Eine Woche vor der Kommunalwahl haben wir zwei der stärksten am Markt verfügbaren KI-Modelle (xAI SuperGrok Heavy 4.6 und OpenAI GPT-6 Astra) auf eine Zeitreise durch 25 Jahre historische Wahlergebnisse auf Bundesebene und in Osnabrück geschickt und zusätzlich Wahlprognosen und Meinungstrends untersuchen lassen. Dabei wurde insbesondere nach Abhängigkeiten und Volatilitäten gesucht – und die Modelle haben sich sehr für die einzelnen Wahlbezirke interessiert, denn hier kommt das Potential her, das durch einen Wechsel der Parteipräferenz dafür sorgt, dass 2025 nicht wie 2021 ist – überhaupt nicht!
Das Ergebnis ist die Wahlprognose unserer Redaktion für die Kommunalwahl 2026. Wir beginnen mit den Stimmen und der Sitzverteilung für die an der Wahl teilnehmenden Parteien. Im zweiten Teil, voraussichtlich am Montag, geht es um eine Prognose für die Wahl der Oberbürgermeisterin bzw. des Oberbürgermeisters.
So gerne wollen die Osnabrücker Grünen politisch vielleicht ein wenig wie das nahe Münster sein – oder zumindest der Landeshauptstadt Hannover nacheifern. Ein grüner Oberbürgermeister! Immerhin sind sie seit 2021 die stärkste Fraktion im Osnabrücker Stadtrat. Folgt jetzt der Griff nach den Schlüsseln für das Chefbüro im Rathaus?
Spoileralarm: Zumindest bei der Besetzung des Stadtrats sieht es für die Grünen derzeit nicht besonders gut aus – das prognostizierenden zumindest die von uns befragten künstlichen Intelligenzen. Ausgerechnet die Partei, die 2021 mit 29,2 Prozent erstmals stärkste Kraft in Osnabrück wurde, könnte am 13. September zum großen Verlierer der Kommunalwahl werden. Ob davon automatisch die CDU profitiert, ist allerdings eine ganz andere Frage. Denn Osnabrück hat schon einmal gezeigt, dass die stärkste Ratsfraktion am Ende politisch ziemlich alleine dastehen kann.
Die parallel stattfindende Oberbürgermeisterwahl ist noch einmal ein eigenes Thema und soll hier ausdrücklich nicht im Mittelpunkt stehen. Nur so viel: Auch dort sieht es derzeit nicht danach aus, als könne der grüne Kandidat Volker Bajus an den Erfolg seiner Partei von 2021 anknüpfen.
Schon bei der vergangenen Kommunalwahl zeigte sich ohnehin eindrucksvoll, wie weit Partei- und Personenwahl auseinanderliegen können. Während die Grünen stärkste Kraft im Stadtrat wurden, setzte sich CDU-Kandidatin Katharina Pötter bei der gleichzeitig stattfindenden Oberbürgermeisterwahl bereits im ersten Wahlgang deutlich an die Spitze. Zwei Wochen später gewann sie die Stichwahl gegen die grüne Kandidatin Annette Niermann mit rund 56 zu 44 Prozent.
Aber damit soll es zur Oberbürgermeisterwahl an dieser Stelle auch genug sein. Für unsere Analyse ist lediglich wichtig: Wer in Osnabrück Grün wählt, muss deshalb noch lange keinen grünen Oberbürgermeister wollen – und umgekehrt.
Frank Hennings Frisuren-Schmähung könnte noch für Wechselwähler sorgen
Viel spannender ist die Frage, was bei der Kommunalwahl mit den Parteien passiert.
Und dabei könnte ausgerechnet die bundesweit schwer angeschlagene SPD für eine Überraschung sorgen. Für Osnabrück nach den vorliegenden Zahlen sogar für eine positive Überraschung aus Sicht der SPD.
