Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer, hält einen militärischen Test der Nato durch Russland spätestens im Jahr 2029 für möglich. Angesichts von Truppenabzügen und unklaren Signalen aus Washington bekräftigten er und sein britischer Amtskollege Richard Knighton zugleich den Zusammenhalt des Bündnisses. Zugleich bestätigte Breuer, dass die unter US-Präsident Biden geplante Stationierung eines Long Range Fires Bataillons in Deutschland offenbar nicht zustande kommt.
Warnung vor möglichem russischen Angriffsszenario
Carsten Breuer
Angesichts von Truppenabzügen und unklaren Signalen aus Washington betonten Breuer und sein britischer Amtskollege Richard Knighton
Engere militärische Zusammenarbeit mit Großbritannien
Deutschland und Großbritannien hatten im Oktober 2024 eine Verteidigungsvereinbarung geschlossen, das sogenannte Trinity House-Abkommen, welches eine engere Kooperation bei Abschreckung, Einsatzbereitschaft und Rüstungsindustrie vorsieht. Der Generalinspekteur und der britische Generalstabschef machten laut „Süddeutscher Zeitung“ deutlich, ihre Streitkräfte seien bereits heute in der Lage, gemeinsam zu kämpfen – beispielhaft stehe dafür die gemeinsame Luftraumüberwachung im Baltikum oder die enge Zusammenarbeit im Nato-Seeverband.
Zur Frage einer europäischen Nuklearabschreckung unter Einbindung Deutschlands zeigte sich Breuer zurückhaltend. „Neue militärische Konstrukte braucht es dafür zunächst nicht“, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“. Knighton sagte der Zeitung, die britische Nuklearkapazität bleibe vollständig in die Nato eingebettet.
US-Raketenpläne und Suche nach Übergangslösungen
Zugleich bestätigte Breuer der „Süddeutschen Zeitung“, dass die unter US-Präsident Biden geplante Stationierung des Long Range Fires Bataillons in Deutschland offenbar nicht zustande kommt. „Das ist ein strategisches Thema“, sagte Breuer. Ursprünglich sollten die US-Raketen die Zeit überbrücken, bis Deutschland eigene Fähigkeiten aufgebaut hat, um sich auch auf weite Distanzen zur Wehr setzen zu können.
Nun prüfe man „mit Hochdruck Übergangslösungen“, darunter den Kauf marktverfügbarer Systeme, wie Breuer der „Süddeutschen Zeitung“ sagte. Breuer war dazu vorletzte Woche im Pentagon. Ende des Monats reist Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) nach Washington, um weiter für den Kauf von Tomahawk-Marschflugkörpern zu werben, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“.
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