Frankreich erlebt derzeit eine landesweite Protestwelle an Schulen, die sich zunehmend mit gewaltsamen Ausschreitungen vermischt. Mehr als 1.000 Menschen wurden innerhalb weniger Tage festgenommen, zahlreiche Schüler, Lehrer und andere Beschäftigte verletzt.
Auch Osnabrücks französische Partnerstadt Angers ist betroffen. Dort brannten am Donnerstag (1. Oktober) Barrikaden vor Schulen, die Polizei setzte Tränengas ein. Lokale Medien berichten darüber, dass schulfremde Jugendliche gewaltsam in ein Gymnasium eindrangen. Zwei Lehrer wurden verletzt.
Ausgangspunkt der Proteste waren in der vergangenen Woche ursprünglich vor allem Schülerinnen und Schüler französischer Gymnasien. Sie beklagen unter anderem fehlende Lehrer, überfüllte Klassen, lange Schultage und schlechte Zustände in den Gebäuden. Die Bewegung begann im Großraum Paris und hat inzwischen zahlreiche französische Städte erreicht.
Die Proteste verlaufen allerdings keineswegs überall friedlich. An mehreren Orten kam es zu Brandstiftungen, Angriffen auf Polizeibeamte und erheblichen Sachbeschädigungen. Französische Behörden gehen davon aus, dass sich teilweise auch Gruppen „schulfremder Jugendlicher“ mit Migrationshintergrund an den Aktionen beteiligen, die von Schule zu Schule ziehen und dort zur Eskalation beitragen.
Gewalt erreicht Osnabrücks Partnerstadt Angers
Angers, seit 1964 Partnerstadt von Osnabrück, erlebt inzwischen größere Schulblockaden. An zahlreichen Gymnasien in der Stadt und im Umland versammelten sich am Donnerstag Jugendliche vor den Eingängen.
In der Mehrzahl der Fälle verliefen die Proteste nach Berichten aus Angers zunächst friedlich. Am Lycée Joachim-Du-Bellay und am Lycée David-d’Angers beteiligten sich Schüler an Blockaden, ohne dass es dort am Morgen zu größeren Ausschreitungen kam. Anders sah es an mehreren weiteren Schulen im Großraum Angers aus. Am Lycée Paul-Émile Victor im benachbarten Avrillé soll es zu Plünderungen gekommen sein.
Schulfremde Gruppe stürmt Lycée Chevrollier – zwei Lehrer verletzt
Besonders angespannt war die Situation am Lycée Chevrollier im Süden von Angers. Mehrere hundert Schüler hatten sich dort am Morgen versammelt. Auf der Straße wurden Mülltonnen und Einkaufswagen in Brand gesetzt. Die Polizei rückte an und setzte Tränengas ein.
Im Verlauf der Auseinandersetzungen drang nach örtlichen Medienberichten eine Gruppe Jugendlicher gewaltsam auf das Schulgelände ein. Entscheidend dabei: Diese Gruppe soll nicht zum Lycée Chevrollier gehört haben. Beim Eindringen in die Schule wurden zwei Lehrer verletzt. Daraufhin wurde der Alarmplan für das Eindringen schulfremder Personen ausgelöst. Schüler und Beschäftigte mussten sich zeitweise in den Gebäuden einschließen, während Polizeikräfte von der Rückseite des Schulgeländes eingriffen. Das Lycée Chevrollier, das von rund 2.700 Jugendlichen besucht wird, blieb anschließend geschlossen.
Vermummte dringen in weitere Schule ein
Auch an anderen Schulen im Großraum Angers kam es zu Gewalt und Sachbeschädigungen. Betroffen waren unter anderem Einrichtungen in Trélazé und Avrillé.
Am Berufsgymnasium Paul-Émile-Victor in Avrillé sollen schwarz gekleidete und vermummte Personen zunächst Mülltonnen angezündet und anschließend gewaltsam eine Tür des Verwaltungsgebäudes geöffnet haben. Dokumente und Computertechnik wurden aus dem Gebäude geholt und auf die Straße geworfen. Anschließend sicherte die Kriminalpolizei Spuren.
Der Bürgermeister von Angers, Christophe Béchu, reagierte am Donnerstag auf die Entwicklung und rief zur Ruhe und zur Verantwortung auf.
Landesweit mehr als 1.000 Festnahmen in Frankreich
Frankreichweit hat die Protestbewegung inzwischen erhebliche Ausmaße angenommen. Bereits Mitte der Woche waren mehr als 350 Schulen von Blockaden und Protestaktionen betroffen. Innerhalb von zwei Tagen wurden nach Angaben französischer Behörden mehr als 1.000 Menschen festgenommen, überwiegend Minderjährige. Mehr als 100 Schüler und Beschäftigte von Schulen wurden verletzt.
In Marseille und Nantes wurden Schulgebäude in Brand gesetzt, in Saint-Denis bei Paris kam es zu schweren Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die französische Regierung berief angesichts der Eskalation eine Krisensitzung ein.