Konzern will Standorte stabilisieren, doch vier Werke ohne Perspektive
Der Volkswagen-Konzern hat mit seinem Zukunftsplan 2030 einen weitreichenden Umbau eingeleitet. Der Aufsichtsrat stimmte einstimmig für ein Sparprogramm, das weltweit rund 50.000 weitere Stellen betrifft, darunter auch Managementpositionen. Wie der Tagesschau berichtet, hatte Konzernchef Oliver Blume zuvor von einer „Rechengröße“ gesprochen, doch nun sollen die Jobs tatsächlich abgebaut werden, um die Ziele des Transformationsprogramms zu erreichen. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies präzisierte gegenüber it-boltwise.de, dass etwa die Hälfte der betroffenen Stellen in Deutschland anfiele, also rund 25.000 Arbeitsplätze. Gleichzeitig betonte er, dass keine Werksschließungen beschlossen seien, obwohl zeitweise konkrete Überlegungen dazu im Raum gestanden hätten. Stattdessen sollen alternative Verwendungsmöglichkeiten für die Standorte geprüft werden, etwa die zeitweise Nutzung für die Rüstungsproduktion oder die Fertigung chinesischer VW-Modelle in Deutschland. Bis Ende Juni 2027 soll ein Konzept für die europäischen Werke vorliegen.
VW plant radikale Modellreduzierung bis 2035
Besonders betroffen sind die Standorte Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm, für die laut ingenieur.de aktuell keine wettbewerbsfähige Folgebelegung gesichert ist. Die Überkapazität in Europa beziffert VW auf 500.000 Fahrzeuge. Bis 2035 will der Konzern seine Modellpalette um rund 50 Prozent reduzieren und die Angebotskomplexität sogar um 75 Prozent senken. Allein bei den Sitzvarianten sollen aus über 2.300 nur noch rund 100 werden, um Entwicklung, Beschaffung und Produktion effizienter zu gestalten.
IG Metall sieht Teilerfolg bei VW-Strategie
IG-Metall-Chefin Christiane Benner und Gesamtbetriebsratschefin Daniela Cavallo werteten den Beschluss als Erfolg, da keine Werksschließung besiegelt und die Ausgliederung der Kernmarke VW Pkw vom Tisch sei. Dennoch bleibt die Unsicherheit für die Belegschaft groß, da viele Maßnahmen noch nicht konkret beschlossen sind. So betonte Lies im NDR-Interview, dass etwa die Reduzierung der Variantenvielfalt noch geklärt werden müsse, um wirtschaftliche Autos anbieten zu können, ohne Kunden zu vergraulen.
VW will Produktion um eine Million Fahrzeuge senken
Der Konzern will seine Jahresproduktion auf neun Millionen Fahrzeuge drosseln – eine Million weniger als derzeit und drei Millionen weniger als vor der Corona-Pandemie. Bis 2030 strebt VW eine operative Umsatzrendite von neun Prozent an, aktuell liegt sie bei 3,8 Prozent. Für den Zeitraum 2027 bis 2031 sind Investitionen von 135 Milliarden Euro in Sachanlagen sowie Forschung und Entwicklung vorgesehen. Autoexperte Stefan Bratzel sieht in dem Sparprogramm einen notwendigen Schritt, fordert aber gleichzeitig mehr Investitionen in neue Wachstumsfelder wie autonomes Fahren oder Robotik.