Allerdings ist in den vorliegenden Zahlen nicht eingepreist, ob nicht vielleicht das „Frisuren-Gate“ von Frank Henning, immerhin Langzeit-Landtagsabgeordneter, Dauer-Ratsmitglied und eine führende Person der Osnabrücker Sozialdemokraten, nicht für einen erheblichen Abfluss von Wählerstimmen innerhalb des linken Lagers zu den Grünen oder der Linken führen könnte.
Fangen wir historisch an…
Bei der Kommunalwahl 2001 erhielt die CDU in Osnabrück noch 43,0 Prozent. Die SPD kam auf 31,7 Prozent, die Grünen auf gerade einmal 10,3 Prozent.
2006 waren es 38,4 Prozent für die CDU, 34,7 Prozent für die SPD und 12,1 Prozent für die Grünen.
2011 begann sich das Gefüge sichtbar zu verändern. Die Grünen sprangen auf 20,9 Prozent, während CDU und SPD auf 35,2 beziehungsweise 29,9 Prozent kamen. Der Fukushima-Effekt dürfte bei diesem außergewöhnlichen Sprung eine Rolle gespielt haben.
2016 stabilisierte sich die CDU noch einmal bei 37,6 Prozent. Die SPD erreichte nur noch 24,9 Prozent, die Grünen 18,2 Prozent.
Dann kam 2021: Die Grünen ganz oben in Osnabrück!
Die Grünen erreichten 29,2 Prozent und wurden erstmals stärkste Kraft im Osnabrücker Stadtrat. Die CDU fiel auf 25,6 Prozent, die SPD auf 23,3 Prozent.
Die Linke kam auf 4,6 Prozent, der Bund Osnabrücker Bürger – BOB – auf 3,5 Prozent, die AfD auf kaum wahrnehmbare 1,9 Prozent, Volt auf 1,4 und die UWG auf 1,3 Prozent – was bei den Kleinparteien immerhin noch für jeweils einen Sitz im Stadtrat sorgte. Einen weiteren Sitz bekam der Spaßkandidat Kalla Wefel, der auf dem Ticket der „PARTEI“ in den Stadrat kam.
Osnabrück war schon vor Baerbock außergewöhnlich grün
Es wäre zu einfach, den grünen Wahlsieg von 2021 hauptsächlich mit dem damaligen Bundestagswahlkampf und der Popularität der Bundes-Grünen rund um Annalena Baerbock und Robert Habeck zu erklären.
Denn schon bei der Europawahl 2019 hatten die Grünen innerhalb der Stadt Osnabrück bemerkenswerte 33,3 Prozent erreicht. Die CDU kam damals lediglich auf 23,7 Prozent, die SPD auf 17,7 und die AfD auf 4,8 Prozent.
Osnabrück war also schon zwei Jahre vor der letzten Kommunalwahl außergewöhnlich grün und der Union hätte da schon klar sein sollen, dass die guten Zeiten vorerst vorbei sein werden.
Eine naheliegende Erklärung dafür liegt in der Struktur der Stadt selbst.
Osnabrück ist Universitäts- und Hochschulstadt. Studenten, jüngere Erwachsene, Akademiker und Beschäftigte in Wissenschaft und Bildung prägen insbesondere innerstädtische Quartiere. Genau in solchen urbanen Milieus waren die Grünen über Jahre besonders stark.
Das Problem für die Grünen 2026: Dieses Wählerreservoir gehört ihnen längst nicht mehr alleine.
Der größte Gegner der Grünen steht diesmal links von der einstigen Ökopartei
Bei der Bundestagswahl 2021 kamen die Grünen innerhalb der Stadt auf 27,3 Prozent. Die Linke erreichte lediglich 5,1 Prozent.
Vier Jahre später hatte sich das Kräfteverhältnis dramatisch verändert. Bei der Bundestagswahl 2025 erreichten die Grünen in der Stadt nur noch 18,7 Prozent. Die Linke sprang gleichzeitig auf 13,7 Prozent.
Die SPD wurde mit 23,8 Prozent stärkste Partei, die CDU erreichte 22,6 Prozent und die AfD 10,1 Prozent.
