Die Energieökonomin Claudia Kemfert fordert gezielte staatliche Entlastungen für Haushalte angesichts hoher Spritpreise. Pauschale Steuersenkungen hält sie für teuer und wenig zielgenau. Die aktuellen Preissprünge stammen ihrer Einschätzung nach vor allem vom Weltmarkt und geopolitischen Risiken.
Kritik an pauschalen Steuersenkungen
Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), plädiert im „Handelsblatt“ für schnelle Maßnahmen. „gezielte Entlastungen für besonders betroffene Haushalte, etwa über ein Mobilitätsgeld oder Klimageld“, sagte sie.
Eine Senkung der Energiesteuer sieht sie kritisch. Diese könne zwar "kurzfristig an der Zapfsäule ankommen", aber der Staat könne nicht garantieren, dass jeder Cent bei den Verbrauchern ankomme. Ein Teil könnte auch in höheren Margen der Mineralölunternehmen hängen bleiben. Zudem seien pauschale Steuersenkungen teuer und wenig zielgenau. Auch die Abschaffung des CO2-Preises hält sie für den falschen Weg. "Die aktuellen Preissprünge kommen vor allem vom Weltmarkt und aus geopolitischen Risiken."
Folgen für Haushalte und Wirtschaft
Für Autofahrer könnten weitere Spritpreissteigerungen empfindliche Folgen haben. "Dieselpreise nahe drei Euro und Benzinpreise um 2,50 Euro wären ein erheblicher Kaufkraftschock", sagte Kemfert.
"Kurzfristig können viele Menschen ihr Mobilitätsverhalten kaum ändern, deshalb schlagen solche Preissprünge zunächst direkt auf die Haushaltsbudgets durch. Besonders belastet wären Pendler, Haushalte mit niedrigen Einkommen und Menschen im ländlichen Raum." Gleichzeitig könnten Transport- und Produktionskosten steigen. "Hohe Ölpreise können damit Inflation treiben und Wachstum bremsen".