Nur einen Tag nach der Kommunalwahl zieht Frank Henning eine weitere politische Konsequenz: Der langjährige SPD-Ratsherr und Landtagsabgeordnete wird sein am Sonntag gewonnenes Mandat im Osnabrücker Stadtrat nicht annehmen. Nachrücken wird der erst 24 Jahre alte Max Westendorf. Auffällig ist ein Blick auf die persönlichen Wahlergebnisse: Henning verlor gegenüber 2021 fast zwei Drittel seiner Stimmen.
Die Mitteilung, die am späten Montagabend von SPD-Unterbezirksvorstand und Ratsfraktion verschickt wurde, fällt denkbar knapp aus. Gerade einmal zwei Sätze benötigt die Partei für den nächsten Schritt in der Affäre um ihren langjährigen Mandatsträger:
„Frank Henning teilte dem Unterbezirksvorstand der SPD Osnabrück-Stadt und der SPD-Fraktion im Stadtrat mit, dass er das am 13.09. gewonnene Stadtratsmandat nicht annehmen wird. Der Vorstand nimmt dies zur Kenntnis und freut sich, dass Max Westendorf in den Rat nachrücken wird.“
Warum Henning sein Mandat nicht annimmt und ob der Schritt unmittelbar mit dem sogenannten „Frisuren-Gate“ zusammenhängt, schreibt die SPD nicht. Der zeitliche Zusammenhang ist allerdings ebenso unübersehbar wie das, was in der knappen Pressemitteilung fehlt: kein Hinweis auf gemeinsame politische Jahre und Erfolge, kein Dank – und kein einziges Wort des Bedauerns.
Henning verlor fast 62 Prozent seiner persönlichen Stimmen
Interessant ist ein Blick auf das persönliche Wahlergebnis von Frank Henning. 2026 konnte der Sozialdemokrat noch 1.040 Personenstimmen auf sich vereinigen und damit erneut ein beachtliches persönliches Ergebnis erzielen. Im Vergleich zur Kommunalwahl 2021 ist der Rückgang erheblich.
Damals entfielen nach dem amtlichen Endergebnis 2.719 Stimmen direkt auf Henning. Das waren 1.679 Stimmen mehr als jetzt – sein persönliches Ergebnis ist damit um knapp 62 Prozent eingebrochen.
Ganz direkt lassen sich beide Wahlen sicher nicht miteinander vergleichen. 2021 trat Henning gleichzeitig als Oberbürgermeisterkandidat der SPD an und erreichte bei der OB-Wahl 24,09 Prozent. Er war damit im gesamten Stadtgebiet wesentlich präsenter als bei der diesjährigen Kommunalwahl. Zudem wurden für die Wahl 2026 die Osnabrücker Wahlbereiche neu zugeschnitten.
Max Westendorf lag nur 214 Stimmen hinter Henning
Bemerkenswert ist zugleich das Ergebnis des jungen Mannes, der nun für Henning in den neuen Stadtrat einziehen soll. Max Westendorf erhielt 826 persönliche Stimmen – lediglich 214 weniger als Henning.
Auch für Westendorf lohnt sich der Vergleich mit 2021: Damals entfielen gerade einmal 174 persönliche Stimmen auf ihn. Innerhalb von fünf Jahren hat er sein Ergebnis damit nahezu verfünffacht. Bei der diesjährigen Kommunalwahl war Westendorf im Wahlbereich 2 auf Listenplatz drei hinter Frank Henning und Jutta Schäfferling angetreten.
Der heute 24-Jährige ist Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Darum-Gretesch-Lüstringen und auch außerhalb der Politik stark im Osnabrücker Osten verwurzelt. Erst im März dieses Jahres wurde der damals 23-Jährige zum Präsidenten des SC Lüstringen gewählt – als jüngster Vorsitzender in der Geschichte des Vereins.
Ein WhatsApp-Status löste viel aus
Ausgangspunkt der Entwicklung war ein öffentlich sichtbarer WhatsApp-Status Hennings Anfang September. Darin hatte er einen Artikel der Neuen Osnabrücker Zeitung kritisiert und die verantwortliche Journalistin Sandra Dorn persönlich angegriffen. Henning bezeichnete sie unter anderem als „ätzend“ und fügte hinzu: „Muss wohl an der neuen Frisur liegen.“ Später entschuldigte er sich telefonisch bei der Journalistin und auch öffentlich.
SPD-Chef Robert Alferink distanzierte sich daraufhin deutlich von seinem Parteifreund und bestellte Henning zum Gespräch ein. Beim Heimatabend verschärfte Alferink den Ton noch und fragte öffentlich: „Wie blöd muss man eigentlich sein?“
Wenige Tage später folgte die erste personelle Konsequenz: Henning erklärte, bei der Landtagswahl 2027 nicht erneut kandidieren zu wollen. Damals blieb allerdings ausdrücklich offen, was aus seiner politischen Zukunft im Osnabrücker Stadtrat werden würde. Denn bei der Kommunalwahl stand er weiterhin auf Platz eins der SPD-Liste im Wahlbereich 2.
Diese Frage hat sich seit Montagabend erledigt. Frank Henning hat das Mandat zwar gewonnen, wird es aber nicht annehmen. Offen bleibt weiterhin die Zukunft seines derzeitigen Landtagsmandats. Noch in der vergangenen Woche hatte die Osnabrücker SPD angekündigt, auch über einen möglichen vorzeitigen Verzicht darauf beraten zu wollen. Die neue Pressemitteilung enthält dazu keine Aussage.
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