Aus diesen Zahlen lässt sich selbstverständlich keine direkte Wählerwanderung ableiten. Niemand weiß anhand eines Wahlergebnisses, welcher frühere Grünen-Wähler anschließend sein Kreuz bei der Linken gemacht hat. Wanderungsanalysen gibt es auf kommunaler Ebene nicht – zumindest nicht frei zugänglich.
Die räumliche Verteilung liefert aber einen bemerkenswerten Hinweis.
Die Linke wurde 2025 gerade in einigen innerstädtischen und zuvor besonders grünen Wahlbezirken außergewöhnlich stark. In einem Wahlbezirk der Innenstadt erreichte sie mehr als 35 Prozent, auch in Wüste, Gartlage und Kalkhügel wurden Werte von rund einem Viertel oder deutlich darüber erreicht.
Damit konkurriert die Linke heute genau dort um Stimmen, wo die Grünen ihre besondere Osnabrücker Stärke aufgebaut haben.
Das könnte bei der Kommunalwahl wichtiger werden als die Konkurrenz mit der CDU.
Die Linke muss die Grünen gar nicht überholen.
Schon ein Ergebnis um zehn Prozent könnte reichen, um den Grünen genau jene Stimmen zu nehmen, die ihnen 2021 den Sprung auf Platz eins ermöglicht haben.
Und auch Volt fischt im gleichen Teich
Hinzu kommt Volt.
Bei der Kommunalwahl 2021 reichten 1,4 Prozent für einen Sitz im Stadtrat. Bei der Europawahl 2024 erreichte Volt innerhalb der Stadt dagegen bemerkenswerte 5,4 Prozent.
Eine Europawahl ist für eine dezidiert europäische Partei natürlich ein besonders günstiges Pflaster. Ein kommunaler Sprung auf fünf Prozent wäre daraus nicht abzuleiten.
Aber Volt bestätigt ein Muster: Auch diese Partei ist gerade im jungen, urbanen und akademischen Milieu Osnabrücks überdurchschnittlich anschlussfähig.
Nach unserer Einschätzung dürfte Volt bei der Kommunalwahl eher stagnieren oder moderat zulegen als einen großen Sprung machen. Doch auch ein oder zwei Prozent können für die Grünen schmerzhaft sein, wenn gleichzeitig die Linke in genau demselben Wählerreservoir stark wächst.
Schon 2021 war der grüne Wahlsieg brüchiger, als er aussah
Dass die 29,2 Prozent von 2021 nicht mit einer ebenso großen fest gebundenen grünen Stammwählerschaft gleichgesetzt werden dürfen, zeigte sich schon am selben Wahltag.
Während die Grünen die Kommunalwahl gewannen, lag Katharina Pötter bei der Oberbürgermeisterwahl deutlich vor Annette Niermann. In der Stichwahl wurde der Abstand noch größer.
Schon auf dem Höhepunkt der grünen Stärke konnten zahlreiche Osnabrücker also gleichzeitig einen starken grünen Stadtrat wollen und trotzdem eine CDU-Oberbürgermeisterin wählen.
Das lässt rückblickend eine andere Interpretation des grünen Rekordergebnisses zu:
Vielleicht waren die 29,2 Prozent weniger ein neues dauerhaftes grünes Normal als das Zusammentreffen einer ohnehin starken grünen Basis in einer Universitätsstadt mit einer außergewöhnlich günstigen politischen Großwetterlage.
Diese Großwetterlage existiert 2026 nicht mehr.
Die SPD sollte man nicht vorschnell auf Platz drei abschreiben – nicht in Osnabrück!
Noch komplizierter wird die Einschätzung bei der SPD.
Bundespolitisch könnte ihre Ausgangslage kaum schlechter sein. Im jüngsten ARD-DeutschlandTrend liegt sie nur noch bei etwa dreizehn Prozent.
Überträgt man diese Stimmung einfach auf Osnabrück, müsste die SPD bei der Kommunalwahl deutlich verlieren. Aber genau hier mahnen die jüngsten Osnabrücker Wahlergebnisse zur Vorsicht.
