Die Hausärzte kritisieren die Pläne der schwarz-roten Koalition zur Abschaffung der telefonischen Krankschreibung und zur Einführung einer Krankschreibungspflicht ab dem ersten Krankheitstag als massiven Fehler. Sie warnen vor einer deutlichen Mehrbelastung der Praxen, längeren Wartezeiten und fehlender medizinischer Notwendigkeit der Maßnahmen.
Hausärzteverband spricht von „absolut katastrophal“
Der Vorsitzende des Hausärzteverbandes, Markus Blumenthal-Beier, hat die Vorhaben der schwarz-roten Koalition scharf kritisiert, die telefonische Krankschreibung abzuschaffen und eine verpflichtende Vorlage der Krankschreibung ab dem ersten Krankheitstag einzuführen. Die Beschlüsse seien „absolut katastrophal“, sagte er dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“. „Auf unsere Praxen kommt damit eine riesige Bürokratiewelle zu, die kaum zu bewältigen sein wird“, betonte er gegenüber dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“.
Blumenthal-Beier beklagte, die Koalition mache sich mit diesen „vollkommen faktenfreien Beschlüssen“ nicht nur unglaubwürdig, sie nehme auch „die komplette Überlastung der Praxen billigend in Kauf“. Nach seiner Darstellung würden die geplanten Regelungen die ohnehin angespannte Lage in vielen Hausarztpraxen weiter verschärfen.
Verbandschef verweist auf Statistiken
Alle Statistiken und Untersuchungen belegten nach Angaben des Verbandschefs zweifelsfrei, dass die telefonische Krankschreibung nicht zu mehr Krankschreibungen geführt habe. Es handele sich lediglich um einen statistischen Effekt, „weil durch die elektronische Erfassung mehr Krankschreibungen in der Statistik auftauchten“, so Blumenthal-Beier im Gespräch mit dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“.
Warnung vor Millionen zusätzlicher Arztbesuche
Die geplante Krankschreibungspflicht ab Tag eins werde nach Einschätzung des Hausärzteverbandes dazu führen, dass Millionen zusätzliche Menschen in die Arztpraxen kommen müssten, nur um sich eine Krankschreibung abzuholen. Dies geschehe, „ohne dass das medizinisch irgendeinen Sinn ergibt“, kritisierte Blumenthal-Beier laut „Redaktionsnetzwerk Deutschland“.
Die Folgen wären nach seinen Worten längere Wartezeiten für Patienten, die tatsächlich medizinische Hilfe benötigten. Gerade diese Patienten würden unter der zusätzlichen Bürokratie und der Zunahme unnötiger Arztkontakte leiden, so Blumenthal-Beier.
