Nach dem „Frisuren-Gate“ um den Osnabrücker SPD-Landtagsabgeordneten Frank Henning verschärft SPD-Chef und Oberbürgermeisterkandidat Robert Alferink den Ton gegenüber seinem Parteifreund deutlich. Beim Heimatabend am Sonntagabend in der Lagerhalle erklärte Alferink, Henning müsse sich vor dem Parteivorstand rechtfertigen. „Das wird kein schönes Gespräch“, kündigte der SPD-Chef an. Die möglichen Konsequenzen seien „aktuell sehr offen“.
Gegenüber HASEPOST präzisierte Alferink am Montagvormittag, dass der gesamte Parteivorstand nach Hennings Einlassungen und dessen „Einsichtsfähigkeit“ über das weitere Vorgehen entscheiden werde.
Zu Beginn des Heimatabends am Sonntagabend kam Robert Alferinkvor Publikum direkt und ohne Umschweife auf den WhatsApp-Status seines Parteifreundes zu sprechen. Henning hatte darin einen Artikel der NOZ scharf kritisiert und die verantwortliche Journalistin Sandra Dorn persönlich angegriffen. Unter anderem hatte er geschrieben: „Diese Frau Dorn ist einfach nur ätzend. Muss wohl an der neuen Frisur liegen.“
Alferink bezeichnete die Äußerung erneut als herabwürdigend und für einen Berufspolitiker „nicht tragbar“. Er habe den WhatsApp-Status direkt gesehen und anschließend versucht, Henning zu erreichen. Dieser sei jedoch zunächst nicht erreichbar gewesen, weshalb der Status noch längere Zeit online geblieben sei.
„Und ich hab mir gedacht: Wie blöd muss man eigentlich sein?“
Seine erste Reaktion beschrieb Alferink vor dem Publikum in der Lagerhalle ungewöhnlich deutlich: „Und ich hab mir gedacht: Wie blöd muss man eigentlich sein?“ Dafür erhielt der SPD-Oberbürgermeisterkandidat Applaus.
Noch bevor er sich öffentlich von Henning distanzierte, habe Alferink die betroffene NOZ-Journalistin Sandra Dorn persönlich angerufen. Ihm sei wichtig gewesen, ihr unmittelbar zu erklären: „Das, was da gerade steht, das ist nicht die Position von mir und das ist nicht die Position der SPD Osnabrück.“ Bemerkenswert war dabei eine weitere Formulierung Alferinks. Er bezeichnete Hennings Äußerung als „offensichtlich das Momentversagen und vielleicht auch die Überzeugung eines Mannes, der nicht weiß, wie man mit seinem WhatsApp-Status umgeht“.
Alferink sagte, er sei „wirklich entsetzt“ gewesen, als er den Beitrag gesehen habe. Politische Auseinandersetzungen seien nicht immer frei von Härte. „Aber da, wo Grenzen überschritten werden und Menschen tatsächlich aufgrund ihres Äußeren niedergemacht werden, das geht auf gar keinen Fall, insbesondere nicht in Osnabrück, aber eigentlich nirgendwo.“ Auch dafür gab es Applaus im Saal.
Konsequenzen für Frank Henning noch offen: „Das wird kein schönes Gespräch“
Deutlicher als noch in seiner ersten schriftlichen Stellungnahme äußerte sich Alferink anschließend zum weiteren parteiinternen Umgang mit Henning. „Wir haben als Partei beschlossen, Frank Henning vorzuladen und mit ihm über unsere Erwartungen, wie Mandatsträger sich zu verhalten haben, zu sprechen“, sagte der SPD-Vorsitzende. Und Alferink machte deutlich, dass es dabei nicht lediglich um ein unverbindliches Gespräch gehen soll: „Das wird kein schönes Gespräch und die Konsequenzen sind da auch aktuell sehr offen.“
Er wolle dem Gespräch allerdings nicht vorgreifen: „Ich will, dass er sich vor dem Parteivorstand rechtfertigt und dann werden wir eine Entscheidung treffen, wie wir da weiter vorgehen.“ Seine Stellungnahme beim Heimatabend beendete Alferink mit den Worten: „Aber das hat keinen Platz in Osnabrück.“
Termin für Aussprache mit Frank Henning steht noch nicht
Auf Nachfrage von HASEPOST präzisierte Alferink am Montagvormittag, was er mit den noch offenen Konsequenzen meint. „Die Konsequenzen sind offen, weil der Parteivorstand in seiner Gänze mit Frank sprechen und anhand seiner Einlassungen und Einsichtsfähigkeit entscheidet, wie es weitergeht“, erklärte der SPD-Vorsitzende. An seiner persönlichen Bewertung von Hennings Äußerungen gebe es dagegen nichts mehr zu beraten. „Persönliche und körperbezogene Herabwürdigungen einer Journalistin sind für mich nicht akzeptabel“, so Alferink. Für diese Haltung brauche es „weder eine mehrtägige Beratung noch einen Umlaufbeschluss“. Davon unterscheide er jedoch die Frage nach möglichen parteiinternen Konsequenzen. Diese wolle er als Vorsitzender weder im Alleingang noch in einem kurzfristigen digitalen Verfahren vorentscheiden. „Gerade wenn es um eine Person und mögliche Konsequenzen geht, halte ich eine ordentliche Aussprache im gewählten Vorstand für den angemessenen Weg.“ Ein Termin für diese Aussprache steht am Montagvormittag noch nicht fest. Nach Angaben Alferinks wird das Treffen derzeit terminiert.
CDU fordert Konsequenzen für Ratsmitglied und Landespolitiker Henning
Bereits am Samstag hatte die Osnabrücker CDU-Kreisvorsitzende Verena Kämmerling Konsequenzen von der SPD gefordert. Eine Journalistin persönlich als „ätzend“ zu bezeichnen und sich abwertend über ihre Frisur zu äußern, habe mit inhaltlicher Kritik an einer Berichterstattung nichts mehr zu tun. Kämmerling bezeichnete Henning als „unwürdig“, ein öffentliches Mandat zu bekleiden. Henning selbst hatte sich nach seinem WhatsApp-Status telefonisch bei Sandra Dorn sowie öffentlich entschuldigt. Seine Kritik sei „völlig überzogen und unangemessen“ gewesen und tue ihm sehr leid.
HASEPOST hatte den Vorgang bereits am Samstag in einem Kommentar eingeordnet.
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