Bei der Bundestagswahl 2025 wurde die SPD bei den Zweitstimmen innerhalb der Stadt mit 23,8 Prozent stärkste Partei – vor der CDU mit 22,6 Prozent und den Grünen mit 18,7 Prozent.
Auch bei den Erststimmen zeigte sich eine bemerkenswerte Besonderheit: SPD-Kandidat Thomas Vaupel lag innerhalb der Stadt vor CDU-Kandidat Mathias Middelberg. Middelberg gewann das Direktmandat erst durch seine stärkeren Ergebnisse in den zum Bundestagswahlkreis gehörenden Umlandgemeinden.
Das beweist nicht, dass die SPD am 13. September vor CDU oder Grünen landen wird.
Aber es zeigt, dass die Osnabrücker SPD über ein erhebliches lokales Wählerpotenzial verfügt, das weit über die derzeitige bundesweite Stärke ihrer Partei hinausgeht.
Ein Absturz auf Bundesniveau erscheint deshalb kaum plausibel. Und damit ist keineswegs ausgemacht, dass die Grünen überhaupt Platz zwei verteidigen können. Siehe Eingangsbemerkung: Nicht mit einberechnet sind jüngste Effekte durch den SPD-Stress mit Frank Henning.
Die CDU hat einen erstaunlichen Kommunalbonus
Auch bei der CDU gibt es ein wiederkehrendes Osnabrücker Muster.
Sie schneidet bei Kommunalwahlen regelmäßig besser ab als bei zeitnahen Bundestagswahlen innerhalb der Stadt.
2006 lag ihr Ergebnis bei der Kommunalwahl rund sechs Prozentpunkte über dem Osnabrücker Ergebnis der Bundestagswahl des Vorjahres.
2016 betrug der Abstand zur Bundestagswahl 2017 erneut mehrere Prozentpunkte.
Und 2021 erhielt die CDU bei der Kommunalwahl 25,6 Prozent, während sie zwei Wochen später bei der Bundestagswahl innerhalb der Stadt nur 20,3 Prozent erreichte. Daraus lässt sich kein mathematisch garantierter „CDU-Kommunalbonus“ ableiten.
Aber das Muster ist bemerkenswert. Die CDU erreicht bei Kommunalwahlen offenbar regelmäßig Osnabrücker, die ihr bei Bundestagswahlen ihre Stimme nicht geben. Und das könnte 2026 ihr Rettungsanker werden – eventuell sogar ihr Vehikel an die Spitze.
Bundespolitisch ist die Situation der Union natürlich ausgesprochen schlecht.
Bundeskanzler Friedrich Merz kommt derzeit nur auf 16 Prozent Zufriedenheit. Im ARD-DeutschlandTrend ist das der bislang schlechteste Wert eines amtierenden Bundeskanzlers. Mit der Arbeit der Bundesregierung sind lediglich 13 Prozent zufrieden.
Die CDU könnte jedoch am 13. September in Osnabrück also Stimmen verlieren – und trotzdem stärkste Kraft werden – das sagen uns die befragten KI-Modelle.
Die CDU könnte die Kommunalwahl gewinnen und trotzdem alleine dastehen
Genau darin liegt eines der möglichen Paradoxa dieser Wahl.
Fällt die CDU beispielsweise von 25,6 auf 22 oder 23 Prozent, während die Grünen von 29,2 ebenfalls in diesen Bereich zurückgehen, wäre die CDU trotzdem noch auf Platz eins, denn die Grünen verlieren voraussichtlich mehr an ihrer Basis.
Die Grünen geraten gleichzeitig von mehreren Seiten unter Druck:
- Links konkurriert eine erheblich erstarkte Linke um jüngere und urbane Wähler.
- Volt bindet einen kleinen Teil desselben Milieus.
- In der Mitte verfügt die Osnabrücker CDU über eine erstaunlich widerstandsfähige kommunale Basis.
