Nicht nur Katharina Pötter bleibt Oberbürgermeisterin der Stadt Osnabrück, auch Anna Kebschull bleibt Landrätin des Landkreises. Beide haben ihre Stichwahlen deutlich gewonnen. Politisch kommen sie aus unterschiedlichen Lagern, in den vergangenen Jahren haben CDU-Politikerin Pötter und die von den Grünen unterstützte Kebschull dennoch an vielen Stellen eine gemeinsame Linie für Stadt und Landkreis gefunden – nun gehen beide für acht Jahre in die Verlängerung.
Katharina Pötter setzte sich in der Osnabrücker OB-Stichwahl mit 56,95 Prozent gegen Volker Bajus durch. Anna Kebschull gewann die Landratsstichwahl im Landkreis nach den vorliegenden Ergebnissen noch deutlicher: 64,7 Prozent entfielen auf die Amtsinhaberin, CDU-Herausforderer Thomas Spieker kam auf 35,3 Prozent.
Damit bleiben die beiden wichtigsten Verwaltungsämter der Region in den Händen zweier Frauen, die politisch keineswegs aus demselben Lager kommen. Pötter gehört der CDU an, Kebschull war 2019 noch als Kandidatin der Grünen zur Landrätin gewählt worden und trat jetzt als unabhängige Einzelbewerberin mit Unterstützung der Grünen an.
Stadt und Landkreis rückten unter Pötter und Kebschull enger zusammen
Die unterschiedlichen Parteifarben haben die Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren an vielen Stellen nicht verhindert. Stadt und Landkreis traten unter Pötter und Kebschull bei mehreren größeren Projekten bewusst gemeinsam auf.
Ein Beispiel ist die geplante Medizinische Hochschule in Osnabrück. Stadt und Landkreis stellten das Projekt 2025 gemeinsam vor und schlossen sich dafür mit Universität, Hochschule und Kliniken zusammen. Pötter erklärte damals, Stadt und Landkreis wollten die Ausbildung eigener Mediziner in der Region gemeinsam angehen.
Ähnlich eng arbeiten beide Gebietskörperschaften beim geplanten neuen Förderschulcampus zusammen. Stadt und Landkreis entwickeln das Projekt gemeinsam; Pötter bezeichnete die Zusammenarbeit ausdrücklich als im Interesse der Schülerinnen und Schüler, Kebschull verwies darauf, dass dort junge Menschen aus Stadt und Landkreis zusammengebracht werden sollen.
Auch bei der Wirtschaftsförderung wurde die Stadt-Land-Grenze zunehmend weniger sichtbar. Pötter und Kebschull besuchten 2025 gemeinsam das regionale Startup-Ökosystem, begleitet von den Wirtschaftsförderungen WFO und WIGOS. Ziel war eine stärkere Vernetzung des Wirtschaftsraums Osnabrück.
Gemeinsames Auftreten statt alter Stadt-Land-Rivalität
Die Zusammenarbeit beschränkte sich nicht auf große Bau- und Wirtschaftsprojekte. 2025 richteten Stadt und Landkreis erstmals gemeinsam ein Fastenbrechen aus, 2026 wurde die Veranstaltung fortgesetzt. Pötter und Kebschull betonten dort gemeinsam die Bedeutung von Austausch und Vernetzung innerhalb der Region.
Hinzu kommen gemeinsame Projekte etwa bei Wasserstoff, Fördermitteln, Naturschutz oder der Zukunftsregion „StadtLandZukunft OS“. Dort arbeiten Stadt und Landkreis institutionell zusammen und entscheiden über Projekte, die ausdrücklich nicht an der Stadtgrenze enden.
Die politische Konstellation bleibt dennoch ungewöhnlich: Im Landkreis scheiterte mit Thomas Spieker ausgerechnet ein CDU-Kandidat deutlich an Kebschull, während in der Stadt Pötter für die CDU erneut das Oberbürgermeisteramt gewann. Die Mehrheiten in den Parlamenten von Stadt und Landkreis können wiederum ganz anders aussehen als die Mehrheiten bei den Direktwahlen.
Für die Zusammenarbeit der beiden Verwaltungschefinnen muss das zunächst wenig ändern. Beide erhalten mit ihren Wahlergebnissen ein neues persönliches Mandat für eine weitere Amtszeit. Für Kebschull beginnt diese laut Landkreis am 1. November 2026 und dauert acht Jahre.
Damit bleiben Pötter und Kebschull für weitere Jahre die beiden zentralen politischen Ansprechpartnerinnen auf beiden Seiten der Stadtgrenze – parteipolitisch getrennt, bei zahlreichen regionalen Projekten bislang aber auf einer gemeinsamen Arbeitsbasis.
Mehr Nachrichten aus der Region?
➡️ Alle aktuellen Artikel zu Osnabrück (Gesamtstadt) finden Sie hier.