Experten erwarten Preisanstieg bei Obst und Gemüse trotz ausreichender Versorgung.
Wochenlange Hitze und anhaltende Trockenheit haben die Ernte in Deutschland im Jahr 2026 deutlich schrumpfen lassen. Besonders betroffen sind Regionen in Süd- und Westdeutschland, wo fehlende Niederschläge zu schwachen Erträgen bis hin zu Missernten bei einzelnen Kulturen geführt haben, wie der Deutsche Bauernverband berichtet. Bauernpräsident Joachim Rukwied verwies auf Einbußen bei Winterweizen und Winterraps, der zusätzlich durch Schädlinge belastet wurde. Selbst auf bewässerten Flächen seien kaum durchschnittliche Erträge zu erwarten, so der Verband. Zudem wächst auf trockenen Wiesen kaum noch Gras nach, was den Nachschub an Tierfutter gefährdet.
Supermärkte bleiben voll trotz Preisschocks
Trotz der schwierigen Lage gibt es keine Anzeichen für leere Supermarktregale. Judith Dittrich von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) gibt Entwarnung: „Der Markt wird versorgt“, sagte sie der dpa. Dennoch rechnet die Expertin mit spürbaren Preiserhöhungen bei bestimmten Produkten. So seien Salatgurken und Kartoffeln bereits jetzt deutlich teurer als im Vorjahr. Bei Äpfeln werde sich der Preisanstieg erst später zeigen, da Händler noch große Lagerbestände abverkaufen. Im Gegensatz dazu bleiben die Preise für Brot und Backwaren vorerst stabil, da die Ernte hier weniger direkten Einfluss auf die Verbraucherpreise hat. Stattdessen belasten hohe Energiekosten die Bäckereien stärker.
Lebensmittelpreise steigen doppelt so schnell wie Inflation
Die Preisentwicklung bei Lebensmitteln ist bereits seit Jahren spürbar. Zwischen Juli 2021 und Juli 2026 stiegen die Preise für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke laut Statistischem Bundesamt um 32,6 Prozent an, während die allgemeine Inflation in diesem Zeitraum bei 21,5 Prozent lag. Barbara Kopske vom Marktforscher Nielsen IQ erwartet weitere Aufschläge, insbesondere bei Tiefkühlkost. Gleichzeitig verbilligten sich zuletzt Molkereiprodukte. Ein kleiner Lichtblick: Aktuell liegen die Preise für Nahrungsmittel leicht unter dem Vorjahresniveau, was unter anderem auf den hohen Anteil von Sonderangeboten und die verstärkte Nachfrage nach günstigen Eigenmarken zurückzuführen ist, wie t-online.de berichtet.
Verbraucher sparen bei Eigenmarken und Discountern
Verbraucher reagieren auf die steigenden Kosten mit einem ausgeprägten Preisbewusstsein. Sie vergleichen Preise am Regal genau, greifen vermehrt zu Eigenmarken und kaufen häufiger beim Discounter ein, wie Nielsen IQ beobachtet. Diese Entwicklung könnte die Auswirkungen der geringeren Erntemengen auf die Verbraucherpreise abmildern. Dennoch bleibt die Lage für Landwirte angespannt, da die Trockenheit nicht nur die Erträge, sondern auch die Tierfutterversorgung gefährdet.