- Und die SPD ist in Osnabrück lokal deutlich stärker, als es die Schwäche ihrer Bundespartei vermuten lässt.
Der sichtbar größte Verlierer könnte deshalb tatsächlich die Partei werden, die 2021 den größten Triumph feierte.
BOB hinterlässt 3,5 Prozent ohne bisherige politische Heimat
Zusätzliche Bewegung gibt es auf der bürgerlichen beziehungsweise rechten Seite. BOB erreichte 2016 3,7 Prozent und 2021 noch 3,5 Prozent. Bei beiden Kommunalwahlen zog die Wählergemeinschaft mit zwei Vertretern in den Stadtrat ein. Doch 2026 tritt BOB nicht mehr an.
Die 3,5 Prozent von 2021 verschwinden damit aber natürlich nicht. Ihre damaligen Wähler müssen sich neu orientieren.
Eine Gleichung „BOB weg – AfD plus 3,5 Prozent“ wäre aber viel zu einfach.
BOB war stark kommunalpolitisch und vielfach bürgerlich-konservativ ausgerichtet. Die beiden ehemaligen BOB-Ratssitze werden inzwischen sogar der CDU-Fraktion zugerechnet.
Ein Teil der ehemaligen BOB-Wähler dürfte also zur CDU wechseln. Andere könnten FDP, UWG oder AfD wählen – oder diesmal gar nicht.
Interessant ist dennoch, dass sich die frühere BOB-Stärke räumlich teilweise mit Gebieten überschneidet, in denen inzwischen auch die AfD deutlich stärker geworden ist.
Damit entsteht für CDU und AfD ein zusätzliches kleines Wählerreservoir, um das beide konkurrieren.
Die AfD hat ihre Hochburgen bereits gefunden
Bei der Bundestagswahl 2025 kam die AfD innerhalb der Stadt Osnabrück auf 10,1 Prozent. Das ist deutlich weniger als bundesweit – aber mehr als fünfmal so viel wie ihre 1,9 Prozent bei der Kommunalwahl 2021.
Noch interessanter ist die räumliche Verteilung.
In einzelnen Wahlbezirken von Haste, Eversburg, Atter und Schinkel erreichte die AfD bereits deutlich mehr als 20 Prozent, in einem Haster Wahlbezirk sogar mehr als 30 Prozent.
Gerade Haste und Eversburg haben dabei eine besondere Sozialgeschichte. Beide Stadtteile nahmen in den 1980er- und frühen 1990er-Jahren viele Spätaussiedler aus Russland beziehungsweise der damaligen Sowjetunion auf. Daneben gehören insbesondere Eversburg und Schinkel traditionell zu eher arbeitnehmergeprägten und sozial heterogenen Teilen Osnabrücks.
Ein direkter Zusammenhang zwischen dieser Bevölkerungsstruktur und AfD-Wahlverhalten lässt sich daraus selbstverständlich nicht ableiten.
Auffällig bleibt aber die starke räumliche Konzentration. Und daraus entsteht für die AfD auch eine Wachstumsgrenze.
Wenn eine Partei in einzelnen Bezirken bereits 25, 30 oder mehr Prozent erreicht, genügt es für ein deutlich höheres Gesamtergebnis nicht, dort nur noch etwas zuzulegen.
Die AfD muss für weiteres Wachstum ihre bisherigen Hochburgen verlassen und in Milieus vordringen, in denen sie bislang deutlich schwächer ist.
Genau deshalb ist keineswegs sicher, dass sich der derzeitige bundesweite AfD-Höhenflug eins zu eins auf das gesamte Stadtgebiet übertragen lässt.
BSW und UWG bleiben kleinere Unsicherheitsfaktoren
Zusätzlich tritt das Bündnis Sahra Wagenknecht erstmals breit zur Osnabrücker Kommunalwahl an.
