Die Grünen haben den Beschluss des Koalitionsausschusses scharf kritisiert, Krankschreibungen künftig verpflichtend ab dem ersten Krankheitstag vorzusehen. Die Partei wirft der Koalition vor, das Gesundheitswesen mit Kürzungen unter Druck zu setzen und gleichzeitig unnötige Bürokratie in den Arztpraxen zu erzeugen.
„Zettelwirtschaft“ in den Praxen
Der gesundheitspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Janosch Dahmen, sagte dem „Spiegel“: „In einer Zeit, in der die Koalition das Gesundheitswesen mit ihrer Kürzungspolitik in den Würgegriff nimmt, schickt sie gleichzeitig Millionen zusätzlicher Patienten für reine Zettelwirtschaft in die Arztpraxen.“
Menschen mit Erkältungen oder Magen-Darm-Infekt gehörten zur Erholung nach Hause, so Dahmen weiter – nicht für eine Kurzzeit-Krankschreibung ins überfüllte Wartezimmer. Nach seiner Darstellung bindet der zusätzliche Weg in die Praxis ärztliche Kapazitäten, verschlechtert den Infektionsschutz und sei „das genaue Gegenteil einer modernen Primärversorgung“.
Kritik an fehlenden Reformaussagen
Mit Blick auf Reformen im Gesundheits- und Pflegebereich, zu denen im Beschluss der Koalitionsspitzen nichts steht, kritisierte Dahmen laut „Spiegel“: „Der Koalitionsausschuss hat sich in der Gesundheitspolitik offensichtlich statt mit der Lösung großer Probleme mit der Erschaffung neuer befasst.“
Die Konflikte bei den Krankenkassenfinanzen und der Pflegereform habe die Spitzenrunde ausgeblendet und stattdessen, so Dahmen weiter, „ein neues, gesundheitspolitisches, Bürokratisierungs- und Belastungsprogramm vereinbart“.
