Der öffentliche Angriff des Osnabrücker SPD-Landtagsabgeordneten und Ratsherrn Frank Henning auf eine NOZ-Journalistin zieht nun parteipolitische Konsequenzen nach sich. SPD-Chef und Oberbürgermeisterkandidat Robert Alferink distanziert sich ausdrücklich von Henning und hat ihn gemeinsam mit dem Unterbezirksvorstand kurzfristig zu einem persönlichen Gespräch einbestellt.
Die CDU-Kreisvorsitzende Verena Kämmerling geht noch weiter und fordert Konsequenzen.
Alferink: „Persönliche Herabwürdigung ist keine politische Auseinandersetzung“
Der Osnabrücker SPD-Vorsitzende Robert Alferink, der am 13. September als Kandidat für das Amt des Oberbürgermeisters auf dem Stimmzettel steht, reagierte am Samstag mit einer ausführlichen Stellungnahme auf die Äußerungen seines Parteifreundes.
„Die Äußerung von Frank Henning über die Journalistin Sandra Dorn ist respektlos und persönlich herabwürdigend. Sie überschreitet eine Grenze, die in der politischen Auseinandersetzung nicht überschritten werden darf“, erklärte Alferink. Als Vorsitzender der SPD Osnabrück und als Oberbürgermeisterkandidat distanziere er sich „ausdrücklich“ von Hennings Äußerung.
SPD-Vorstand bestellt Henning zum Gespräch ein
Alferink machte zudem deutlich, dass es nicht bei einer öffentlichen Distanzierung bleiben soll. Gemeinsam mit dem Unterbezirksvorstand habe er Frank Henning kurzfristig zu einem persönlichen Gespräch einbestellt.
„Wir werden die Äußerung und die entstandene Situation mit ihm aufarbeiten. Dem Ergebnis dieses Gesprächs möchte ich nicht vorgreifen“, so der SPD-Chef.
Seine Bewertung sei allerdings bereits jetzt eindeutig: „Sie war falsch und respektlos und hätte nicht getätigt werden dürfen.“
Alferink erklärte zudem, er habe bereits persönlich mit der betroffenen NOZ-Journalistin gesprochen. Ihm sei wichtig gewesen, ihr seine Haltung unmittelbar deutlich zu machen und nicht nur öffentlich Stellung zu beziehen.
Kämmerling fordert Konsequenzen
Deutlich weiter geht die Osnabrücker CDU-Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Verena Kämmerling. Sie fordert vom SPD-Vorsitzenden konkrete Konsequenzen.
Eine Journalistin persönlich als „ätzend“ zu bezeichnen und sich abwertend über ihre Frisur zu äußern, habe „mit inhaltlicher Kritik an einer Berichterstattung nichts mehr zu tun“, erklärte Kämmerling.
Sie kritisiert zudem Hennings anschließende öffentliche Entschuldigung. Diese habe sich ihrer Ansicht nach auf die Kritik an der journalistischen Arbeit bezogen, nicht jedoch ausdrücklich auf die persönliche Bemerkung über das Aussehen der Journalistin.
Kämmerling wirft Henning deshalb vor, sein Verhalten zeige, „welch niedrigen Stellenwert Frauen offenbar für den Sozialdemokraten Frank Henning haben“.
CDU: Henning sei „unwürdig“, ein öffentliches Mandat zu bekleiden
Die CDU-Politikerin fordert Alferink auf, nun zu handeln: „Man kann als Parteivorsitzender nicht bei jeder Gelegenheit öffentlich für Frauenrechte eintreten und gleichzeitig Frauenfeindlichkeit unter den eigenen Mandatsträgern und Stadtrats-Kandidierenden dulden oder decken.“
Kämmerling geht noch einen Schritt weiter. Jemand, der Frauen auf diese Weise angreife und herabsetze, sei ihrer Ansicht nach „unwürdig, ein öffentliches Mandat zu bekleiden – weder ehrenamtlich im Stadtrat noch als Mitglied des niedersächsischen Landtags“.
Auslöser war WhatsApp-Status von Frank Henning
Auslöser der Debatte war ein WhatsApp-Status von Frank Henning, in dem er einen Artikel der NOZ scharf kritisierte und die verantwortliche Redakteurin Sandra Dorn persönlich angriff. Henning schrieb unter anderem: „Diese Frau Dorn ist einfach nur ätzend. Muss wohl an der neuen Frisur liegen.“
öffentlich gepostete Schmähkritik an NOZ-Journalistin / Screenshot WhatsApp
Der Beitrag war für seine WhatsApp-Kontakte sichtbar und verbreitete sich anschließend als Screenshot in zahlreichen Osnabrücker Chatgruppen.
Henning entschuldigte sich später sowohl telefonisch bei Sandra Dorn als auch öffentlich über einen weiteren WhatsApp-Status. Darin bezeichnete er seine Kritik als „völlig überzogen und unangemessen“ und erklärte, ihm tue sein Verhalten sehr leid.
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