Mehrere CDU- und CSU-Politiker gelten als mögliche Nachfolger von Jens Spahn.
Jens Spahn hat seinen Rücktritt als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion erklärt. Der 46-jährige Politiker begründete seinen Schritt mit dem nicht mehr vereinbaren Spagat zwischen seinem privaten Familienglück und den Anforderungen des Amtes. Sein Mann Daniel Funke hatte in den USA ein Kind durch Leihmutterschaft bekommen, eine Praxis, die Spahn selbst in der Vergangenheit öffentlich abgelehnt hatte. Die CDU hält weiterhin an ihrer Ablehnung von Leihmutterschaften fest, wie eine Parteisprecherin gegenüber der dpa betonte und auf einen Parteitagsbeschluss verwies. Die geltende Rechtslage in Deutschland solle aus Sicht der Partei unverändert bleiben. Spahn hatte sich stets gegen eine Legalisierung ausgesprochen, doch die private Entscheidung seines Partners löste in der Union vehemente Kritik aus, wie der Münchner Merkur und die Frankfurter Rundschau berichten.
Drei CDU-Politiker als Favoriten für Fraktionsvorsitz
Bis zur Wahl eines Nachfolgers übernimmt CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann kommissarisch die Amtsgeschäfte. Als mögliche Kandidaten für den Fraktionsvorsitz werden vor allem drei CDU-Politiker genannt: Thorsten Frei, der bisherige Kanzleramtschef, Carsten Linnemann, der als CDU-Generalsekretär fungiert, sowie Günter Krings, Fraktionsvize und Mitglied der einflussreichen NRW-Landesgruppe. Auch der CSU-Politiker Alexander Dobrindt wird in den Medien diskutiert, allerdings gilt ein Wechsel des Innenministers als unwahrscheinlich, da die CDU traditionell den Fraktionschef stellt und Dobrindt im Kabinett als unverzichtbar für die Migrationspolitik gilt, wie der Merkur und die FR übereinstimmend berichten.
Merz will Spahn-Nachfolge noch vor Sommerpause klären
Kanzler Friedrich Merz bezeichnete Spahns Rücktritt auf X als „richtig“ und „unvermeidlich“ und kündigte an, gemeinsam mit CSU-Chef Markus Söder einen Vorschlag für die Neubesetzung zu erarbeiten. Merz betonte, dass „Verfahren und Zeitplan jetzt mit den Gremien der Partei und der Fraktion abgestimmt“ würden. Dass Merz mit Spahn als Fraktionschef unzufrieden war, galt in Berlin bereits seit Längerem als offenes Geheimnis, wie die FR schreibt. T-Online berichtet zudem, dass Merz die Personalie noch vor Beginn der Sommerpause klären möchte, um längere Personaldiskussionen zu vermeiden.
Spahns Karriere endet mit Rücktritt aus der Politik
Spahns Rücktritt markiert das vorläufige Ende einer politischen Karriere, die trotz mehrerer Rückschläge – etwa der Niederlage bei der CDU-Vorsitzendenwahl 2018 oder der Maskenaffäre während der Corona-Krise – immer wieder Aufschwung erlebte. In seinem Statement betonte er, dass seine Familie für ihn nun an erster Stelle stehe. Ob er in Zukunft noch einmal ein politisches Amt anstreben wird, bleibt offen. Während seiner Zeit als Gesundheitsminister hatte er die Möglichkeit gehabt, das Embryonenschutzgesetz anzupassen, das Leihmutterschaft mit Freiheitsstrafen bedroht, doch er verteidigte die bestehende Regelung, wie der Merkur und die FR übereinstimmend darlegen.
