Nach dem tödlichen Angriff am Rande des Christopher Street Day (CSD) in Berlin gibt es am frühen Sonntagmorgen neue Erkenntnisse zu dem flüchtigen Tatverdächtigen und zum möglichen Ablauf der Tat. Nach Angaben der Polizei ist der identifizierte Mann den Behörden als Angehöriger der islamistischen Szene in Berlin bekannt. Zudem gehen die Ermittler Zeugenhinweisen nach, wonach sich unter den inzwischen 16 Verletzten auch Menschen mit Stichverletzungen befinden sollen.
Die Polizei fahndet am frühen Sonntagmorgen weiterhin mit Hochdruck nach dem Tatverdächtigen. Polizeisprecher Florian Nath erklärte, der mutmaßliche Täter sei identifiziert worden, befinde sich aber noch nicht in Gewahrsam. Konkrete Angaben zu seiner Identität machte die Polizei zunächst nicht. Nach Angaben verschiedener Medien soll auch die GSG9 nach dem mutmaßlichen Täter fahnden.
Tatverdächtiger soll polizeibekannter Islamist sein
Nach Informationen der Bild-Zeitung handelt es sich bei dem Tatverdächtigen um den 21 Jahre alten Abdul B. Der Mann soll den Sicherheitsbehörden bereits als Angehöriger des islamistischen Milieus bekannt sein. Ob ein islamistisches Motiv hinter der Tat steht, ist damit allerdings noch nicht abschließend geklärt und Gegenstand der Ermittlungen.
Zeugen berichten von Verletzten mit Stichwunden
Neben den Verletzungen durch den weißen Lieferwagen könnten einige der Opfer auch durch eine Stichwaffe verletzt worden sein. Nach Angaben der Berliner Zeitung schilderten Zeugen der Polizei, dass am Tatort Menschen mit Stichverletzungen gelegen hätten.
„Das ist das, was uns Zeugen geschildert haben: dass dort Leute mit Stichverletzungen liegen sollen“, wird Polizeisprecher Florian Nath zitiert. Die Verletzten seien so schnell wie möglich in Krankenhäuser gebracht worden.
Ob tatsächlich mit einem Messer oder einer anderen Stichwaffe auf Menschen eingestochen wurde, ist bislang nicht abschließend bestätigt. Unklar ist ebenfalls, ob der Fahrer des Lieferwagens nach dem Zusammenstoß weitere Menschen angriff oder ob möglicherweise eine zweite Person beteiligt war.
Die Polizei erklärte, dass es unterschiedliche Zeugenaussagen dazu gebe, ob ein oder mehrere Täter an dem Angriff beteiligt waren. Die Ermittler hätten sich deshalb bei der Fahndung und den weiteren Maßnahmen breit aufgestellt.
Eine Frau getötet, mehrere Menschen lebensgefährlich verletzt
Nach dem aktuellen Stand wurde bei dem Angriff eine Frau getötet. Insgesamt mussten 16 weitere Menschen medizinisch versorgt werden. Nach Angaben der Berliner Feuerwehr schwebten drei von ihnen in Lebensgefahr, acht weitere wurden schwer verletzt. Fünf Menschen erlitten demnach leichtere Verletzungen.
Darüber hinaus wurden rund 30 Menschen psychologisch betreut, die den Angriff miterlebt hatten oder unmittelbar mit dessen Folgen konfrontiert waren. Die Feuerwehr war zeitweise mit rund 150 Einsatzkräften vor Ort.
Lieferwagen kollidierte nach Fahrt durch Menschenmenge mit Baum
Der Angriff ereignete sich am Samstagabend gegen 22 Uhr im Bereich des Ahornsteigs, der parallel zur Lennéstraße am Berliner Tiergarten verläuft. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei fuhr dort ein weißer Lieferwagen in eine Menschenmenge und erfasste mehrere Personen.
Anschließend kollidierte das Fahrzeug mit einem Baum. Der Fahrer verließ den beschädigten Lieferwagen und flüchtete zu Fuß in unbekannte Richtung.
Ob der inzwischen identifizierte Tatverdächtige den Lieferwagen tatsächlich gefahren hat, gehört zu den Fragen, die von den Ermittlern noch geklärt werden müssen. Auch die Herkunft des Fahrzeugs und mögliche Verbindungen zu weiteren Personen werden untersucht.
Tausende Polizisten in Berlin im Einsatz
Bereits zur Absicherung des Christopher Street Day waren seit Samstagmorgen mehr als 2.200 Polizisten in Berlin eingesetzt. Nach dem Angriff wurden die Kräfte durch mehrere Hundert weitere Beamte im gesamten Stadtgebiet verstärkt. An der Fahndung sind auch schwer bewaffnete und verdeckt eingesetzte Polizisten beteiligt.
Die Abschlussveranstaltung des CSD am Brandenburger Tor wurde nach dem Angriff abgebrochen. Die Veranstalter forderten die Besucher auf, das Gelände ruhig und geordnet zu verlassen, die Siegessäule und den Tiergarten zu meiden und sich in Richtung Hauptbahnhof zu bewegen.
Die Polizei bittet Zeugen, die den Angriff beobachtet oder Fotos und Videos aufgenommen haben, sich bei den Ermittlern zu melden.