Bundesverteidigungsminister Pistorius kündigt Neubau für Peene-Werft an
Die Deutsche Marine soll ein viertes Flottendienstboot der Klasse 424 erhalten. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) kündigte dies am Montag bei einem Besuch auf der Peene-Werft in Wolgast an, wie die Berliner Zeitung berichtet. Der Auftrag für das zusätzliche Aufklärungsschiff sei bereits auf dem Weg ins Parlament, sagte Pistorius. Die drei bereits im Bau befindlichen Schiffe der Klasse 424 sollen ab 2029 die veralteten Einheiten „Oker“, „Oste“ und „Alster“ ersetzen. Die neuen Einheiten sind mit moderner Sensorik für elektronische Aufklärung und Informationsgewinnung ausgestattet und dienen als schwimmende Aufklärungsplattformen für See- und Küstengebiete. Der Bundestag hatte 2023 für die ursprünglichen drei Schiffe und eine Ausbildungsanlage bis zu 3,26 Milliarden Euro freigegeben, wie die Berliner Zeitung weiter mitteilt.
Fregatten-Stopp trifft Peene-Werft hart
Für die Peene-Werft in Wolgast ist die Ankündigung ein wichtiges Signal, da sie nach dem Scheitern des milliardenschweren Fregattenprojekts F126 im Juni eine empfindliche Auftragslücke fürchtete. Das Bundesverteidigungsministerium hatte das F126-Projekt wegen erheblicher Verzögerungen und drohender Kostensteigerungen von ursprünglich rund zehn auf über 18 Milliarden Euro beendet, wie die dpa berichtet. Als Alternative strebt der Bund den Kauf von acht Fregatten des Typs MEKO A-200 DEU an, ebenfalls unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Haushaltsausschusses.
Flottendienstboot sichert 400 Jobs in Vorpommern
Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) begrüßte die Pläne für das vierte Flottendienstboot ausdrücklich und betonte die Bedeutung für den Standort Vorpommern. Die Werft sichere nicht nur Arbeitsplätze, sondern trage auch zur modernen Ausstattung der Bundeswehr bei, erklärte Schwesig. Die Peene-Werft gehört seit März 2026 zur Marineschiffbau-Sparte von Rheinmetall und ist auf den Neubau, die Reparatur und den Umbau von Marine- und Küstenwachschiffen spezialisiert. Aktuell arbeiten dort rund 400 Menschen, darunter Auszubildende und dual Studierende. Die Flottendienstboote entstehen arbeitsteilig: In Wolgast werden Rumpfsektionen gefertigt, in Lemwerder zum Schiffsrumpf zusammengefügt und in Hamburg technisch fertiggestellt.
Pistorius-Besuch vor Landtagswahl in MV
Politisch kommt die Ankündigung zu einem entscheidenden Zeitpunkt. Am 20. September wird in Mecklenburg-Vorpommern ein neuer Landtag gewählt. Zwischen dem Besuch von Pistorius und dem Wahltag liegen nur sechs Tage. Die jüngste ARD-Umfrage von Infratest dimap sah die AfD bei 38 Prozent und die SPD von Schwesig bei 33 Prozent, wie die Berliner Zeitung berichtet.