CDU und CSU einig: Kanzleramtschef Frei folgt auf Spahn
Nur wenige Tage nach dem Rücktritt von Jens Spahn als Fraktionsvorsitzender der Union zeichnet sich eine Nachfolge ab. Wie die Deutsche Presse-Agentur unter Berufung auf Unionskreise berichtet, haben sich CDU-Chef Friedrich Merz und CSU-Chef Markus Söder auf Kanzleramtsminister Thorsten Frei als neuen Fraktionschef verständigt. Zuvor hatten bereits das ZDF und die Bild-Zeitung über diese Personalie berichtet. Der Fraktionsvorstand kommt am Nachmittag zu einer digitalen Sitzung zusammen, um den Vorschlag offiziell vorzustellen. Die Wahl soll dann am kommenden Mittwoch in einer Sondersitzung der Unionsfraktion erfolgen. Bis dahin führt Spahns Stellvertreter Alexander Hoffmann die Amtsgeschäfte weiter.
Spahn tritt nach Leihmutterschafts-Kritik zurück
Spahn war am Wochenende nach massiver Kritik an seiner Vaterschaft mithilfe einer Leihmutter in den USA zurückgetreten. Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten, und Spahn hatte sich in der Vergangenheit selbst gegen eine Legalisierung ausgesprochen. Der 46-Jährige begründete seinen Rücktritt damit, dass der Spagat zwischen seiner privaten Entscheidung und den Erwartungen an ihn als Fraktionschef zu groß geworden sei.
Nachfolgefrage spaltet Union und Kanzleramt
Während die Union die Nachfolge für Spahn klären will, bleibt die Frage offen, wer Frei als Kanzleramtsminister nachfolgen soll. Nach Informationen des Handelsblatts wird dies intern noch beraten. Auch eine mögliche Kabinettsumbildung durch Merz steht im Raum. Im ZDF-Sommerinterview hatte der Kanzler angedeutet, den Rücktritt Spahns als Anlass zu nutzen, um über die Aufstellung der Bundesregierung nachzudenken.
Frei als Favorit für Fraktionsvorsitz gehandelt
Politikwissenschaftlerin Andrea Römmele von der Hertie School sieht in Frei derzeit den aussichtsreichsten Kandidaten für den Fraktionsvorsitz. Er genieße großen Rückhalt in der Fraktion und sei bestens vernetzt, wie sie im Gespräch mit tagesschau24 betonte. Allerdings gab es in der Vergangenheit auch Kritik an seiner Arbeit als Kanzleramtsminister, etwa dass er sich zu sehr auf Interviews konzentriert habe, statt die Koalitionsarbeit zu koordinieren.
Warken, Dobrindt und Linnemann als Alternativen genannt
Neben Frei wurden in den vergangenen Tagen auch andere Namen gehandelt, darunter Gesundheitsministerin Nina Warken, Innenminister Alexander Dobrindt und CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann. Doch die Einigung auf Frei scheint nun festzustehen. Die offizielle Bestätigung durch die Fraktion steht jedoch noch aus.