaktion. Mein Anliegen – und das unserer Redaktion – ist es, in gekennzeichneten Meinungsbeiträgen wie diesem Denkanstöße zu geben. Ob Sie zustimmen, ablehnen oder irgendwo dazwischenstehen: Wenn ein Kommentar neue Perspektiven eröffnet oder auch nur zum Nachdenken anregt, haben wir unsere Aufgabe erfüllt.
„Denken ist schwer, darum urteilen die meisten.“ (C. G. Jung)
Bitte denken Sie mehr. Ihr Heiko Pohlmann
Kommentare zu diesem Artikel:
- Toller Post..jeder kann etwas für die Attraktivität in der Stadt was beitragen .. z.b. seinen Müll mal in der Tonne entsorgen und nicht auf der Straße oder sonstigen..wäre schon mal ein Anfang
- Und noch größere Überraschung liebe Hasepost: man hätte den Neumarkttunnel auch reparieren können damit innen die angebliche Feuchtigkeit verschwindet. Auch den Brunnen am Bahnhof hätte man reparieren können. Das musste ķeine 180 k Euro kosten. Und das Wassergedöns am Ledenhof in Schuss halten? Wäre auch möglich gewesen bei regelmäßiger Wartung. Also man sieht das es gute Gründe gibt hier zu meckern.
- Als Zugezogene kann ich sagen: Ja, Osnabrück hat schäbige Ecken (die haben andere Städte genauso!), aber wesentlich mehr schönere! Wer an einem lauen Sommerabend den Zauber der Altstadt und des Marktplatzes nicht erkennt, dem ist auch nicht mehr zu helfen.
- Toller Post..jeder kann etwas für die Attraktivität in der Stadt was beitragen .. z.b. seinen Müll mal in der Tonne entsorgen und nicht auf der Straße oder sonstigen..wäre schon mal ein Anfang
- Und noch größere Überraschung liebe Hasepost: man hätte den Neumarkttunnel auch reparieren können damit innen die angebliche Feuchtigkeit verschwindet. Auch den Brunnen am Bahnhof hätte man reparieren können. Das musste ķeine 180 k Euro kosten. Und das Wassergedöns am Ledenhof in Schuss halten? Wäre auch möglich gewesen bei regelmäßiger Wartung. Also man sieht das es gute Gründe gibt hier zu meckern.
- Als Zugezogene kann ich sagen: Ja, Osnabrück hat schäbige Ecken (die haben andere Städte genauso!), aber wesentlich mehr schönere! Wer an einem lauen Sommerabend den Zauber der Altstadt und des Marktplatzes nicht erkennt, dem ist auch nicht mehr zu helfen.
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