Das BSW besitzt in Osnabrück allerdings weder eine längere kommunalpolitische Geschichte noch eine ähnlich gewachsene lokale Präsenz wie die etablierten Parteien. Hinzu kommen die zuletzt sehr öffentlich ausgetragenen innerparteilichen Konflikte.
Ein großer Durchbruch erscheint deshalb derzeit eher unwahrscheinlich.
Doch auch zwei oder drei Prozent können anderen Parteien fehlen – insbesondere der Linken, möglicherweise aber auch SPD und AfD.
Ähnlich dürfte es bei der UWG aussehen.
Sie erreichte bei den vergangenen Kommunalwahlen 1,8 Prozent im Jahr 2001, 2,3 Prozent 2006, 2,9 Prozent 2011, 1,8 Prozent 2016 und zuletzt 1,3 Prozent.
Ein großer Sprung wäre angesichts dieser Geschichte und vieler neuer, bislang wenig bekannter Kandidaten überraschend.
Unsere Arbeitshypothese für den 13. September
Eine repräsentative Umfrage zur Osnabrücker Kommunalwahl gibt es nicht – auch das hier ist kein Ergebnis, das auf Befragungen von Wählern basiert.
Unser zentrales Ergebnis ist deshalb vielmehr eine Arbeitshypothese, abgeleitet aus den vergangenen Kommunalwahlen, den jüngsten Bundes-, Landes- und Europawahlen und den besonderen politischen Strukturen der Stadt.
Zentrales Element sind die Korridore – bewusst keine auf 100 Prozent gerechnete Vorhersage. Im Raum der Korridore – mal enger mal breiter – sehen unsere KI-Modelle das wahrscheinliche Wahlergebnis.
Grafik: ki-generiert (Gemini)
Am wahrscheinlichsten erscheint demnach derzeit ein enges Rennen um Platz eins, mit einem erheblichen Verlustrisiko für die Grünen und einer SPD, die wegen ihrer lokalen Stärke wesentlich schwerer einzuschätzen ist, als die Bundespolitik vermuten lässt.
Doch selbst wenn wir mit dieser Einschätzung ungefähr richtigliegen, fehlt noch die wichtigste Frage:
Wer kann mit diesen Ergebnissen anschließend überhaupt Politik machen?
Welche Mehrheit wird den neuen Stadtrat dominieren?
Die bisherige Lage ist einfach.
Von den 50 gewählten Ratsmitgliedern stellen die Grünen 14, die SPD zwölf und Volt einen. Die Mehrheitsgruppe Grüne/Volt und SPD verfügt damit über 27 der 50 gewählten Sitze und kann ohne Unterstützung anderer Parteien entscheiden. Als 51. stimmberechtigtes Mitglied gehört die Oberbürgermeisterin ebenfalls dem Rat an.
Diese klare Mehrheit dürfte nach unserer Arbeitshypothese Geschichte sein.
Und damit wird eine alte Osnabrücker Erfahrung wieder aktuell:
Stärkste Fraktion zu sein bedeutet noch lange nicht, den Stadtrat zu dominieren.
Das zeigte besonders die Wahlperiode nach 2016.
Die CDU war damals mit 19 von 50 gewählten Ratsmitgliedern mit weitem Abstand stärkste Fraktion. Die SPD verfügte über 13 Sitze, die Grünen über neun, die FDP über drei und die Linke über zwei. Hinzu kamen BOB mit zwei sowie Piraten und UWG mit jeweils einem Mandat.
Trotz der klaren CDU-Stärke konnten bei wichtigen Fragen immer wieder Mehrheiten an ihr vorbei organisiert werden – man nannte es damals den „Regenbogen”, lange bevor dieser in Mode kam.
Die Parteien des Regenbogens – gegen die starke CDU – reichten je nach Sachfrage von SPD und Grünen bis zur damals noch deutlich stärker gutbürgerlich auftretenden FDP, zur UWG und zur Linken – für die seinerzeit auch die noch junge Heidi Reichinnek im Osnabrücker Stadtrat saß.
