Mit einem neuen Handlungsprogramm Wohnen will die Stadt Osnabrück ihre Wohnungspolitik bis 2040 neu ausrichten. Herzstück des Zehn-Punkte-Plans sind eine neue Sozialquote von 30 Prozent und die Stärkung gemischter Quartiere.
Zehn Leitlinien für die Wohnungspolitik bis 2040
Das neue Handlungsprogramm bündelt die wohnungspolitischen Ziele der Stadt in zehn Handlungsfeldern. Dazu gehören bedarfsgerechter Wohnraum, mehr bezahlbarer Mietwohnraum, die Förderung von Wohneigentum, die Modernisierung von Bestandsgebäuden, gemischte Quartiere, Flächenentwicklung, eine einheitliche Sozialquote von 30 Prozent, die Vergabe städtischer Grundstücke, Innovationen im Wohnungsbau sowie mehr Zusammenarbeit und Transparenz.
Bedarfsgerechter Wohnraum im Fokus
Besonderes Gewicht legt die Stadt dabei auf Familien, ältere Menschen, Fachkräfte, Studierende und Menschen, die auf dem Wohnungsmarkt besonders schlechte Chancen haben. Ziel sei ein vielfältiges Wohnungsangebot mit unterschiedlichen Wohnformen und Wohnungsgrößen. Damit soll Wohnraum nicht nur geschaffen, sondern auch besser an die Bedürfnisse unterschiedlicher Alters- und Bevölkerungsgruppen angepasst werden.
Gemischte Quartiere statt reine Neubaupolitik
Der Wohnungsbau in Osnabrück soll künftig nicht allein über Neubau gedacht werden. Stattdessen soll der Wohnungsbestand stärker genutzt werden – etwa durch Sanierungen, Aufstockungen oder die Reaktivierung leerstehender Wohnungen. Das Handlungsprogramm setzt deshalb auf gemischte Quartiere mit Nahversorgung, Freizeitangeboten und sozialen Treffpunkten. Auch Barrierefreiheit und der demografische Wandel spielen eine wichtige Rolle. Menschen sollen möglichst im eigenen Quartier wohnen bleiben können, wenn sich ihre Lebenssituation verändert.
Susanne Hombürger dos Reis (SPD) lobte das Konzept: „Der 10-Punkte-Plan ist ein bunter Blumenstrauß für das Thema Wohnen.“ Besonders positiv bewertete sie, dass Politik, Wohnungswirtschaft und Bürgerschaft in die Erarbeitung eingebunden wurden.
30 Prozent geförderter Wohnraum als Regel
Die größte Änderung betrifft die Sozialquote. Künftig sollen bei allen Wohnbauvorhaben ab acht Wohneinheiten grundsätzlich 30 Prozent der neu entstehenden Wohnflächen als preis- und belegungsgebundener Mietwohnraum entstehen.
CDU hinterfragt die 30 Prozent-Quote
Aus Reihen der CDU ergaben sich zum vorgestellten Plan Fragen, vor allem hinsichtlich der Finanzierbarkeit und Notwendigkeit der 30 Prozent-Regel. Die Verwaltung verwies auf die inzwischen deutlich verbesserten Förderbedingungen der NBank. Stadtbaurat Thimo Weitemeier betonte: „Investoren kennen die 30 Prozent-Quote aus viele Städte in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.“ Das Wohnraumversorgungskonzept sehe weiterhin Handlungsbedarf, weshalb die Quote zunächst notwendig sei. Sollte sich die Situation auf dem Wohnungsmarkt entspannen, könne sie später angepasst werden.
Handlungsprogramm Wohnen erfährt breite Zustimmung
Die Ausschussmitglieder äußerten sich überwiegend positiv zum Handlunsgprogramm Wohnen. Anne Kura (Grüne) betonte, dass geförderter Wohnraum in den kommenden Jahren dringend benötigt werde. Auch Dr. Henry Gehrs (Linke) sprach sich für die 30 Prozent-Quote aus.
Robert Alferink (SPD) betonte: „Wenn wir Wohnen in Osnabrück fördern und bezahlbar machen wollen, dann muss die WiO unterstützt werden.“ Ziel sei es, langfristig wieder einen Bestand zu erreichen, wie ihn früher die Osnabrücker Wohnungsbaugesellschaft OWG hatte.
CDU meldet Beratungsbedarf an
Trotz der weitgehend positiven Resonanz sprach der Ausschuss am Ende keine Empfehlung an den Rat aus. Die CDU kündigte weiteren Beratungsbedarf an. Über das Handlungsprogramm entscheidet der Rat der Stadt Osnabrück am 30. Juni.
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