Mit „STANDBY Leuchtfeuer“ baut die Stiftung Leuchtfeuer in Osnabrück einen neuen Fachdienst für Bereitschaftspflege auf. Gesucht werden Familien, Paare oder Einzelpersonen, die Kindern im Alter von null bis sechs Jahren vorübergehend ein sicheres Zuhause geben möchten.
Bereitschaftspflege soll Kindern schnell Schutz bieten
Wenn Kinder kurzfristig Schutz brauchen, zählt oft jede Stunde. Genau hier setzt ein neues Angebot der Stiftung Leuchtfeuer in Osnabrück an: Unter dem Namen STANDBY Leuchtfeuer baut der Träger derzeit einen neuen Fachdienst für Bereitschaftspflege auf.
Bereitschaftspflege bedeutet, ein Kind für eine begrenzte Zeit bei sich aufzunehmen, wenn es kurzfristig Schutz und einen sicheren Ort braucht. Das kann etwa der Fall sein, wenn die Versorgung in der eigenen Familie vorübergehend nicht sichergestellt ist oder die Perspektive des Kindes noch geklärt werden muss.
Es geht also um ein Zuhause auf Zeit – bis eine tragfähige Lösung gefunden ist. Das kann eine Rückkehr in die Familie sein, eine Dauerpflege oder eine andere Anschlusshilfe.
Idee entstand beim Frühstück
Sarah Wilkinson ist seit viereinhalb Jahren Koordinatorin der Zweigstelle Osnabrück der Stiftung Leuchtfeuer. Die Stiftung hat mehrere Standorte in Deutschland im stationären Bereich der Kinder- und Jugendhilfe – so auch in Osnabrück. Damit fungiert sie als Bindeglied zwischen Familie und Jugendamt.
Den Bereich der Bereitschaftspflege gab es bei der Stiftung Leuchtfeuer bislang nicht. Wilkinson kam die Idee vor einigen Monaten ganz plötzlich. „Ich saß mit meinem Mann beim Frühstück und da dachte ich – wir brauchen eine Bereitschaftspflege“, erzählt sie.
Die Idee kam im Vorstand von Leuchtfeuer direkt gut an. Seit April 2026 arbeitet Wilkinson intensiv an der Entwicklung des Projekts.
Bedarf ist groß
Der Bedarf sei groß, sagt Wilkinson. „Wir haben ja die Kontakte und wissen um die Situation: Es fehlen Plätze in Familien in Osnabrück, sie fehlen eigentlich überall“, erklärt sie.
Wichtig ist ihr dabei zu betonen: „Das Angebot soll keine Konkurrenz sein und ist es auch nicht.“ STANDBY soll die Bereitschaftspflege in Osnabrück vielmehr ergänzen und ein zusätzliches Angebot schaffen.
Ziel ist es, Kinder schnell, gut und geschützt zu versorgen. Dafür wurde auch eine neue Stelle geschaffen: Ab August startet eine Kollegin für die Fachberatung im Bereich Bereitschaftspflege. Wilkinson selbst fungiert als Initiatorin und Organisatorin.
Gesucht werden Familien aus Osnabrück und Umgebung
Jetzt fehlt eigentlich nur noch eins: die Familien. Ziel ist es, innerhalb eines Jahres sechs Bereitschaftsfamilien zu finden und erste Kinder in die Obhut der Familien zu geben. Eine Familie hat Wilkinson bereits gefunden, die bereit ist, jederzeit ein Kind aufzunehmen. Interessierte finden alle Infos und Kontaktmöglichkeiten auf der Website von STANDBY Leuchtfeuer.
Der Begriff Familie ist dabei bewusst offen. Bereitschaftsfamilie werden können Familien, Paare, gleichgeschlechtliche Paare oder Einzelpersonen aus Osnabrück und Umgebung. Auch das Alter steht nicht im Vordergrund.
„Wir sind ein offener Träger: Wir haben Bock auf individuell, denn wir sind es auch!“, betont Wilkinson. Mitbringen müssen Interessierte vor allem den Willen, einem Kind ein sicheres und behütetes Zuhause auf Zeit zu geben.
Kinder sind meist zwischen null und sechs Jahre alt
Bei STANDBY geht es vorrangig um Säuglinge, Kleinkinder und Kinder im Vorschulalter, in der Regel im Alter von null bis sechs Jahren. Gerade die Jüngsten brauchen in Krisensituationen schnell Sicherheit, Verlässlichkeit und liebevolle Zuwendung.
Die Jugendämter sind über die neue Bereitschaftspflege informiert und können Kinder vermitteln. Welche Kinder in welche Familie kommen, wird aber gemeinsam entschieden.
Familien werden vorbereitet und begleitet
Interessierte Familien werden von STANDBY vorbereitet, geschult und während der gesamten Bereitschaftspflege begleitet. Dazu gehören Kennenlerngespräche, Hausbesuche, die Vermittlung der Kinder, begleitete Treffen mit Herkunftsfamilien und Unterstützung beim Abschied.
Während der Aufnahme sollen die Familien alle zwei bis drei Wochen besucht werden. Zusätzlich ist der Fachdienst rund um die Uhr telefonisch erreichbar. „Alle sollen sich gut abgeholt fühlen“, sagt Wilkinson.
Neues Büro am Johannistorwall
Am Johannistorwall 60 entsteht derzeit die Anlaufstelle für STANDBY: mit Spielbereich für Kinder sowie Platz für Beratung, Austausch und Schulungen.
Langfristig möchte Wilkinson ein eng vernetztes Team aus Bereitschaftsfamilien aufbauen. Die Familien sollen sich gegenseitig unterstützen und voneinander lernen. Perspektivisch denkt sie dafür auch an eine App.
Warum Kinder Bereitschaftspflege brauchen
Die Kinder wurden zuvor vom Jugendamt in Obhut genommen. Gründe können Kindeswohlgefährdungen sein, aber auch Klinikaufenthalte von Eltern oder unklare familiäre Perspektiven. Manche Kinder kommen direkt aus dem Krankenhaus in eine Bereitschaftsfamilie.
„In die Bereitschaftspflege kommen vor allem kleine Kinder, wo die Perspektive fehlt“, erklärt Wilkinson. Häufig liefen im Hintergrund gerichtliche Auseinandersetzungen. Wie lange ein Kind bleibt, sei deshalb oft offen: „In der Regel sind es einige Monate bis zu einem halben Jahr. Es kann aber auch ein Jahr werden.“
STANDBY Leuchtfeuer kann ein großes Netzwerk werden
Bleibt ein Kind über Monate in einer Familie, kann der Abschied schwerfallen. Auch dabei unterstützt STANDBY. Zudem erhalten Familien im Fall einer Bereitschaftspflege eine festgelegte finanzielle Unterstützung.
„Ich hoffe, schnell Familien zu finden, um richtig loszustarten mit STANDBY“, sagt Wilkinson. Die Stiftung Leuchtfeuer habe langfristig die finanziellen und personellen Möglichkeiten, das Angebot auszubauen. „Wir begleiten so viele Familien, wie wir finden.“
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