Ein zurückgelassener Einmalhandschuh, Kabelbinder aus einem mehr als zwei Jahrzehnte alten Überfall und eine Zigarettenkippe aus einer Spielothek: Mit hartnäckiger Ermittlungsarbeit hat die Polizei einen 40-Jährigen identifiziert, der mit einem versuchten schweren Raub in Glandorf in Verbindung gebracht wird. Entscheidend war eine DNA-Spur, die gleich drei Tatorte aus den Jahren 2003, 2023 und 2024 miteinander verbindet.
Bewaffneter Überfall kurz vor Ladenschluss
Ausgangspunkt der Ermittlungen war ein Überfall auf einen Verbrauchermarkt in Glandorf am 20. Februar 2024. Kurz vor Ladenschluss hielten sich noch zwei Männer in dem Geschäft auf und forderten vom Filialleiter Bargeld aus der Kasse. Einer der Männer bedrohte den Mitarbeiter dabei mit einer Schusswaffe.
Der Filialleiter setzte sich zur Wehr, woraufhin es zu einem Gerangel mit dem bewaffneten Täter kam. Größere Verletzungen gab es laut Polizei glücklicherweise nicht. Die beiden Männer brachen den Überfall ab und flüchteten. Vor dem Discounter wartete ein dritter Täter in einem Auto, mit dem das Trio entkam.
Am Tatort blieb allerdings ein Einmalhandschuh zurück, den der bewaffnete Täter getragen haben soll. Daraus konnten Ermittler eine männliche DNA-Spur sichern. Ein Abgleich mit bundesweiten Datenbanken führte zunächst jedoch zu keiner Person.
DNA führt zu Überfall aus dem Jahr 2003
Fast ein Jahr später kam Bewegung in den Fall. Im Januar 2025 stellte sich heraus, dass die DNA aus Glandorf mit einer Spur aus einem ungeklärten Verbrechen vom September 2003 übereinstimmt. Damals war eine 84 Jahre alte Frau in ihrem Schlafzimmer in Colnrade im Landkreis Oldenburg überfallen worden.
Der Täter hatte dort Kabelbinder zurückgelassen. An ihnen war männliches DNA-Material gesichert worden – und dieses stimmte mit der Spur aus dem Einmalhandschuh von Glandorf überein. Einen konkreten Tatverdächtigen konnten die Ermittler damit allerdings noch nicht identifizieren. Die damals überfallene Frau ist inzwischen verstorben.
Zigarettenkippe liefert dritten Treffer
Der nächste entscheidende Hinweis folgte im Dezember 2025. Die DNA passte zu einer dritten ungeklärten Spur: Nach einem Einbruch in eine Spielothek in Wildeshausen im Jahr 2023 war an einer Zigarettenkippe genetisches Material gefunden worden. Damit waren plötzlich drei Tatorte aus einem Zeitraum von mehr als 20 Jahren über dieselbe DNA miteinander verbunden.
Die Ermittler nahmen die Tatverdächtigen des Spielothek-Einbruchs genauer unter die Lupe – und stießen auf eine Verbindung zum ältesten Fall. Einer der drei Verdächtigen hatte 2003 in Colnrade direkt gegenüber der damals 84 Jahre alten Frau gewohnt, die in ihrem Schlafzimmer überfallen worden war.
Speichelprobe bringt den Durchbruch
Über das Amtsgericht Osnabrück erwirkte die Polizei daraufhin einen Beschluss zur Entnahme einer Speichelprobe bei dem heute 40 Jahre alten Mann aus Wildeshausen. Da der Verdächtige nach Angaben der Polizei nur schwer greifbar war, konnte die Probe schließlich im Mai 2026 durch die Polizei Bremen genommen werden.
Das Gutachten des Landeskriminalamts brachte schließlich die entscheidende Übereinstimmung: Die DNA des 40-Jährigen stimmt laut Polizei mit dem genetischen Material aus dem Einmalhandschuh überein, der nach dem Überfall in Glandorf zurückgeblieben war.
Gegen den Mann wird nun wegen versuchten schweren Raubes ermittelt. Abgeschlossen ist der Fall damit noch nicht: Die Ermittler suchen weiterhin nach den beiden mutmaßlichen Mittätern, die im Februar 2024 an dem Überfall in Glandorf beteiligt gewesen sein sollen.
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