Mehrere große Unternehmen energieintensiver Branchen fordern von der Europäischen Union eine grundlegende Reform des Emissionshandelssystems. In einem gemeinsamen Brief dringen sie auf rasche Maßnahmen, um den Anstieg der Kosten zu stoppen und aus ihrer Sicht drohende Schäden an der industriellen Basis Europas abzuwenden.
Industrie wendet sich mit Appell an EU-Spitzen
Mehr als drei Dutzend in Europa produzierende Unternehmen haben sich in einem Schreiben an EU-Ratspräsident António Costa und den amtierenden Vorsitzenden des Rats, den zypriotischen Präsidenten Nikos Christodoulides, gewandt. Das berichtet das „Handelsblatt“ unter Berufung auf den Brief an die Spitzen der EU. Zu den Absendern zählen unter anderem Arcelor-Mittal, BP, BASF, Thyssen-Krupp, Evonik, Covestro, Ineos, Trimet, Lhoist und Solvay.
„Mit Blick auf die bevorstehende Reform des Emissionshandels fordern wir Sie auf, unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen, um den Anstieg der Kosten zu stoppen und weitere Schäden an Europas industrieller Basis zu vermeiden“, heißt es in dem Schreiben laut „Handelsblatt“. Die Unternehmen kritisieren, die Voraussetzungen für die industrielle Transformation seien nicht gegeben, weil die Infrastrukturen für Strom, Wasserstoff sowie den Transport und die Speicherung von CO2 fehlten oder unzureichend seien.
Der Emissionshandel spiegele zudem die globalen Realitäten nicht mehr wider, heißt es in dem Brief weiter. „Europa handelt faktisch allein, indem es seiner Industrie rasch steigende CO2-Kosten auferlegt“, behaupten die Unternehmen nach Angaben des „Handelsblatts“.
Funktionsweise des Emissionshandels
In der EU müssen Industriebetriebe Verschmutzungsrechte kaufen, wenn sie Treibhausgase in die Atmosphäre blasen. Ein Teil dieser Zertifikate war in der Vergangenheit kostenlos den Unternehmen zugeteilt worden, der Rest musste an der Börse gekauft werden. Die Kosten steigen, wenn die Unternehmen ihre CO2-Emissionen langsamer senken als die Menge verfügbarer Zertifikate für erlaubte CO2-Emissionen schrumpft.
Die Einnahmen aus dem Emissionshandel werden größtenteils für Klimaschutzmaßnahmen verwendet, etwa für den Aufbau des Wasserstoffnetzes für die Industrie.
Reform durch „Fit for 55“ und CBAM
Im Rahmen des EU-Klimapakets „Fit for 55“, mit dem die EU von einem Pfad von über vier Grad Erderhitzung auf einen Pfad umsteuerte, durch den der Klimawandel auf etwas über zwei Grad Celsius begrenzt werden könnte, wurde die kostenlose Zuteilung von Zertifikaten teilweise abgeschafft. Um mögliche Wettbewerbsnachteile auszugleichen, wurde das CO2-Grenzausgleichssystem CBAM beschlossen, eine Art Zoll auf CO2-intensive Importe.
Von diesem Zoll ausgenommen werden sollen Unternehmen aus Staaten, die ebenfalls einen CO2-Zertifikatehandel einführen.
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