Polizei durchsucht 160 Objekte in 19 Ländern wegen gefälschter Samsung-Handys
Europaweit haben Zoll, Polizei und Steuerfahnder am Dienstagmorgen gegen eine mutmaßliche Betrügerbande ermittelt, die gebrauchte Handys als Neuware verkauft haben soll. Wie der WDR, NDR und die Süddeutsche Zeitung berichten, durchsuchten die Behörden rund 160 Objekte in 19 Ländern. Sieben Beschuldigte waren bereits am Wochenende verhaftet worden, darunter die beiden mutmaßlichen Anführer Oleksiy S. und Eugen R. Die Europäische Staatsanwaltschaft bestätigte die laufenden Maßnahmen in einem Ermittlungsverfahren wegen Umsatzsteuerbetrugs und schätzt den entstandenen Schaden auf mindestens 300 Millionen Euro. Betroffen sind schätzungsweise eine Million verkaufte Geräte, die über Online-Plattformen wie Amazon an Kunden in der EU, vor allem in Deutschland, verkauft wurden. Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet, dass allein in Krefeld 10.000 bis 15.000 Geräte beschlagnahmt wurden. Die Ermittler scannen dort die Handys, um die Seriennummern zu erfassen.
Fälscher bauten Smartphones zu Neuware um
Laut den Recherchen von WDR, NDR und SZ sollen die Beschuldigten seit 2017 ein komplexes Betrugssystem aufgebaut haben. Dabei wurden aus alten Bauteilen zusammengesetzte Smartphones als fabrikneue Samsung-Modelle angeboten. Die Geräte seien auf asiatischen und arabischen Märkten gekauft, in Werkstätten in Dubai und Hongkong gereinigt, neu zusammengebaut und professionell verpackt worden. Äußerlich seien sie nicht von echten Samsung-Handys zu unterscheiden gewesen.
Umsatzsteuerbetrug durch manipulierte Lieferketten
Die Bande soll sich zudem eines ausgeklügelten Umsatzsteuerbetrugs schuldig gemacht haben. Nach Angaben der Ermittler wurde die Einfuhrumsatzsteuer für Importe in die EU umgangen, indem die Handys zunächst in den Niederlanden angemeldet und dann vorgetäuscht weiter in osteuropäische Länder geliefert wurden. Tatsächlich seien die Geräte jedoch direkt nach Deutschland gebracht und in einem Lagerhaus in Krefeld deponiert worden.
EU-Staatsanwaltschaft jagt internationale Betrügerbande
Die Europäische Staatsanwaltschaft (EUStA) in Luxemburg bestätigte, dass es sich um eine kriminelle Vereinigung handele, die seit Jahren agiere. Die beiden Hauptbeschuldigten, Oleksiy S. und Eugen R., seien bereits wegen Betrugsdelikten vorbestraft. Die Ermittlungen basieren unter anderem auf Observationen und abgehörten Telefonaten.
Kunden entlarven Fälschungen in Online-Bewertungen
Kundenbewertungen auf Online-Plattformen deuten auf Unregelmäßigkeiten hin. So berichteten Käufer von Problemen mit den Geräten, die sich als nicht neu herausstellten. Ein Kunde schrieb auf Amazon, dass Samsung nach Überprüfung der Geräte-ID bestätigte, dass es sich nicht um Neuware handele. Andere bemängelten, dass Modelle aus Indien verschickt wurden, obwohl sie als deutsche Version beworben wurden.