Die CDU gewann die Kommunalwahl also deutlich – bestimmte aber keineswegs automatisch die politische Richtung im Rathaus. 2026 könnte sich etwas Ähnliches wiederholen.
Ein Rechenmodell zeigt das eigentliche Problem der CDU
Nehmen wir eine politisch plausible Variante innerhalb unserer bisherigen Korridore und übertragen sie modellhaft auf die 50 zu wählenden Ratsmitglieder. Dann könnte eine Sitzverteilung ungefähr so aussehen:
Grafik: ki-generiert (Gemini)
Auch diese Rechnung ist ausdrücklich keine harte Sitzprognose – sie bewegt sich innerhalb der oben gezeigten Korridore (Grafik 1). Sie soll lediglich zeigen, welche Mehrheiten sich aus unserer Arbeitshypothese ergeben könnten. Anders als bei der Grafik mit den Korridoren, ist hier deswegen noch mehr Spielraum.
Eine klare Mehrheit nur mit einer grün bis hart-linken Gruppe?
CDU + SPD + FDP: 12 + 10 + 2 = 24 Sitze – das reicht nicht. Selbst eine politisch passende Stimme aus dem Oberbürgermeisteramt würde nur auf 25 führen.
CDU + Grüne + FDP: 12 + 11 + 2 = 25 Sitze – hier könnte eine CDU- oder grüne Oberbürgermeisterstimme tatsächlich die entscheidende 26. Stimme liefern – stabil wäre aber anders.
Grüne + SPD + Linke + Volt: 11 + 10 + 6 + 1 = 28 Sitze – eine klare Mehrheit.
Und wenn die Brandmauer fallen würde?
CDU + AfD + FDP: 12 + 6 + 2 = 20 Sitze – auch damit wäre eine konservative Mehrheit noch weit entfernt.
Das Rechenmodell macht deutlich, warum ein möglicher Wahlsieg der CDU politisch weniger wert sein könnte, als es am Wahlabend zunächst aussieht. Denn entscheidend ist nicht nur, wer stärkste Fraktion wird, sondern wer anschließend eine arbeitsfähige Mehrheit organisiert.
Und hier spricht nach unserer Arbeitshypothese einiges dafür, dass Grüne/Volt und SPD die Linke ins Boot holen könnten. In unserem Modell käme diese Konstellation auf 28 der 50 gewählten Sitze und damit auf eine klare Mehrheit.
Das hätte eine bemerkenswerte Konsequenz:
Die CDU könnte am Wahlabend als stärkste Kraft laut jubeln – und Osnabrück bekäme anschließend trotzdem eine Ratsmehrheit, die politisch sogar deutlich weiter links läge als die heutige.
Für Katharina Pötter könnte das eine schwierige Konstellation werden. Die Oberbürgermeisterin hat ihre politische Heimat deutlich weiter im konservativen Lager und musste bereits in ihrer ersten Amtszeit mit einer Ratsmehrheit arbeiten, die nicht von ihrer eigenen Partei getragen wurde.
Eine neue Mehrheit aus Grünen, SPD, Linken und Volt würde ihr das Regieren kaum leichter machen.
Das mögliche politische Paradoxon der Kommunalwahl 2026
- Die Grünen verlieren deutlich.
- Die CDU gewinnt die Kommunalwahl.
Und trotzdem könnte am Ende die politische Linke im Stadtrat stärker dominieren als zuvor.
Doch vorher kommt Sachsen-Anhalt – und damit das Unberechenbare
Die vorliegenden Ergebnisse, basierend auf historischen Zahlen, Trends und Modellrechnungen beinhalten eine Variable nicht, die völlig chaotisch ist.
Was passiert nach der Sachsen-Anhalt-Wahl am 6. September?
Wenn beispielsweise Bilder von gewaltsamen Ausschreitungen die Nachrichten bestimmen, könnte das Konservative beziehungsweise AfD-Wähler mobilisieren. Wenn dagegen nach einem AfD-Triumph große friedliche Demonstrationen gegen Rechts entstehen, wäre theoretisch genau der umgekehrte Effekt denkbar.
