Unser wohl ältester Mitarbeiter meldet sich zurück! Unsere Leserinnen und Leser lieben ihn oder sie lehnen ihn und seine Ansichten oft auch vehement ab. Genau wie sein historisches Vorbild macht „unser Justus“ aus seiner liberal-konservativen Weltanschauung keinen Hehl, und das schon seit inzwischen deutlich mehr als 100(!) Kolumnen, die bereits seit 2015 exklusiv bei der HASEPOST erscheinen.
Guten Abend,
die Grünen in Osnabrück haben endlich ihr Thema für den laufenden Kommunalwahlkampf gefunden. Nachdem Klimawandel und Verkehrswende in letzter Zeit nicht mehr so richtig zündeten, wird jetzt in aller Schärfe die Mitgliedschaft der Oberbürgermeisterin im Aufsichtsrat des VfL Osnabrück aufs Korn genommen und ihr sofortiger Rücktritt aus diesem Gremium gefordert. Als Grund nennen die Grünen den Interessenkonflikt, der sich für Pötter angeblich durch diese Position ergibt. Immerhin ist sie Chefin der Stadtverwaltung und oberste Repräsentantin der Stadt. Das Stadion an der Bremer Brücke befindet sich mittlerweile komplett im städtischen Eigentum und soll in Kürze kernsaniert werden.
Einziger Nutzer dieses Stadions ist derzeit der VfL Osnabrück. Da wäre es doch eigentlich gut, wenn die Stadt zumindest ein wenig Einfluss- und Kontrollmöglichkeiten im Verein hat, in diesem Fall sogar durch die Person der Oberbürgermeisterin. Die Sanierung des Stadions wird wahrscheinlich einen dreistelligen Millionenbetrag kosten. Den möchte man schließlich nicht in den Sand setzen. Aber all das zählt nicht in den Augen der Osnabrücker Grünen. Sie müssen aufgrund ihrer unterdurchschnittlichen Performance als stärkste Ratsfraktion in den vergangenen fünf Jahren starke Stimmenverluste bei der Kommunalwahl am 13. September befürchten. Da scheint jedes Mittel recht zu sein, um beim Wähler schnell nochmal zu punkten.
Verschwiegen wird dabei gerne die Machtfülle der grünen Führungsclique in zahlreichen Unternehmen und Vereinen mit städtischer Beteiligung. Zum Beispiel bei den Stadtwerken, bei der Sparkasse, bei der Lagerhalle oder bei der Parkstättenbewirtschaftung. Auch hier mag es eine Reihe von Interessenkonflikten geben, auf Seiten der Grünen wird in diesen Fällen aber großzügig darüber hinweggesehen. Bei einem der teuersten Osnabrücker Investitionsprojekte der letzten Jahrzehnte soll das Mitspracherecht der Politik nun plötzlich nicht mehr tragbar sein. Und das fällt den Grünen vier Wochen vor der Kommunalwahl ein. Mehr durchschaubare Doppelmoral geht nicht. Durch solche sinnbefreiten taktischen Spielereien mag man vielleicht innerhalb der eigenen Wählerschaft punkten. Auf den Osnabrücker Bürger, der all diese Aufsichtsratmandate und Versorgungsposten am Ende bezahlt, wirkt die plötzliche Forderung der Grünen zum Rücktritt von Katharina Pötter aus dem Aufsichtsrat des VfL Osnabrück eher befremdlich.
Da wird mangels eigener Themen ohne Not ein Nebenkriegsschauplatz eröffnet, der zudem völlig falsche Akzente setzt. Man kann nur hoffen, daß der VfL Osnabrück morgen sein erstes Heimspiel der Saison gegen den FC Magdeburg gewinnt. Die Grünen haben sich mit ihrer Rücktrittsforderung vorab ein böses Eigentor geschossen. Mit Eigentoren kann man nicht gewinnen. Schon gar keine Kommunalwahl.
Herzlichst
Ihr Justus Möser
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