Volkswagen verschärft im Zuge seines Sparprogramms den Druck auf mehrere deutsche Werke. In internen Präsentationen für Aufsichtsrat und Topmanagement wurden die Standorte Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm als zu teuer bezeichnet, obwohl sie laut einem Medienbericht teilweise als vergleichsweise günstig gelten sollen. Insider sehen in der öffentlichen Einstufung der Fabriken einen Versuch des Konzerns, Beschäftigte und Arbeitnehmervertreter mit der Drohung möglicher Werksschließungen unter Druck zu setzen.
Vier deutsche Werke im Fokus
Konzernchef Oliver Blume hat in Präsentationen für den Aufsichtsrat und VW-Topmanager die beiden Elektroautowerke in Emden und Zwickau, das Nutzfahrzeugwerk in Hannover sowie Audis Werk in Neckarsulm als zu teuer dargestellt. Mit deren tatsächlichen Kosten habe das allerdings wenig zu tun, berichtet der „Spiegel“. Tatsächlich sollen einige der genannten Werke als eher günstig gelten, wie das Magazin weiter schreibt.
Laut „Spiegel“ seien die VW-Werke pro Auto günstiger als etwa die der VW-Tochter Porsche. 2025 hätten die sogenannten Fabrikkosten in Zwickau bei unter 4.500 Euro gelegen, in Emden rund 1.000 Euro darüber. Porsches Werk in Leipzig liege dagegen bei über 6.500 Euro, Audis Werk in Neckarsulm bei rund 6.200 Euro, schreibt der „Spiegel“. Zuffenhausen, wo Porsche die Wagen 911 und Taycan baut, solle über 13.000 Euro liegen.
Nachbelegung statt Kosten als Hauptproblem
Die als teuer gebrandmarkten Werke hätten nach den internen Darstellungen nicht primär ein Kosten-, sondern ein „Nachbelegungsproblem“, hieß es laut „Spiegel“. In internen Szenarien baue Volkswagen an den vier Standorten nur noch bis in die erste Hälfte der Dreißigerjahre Autos. Bis 2030 dürfe VW Beschäftigte nicht betriebsbedingt kündigen, bei Audi gelte diese Beschäftigungssicherung bis 2033. Danach könnte der Konzern bisher in Deutschland gefertigte Modelle in günstigere Konzernwerke in Süd- oder Osteuropa verlagern.
Volkswagen will seine Produktionskapazität in Europa um bis zu 500.000 Autos pro Jahr senken, was annähernd zwei Werken entspricht. Ein Werk zu schließen sei allerdings „die schlechteste und teuerste Variante“, Überkapazitäten abzubauen, sagte Blume zuletzt laut „Spiegel“. Partnerschaften etwa mit der Rüstungsindustrie oder chinesischen Autobauern seien demnach bessere Alternativen.
Kritik an Schonung von Porsche
Insider murrten laut „Spiegel“, insbesondere Porsche werde aus den Überlegungen bisher weitgehend ausgeklammert. Zwar gebe es gute Gründe, warum die Fabrikkosten dort höher lägen: Der Porsche 911 etwa werde für seine betuchten Kunden stark individualisiert und erziele deswegen Preise von oft weit über 100.000 Euro.
Allerdings produzierten Audi und Porsche bislang in keinem deutschen Werk gemeinsam, obwohl einige ihrer Fahrzeuge dieselbe technische Basis nutzen, berichtet das Magazin weiter. Auch Maßnahmen wie die Streichung von Pausen, mit denen VW die Kosten in seinen Werken gesenkt habe, stünden bei den Premiummarken noch aus, schreibt der „Spiegel“.
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