Auch das Wahlergebnis selbst kann in unterschiedliche Richtungen wirken.
Ein extrem schwaches CDU-Ergebnis könnte den Druck auf Merz noch einmal massiv erhöhen und die Union auch in Osnabrück belasten. Ein überraschend gutes CDU-Ergebnis könnte dagegen stabilisieren. Ein sehr hoher AfD-Wert könnte deren Anhänger mobilisieren – oder gerade ihre Gegner.
Und möglicherweise geschieht überhaupt nichts, was Osnabrück messbar beeinflusst. Und da wäre auch noch der Briefwahl-Faktor…
Die Briefwahl wird zum politischen Stoßdämpfer
Alles was jetzt noch wahlbeeinflussend erscheint, von Sachsen-Anhalt bis zu den Eskapaden von Frank Henning, trifft auf einen großen Stoßdämpfer.
Schon Anfang September hatte sich knapp ein Viertel der Osnabrücker Wahlberechtigten für die Briefwahl entschieden.
Das bedeutet nicht, dass knapp ein Viertel der Wahl bereits entschieden ist. Ein beantragter Wahlschein ist noch kein abgegebener Stimmzettel. Ein erheblicher Teil dieser Wähler dürfte seine Stimme allerdings bereits abgegeben haben, bevor in Sachsen-Anhalt überhaupt gewählt wird. Je größer dieser Anteil ist, desto kleiner wird die Gruppe, auf die ein spektakuläres Wahlergebnis, politische Turbulenzen oder mögliche Proteste in der letzten Woche noch einwirken können.
Die Briefwahl könnte deshalb bei dieser Kommunalwahl nicht nur organisatorisch, sondern auch politisch zu einem Stoßdämpfer werden.
Die Grünen verlieren – aber wer gewinnt wirklich?
Vielleicht liegt genau hier die eigentliche Pointe dieser Kommunalwahl. Die Grünen haben von allen großen Osnabrücker Parteien am meisten zu verlieren.
Sie kommen von 29,2 Prozent und Platz eins. Gleichzeitig konkurriert links von ihnen eine erheblich stärkere Linke um ihr urbanes Stammmilieu, Volt hält sich im gleichen Wählerreservoir und die besondere grüne Großwetterlage von 2021 ist verschwunden.
Die SPD könnte trotz ihrer katastrophalen Bundeswerte aufgrund ihrer erstaunlich stabilen Osnabrücker Basis deutlich besser abschneiden, als viele erwarten.
Die AfD dürfte ihr Ergebnis von 2021 vervielfachen, muss für einen wirklich großen Sprung aber über ihre bereits stark mobilisierten Hochburgen hinaus neue Wählergruppen erschließen.
Und die CDU?
Sie besitzt tatsächlich gute Chancen, stärkste Kraft zu werden.
Doch genau das könnte für sie zur bittersten Pointe des Wahlabends werden. Denn Osnabrück hat bereits nach der Kommunalwahl 2016 gezeigt, dass die stärkste Fraktion nicht zwangsläufig die politische Richtung bestimmt.
Wahrscheinlich ist deshalb, dass Grüne/Volt und SPD nach einer verlorenen eigenen Mehrheit versuchen werden, die deutlich erstarkte Linke ins Boot zu holen.
Dann könnte die CDU am Wahlabend laut über Platz eins jubeln – und Osnabrück bekäme anschließend trotzdem eine deutlich linkere Ratsmehrheit als bisher.
Gewählt wird erst am 13. September.
Und ausgezählt ist erst, wenn am späten Wahlabend alle Ergebnisse vorliegen. Und wir sind gespannt, wie sehr die KI daneben lag, oder auch nicht…
Disclaimer: Weil ein Großteil der hier vorgelegten Ergebnisse durch KI ermittelt wurde, wird dieser Artikel unserer KI-Kollegin Mila zugeordnet – auch wenn es hier heißen müsste: „von menschlichen Autoren bearbeitet“.
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