Nach dem Aus des deutsch-französischen Kampfflugzeugprojekts FCAS spricht sich Luftwaffeninspekteur Holger Neumann für die Anschaffung weiterer F-35-Kampfjets aus US-Produktion aus. Zwischen der Auslieferung der letzten Eurofighter im Jahr 2035 und einem künftigen europäischen Kampfflugzeug entstehe eine Fähigkeitslücke, die geschlossen werden müsse, sagte er dem „Handelsblatt“.
Luftwaffe sieht Fähigkeitslücke ab 2035
Holger Neumann, Generalleutnant und Inspekteur der Luftwaffe, verwies im Gespräch mit dem „Handelsblatt“ auf den Zeitraum nach der geplanten Auslieferung der letzten Eurofighter im Jahr 2035. Zwischen diesem Zeitpunkt und der Verfügbarkeit eines neuen europäischen Kampfflugzeugs entstehe eine Lücke, die überbrückt werden müsse. Vor diesem Hintergrund signalisiert Neumann Sympathie für die Beschaffung zusätzlicher F-35-Jets des US-Herstellers Lockheed Martin.
Er habe das Verteidigungsministerium gebeten, ab 2035 nur noch Waffensysteme der fünften Generation zu beschaffen, sagte der ranghöchste Offizier der Luftwaffe dem „Handelsblatt“. Andernfalls stoße man an operationelle Grenzen, weil der Eurofighter beispielsweise keine Tarnkappeneigenschaften habe.
Anforderungen an Kampfflugzeuge der Zukunft
Neumann betonte laut „Handelsblatt“, Kampfflugzeuge der Zukunft müssten über Stealth-Eigenschaften verfügen. Zudem müssten sie mit unbemannten Systemen zusammenwirken und auf gemeinsame Datenräume zugreifen können. Diese Eigenschaften erfülle aktuell am ehesten die F-35.
Der Jet von Lockheed Martin könne Deutschland nach Einschätzung Neumanns auch bei der Erlangung von Deep-Strike-Fähigkeiten unterstützen. Die F-35 sei „per se eine Deep-Strike-Fähigkeit“, sagte Neumann dem „Handelsblatt“. Aufgrund ihrer Tarnkappeneigenschaften sei sie relativ schwer aufklärbar und könne durch ihre eigene Reichweite sowie in Verbindung mit Abstandswaffen tief auf gegnerischem Gebiet wirken.
F-35 als Übergangslösung nach FCAS-Aus
Mit Blick auf das Aus des deutsch-französischen Kampfflugzeugprojekts FCAS verweist Neumann laut „Handelsblatt“ auf die Notwendigkeit, die entstehende Lücke im Fähigkeitsspektrum der Luftwaffe zu schließen. Die F-35 biete nach seiner Darstellung Merkmale, die für künftige Einsätze entscheidend seien, darunter Stealth-Fähigkeiten, die Möglichkeit zur Kooperation mit unbemannten Systemen und der Zugriff auf gemeinsame Datenräume.