Die Ablehnung eines Behindertenangelplatzes am Rubbenbruchsee in Osnabrück sorgt für Unmut bei der Niedersächsisch-Westfälischen Anglervereinigung (NWA). Der Verein wirft der Stadt Osnabrück mangelnde Unterstützung für Menschen mit Behinderungen vor und kritisiert, dass sämtliche Anträge zum Rubbenbruchsee abgelehnt worden seien. Die Stadt weist die Vorwürfe zurück und kündigt Gespräche nach der Sommerpause an. Was ist geschehen?
Behindertenangelplatz am Rubbenbruchsee abgelehnt
Auslöser der Kritik ist die Entscheidung der Stadt, den Wunsch der NWA nach einem barrierefreien Angelplatz am Rubbenbruchsee abzulehnen. Ein solcher Platz soll insbesondere Rollstuhlfahrern ermöglichen, weiterhin sicher ihrem Hobby nachzugehen. Dafür hat die NWA nach eigenen Angaben einen speziellen Prototyp entwickelt, der ein unbeabsichtigtes Hineinrollen ins Wasser verhindert und problemlos mit dem Rollstuhl befahren werden kann.
Solche Anlagen seien bereits an anderen Gewässern entstanden, unter anderem am Schleptruper See in Bramsche. Die Kosten von rund 10.000 Euro wolle der Verein selbst tragen. „Das ist es uns aber wert“, sind sich die beiden Vorsitzenden Hans Macke und Jürgen Lindemann einig, „denn wir haben viele Mitglieder, die schon seit ihrer Jugend im Verein sind und nun im Alter auf den Rollstuhl angewiesen sind.“ Auch die „Aktion Mensch“ habe den zuletzt errichteten Behindertenangelplatz mit 5.000 Euro gefördert.
Langjähriges Vereinsmitglied betroffen
Besonders enttäuscht zeigt sich nach Angaben der NWA das langjährige Vereinsmitglied Rolf Overbeck, das in unmittelbarer Nähe des Rubbenbruchsees lebt. Obwohl der See nur rund 900 Meter von seinem Wohnort entfernt liegt, könne er dort aufgrund seiner eingeschränkten Mobilität nicht mehr angeln, da ein barrierefreier Zugang zum Wasser fehle. Nach Angaben des Vereins war der Wunsch nach einem Behindertenangelplatz von mehreren betroffenen Mitgliedern an den Vorstand herangetragen worden.,
Weitere Anträge ebenfalls abgelehnt
Die Kritik der NWA beschränkt sich nicht auf den Behindertenangelplatz. Nach Angaben des Vereins seien auch weitere Vorschläge ohne Kompromiss und ohne vorheriges Gespräch mit der Stadtverwaltung abgelehnt worden. Dazu gehörten zusätzliche Angelmöglichkeiten auf der Ostseite des Rubbenbruchsees, eine eingeschränkte Bootsangelei außerhalb der Brut- und Setzzeit, ein oder zwei Hegefischen pro Jahr auf dem gesamten See sowie die Zufahrt mit dem Auto. Der Verein verweist darauf, dass von der rund 3.500 Meter langen Uferlinie lediglich etwa 400 Meter auf der Westseite zum Angeln freigegeben seien. Gleichzeitig zahle die NWA jährlich mehrere tausend Euro Pacht.
Auch die Nutzung eines elektrisch betriebenen Fischereibootes für Besatzmaßnahmen und die Fischereiaufsicht sei nicht genehmigt worden. Als Konsequenz kündigt die NWA an, sich künftig nicht mehr am Europäischen Aalschutzprogramm am Rubbenbruchsee zu beteiligen. „Die 3.000 Euro Besatzkosten können wir besser woanders einsetzen,“ ist man sich einig. Zudem erklärt der Verein, künftig auch keine illegalen Fischernetze mehr aus dem See zu bergen, in denen regelmäßig Wasservögel und andere Tiere verenden würden.
Stadt kündigt Gespräche an
Die Stadt Osnabrück weist die Vorwürfe zurück und betont, dass die Belange von Menschen mit Behinderungen ernst genommen würden. „Selbstverständlich ist es der Stadt Osnabrück ein Anliegen, die Lebenssituationen für Menschen mit Behinderung zu berücksichtigen und weiter zu verbessern“, erklärt Stadtsprecher Simon Vonstein auf HASEPOST-Anfrage.
Der Rubbenbruchsee müsse jedoch unterschiedlichen Nutzungsansprüchen gerecht werden. Während das Westufer vor allem dem Naturschutz und den Anglern vorbehalten sei, diene das Ostufer schwerpunktmäßig der Naherholung mit Bootsverleih, Gastronomie sowie Spiel- und Grillplätzen. Die bestehende Aufteilung habe sich nach Einschätzung der Stadt bewährt und trage dazu bei, den naturnahen Charakter des Sees zu erhalten.
Behindertenangelplatz soll erneut beraten werden
Ganz vom Tisch ist das Thema nach Angaben der Stadt jedoch nicht. Nach der Sommerpause soll es ein gemeinsames Gespräch zwischen der NWA, den zuständigen Fachbereichen der Stadt und der Fachstelle Inklusion geben. „Grundsätzlich ist der Ansatz eines Behindertenangelplatzes nachvollziehbar und wird auch begrüßt“, so Vonstein. Gemeinsam solle nun geprüft werden, ob der Rubbenbruchsee der geeignete Standort sei oder ob sich an anderer Stelle im Stadtgebiet ein barrierefreier Angelplatz besser für eine möglichst breite Öffentlichkeit realisieren lasse.
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