Die Stadt Osnabrück muss für ihr geplantes zentrales Museumsdepot deutlich tiefer in die Tasche greifen als ursprünglich gedacht. Der Kulturausschuss hat das Projekt am Donnerstagabend (3. September) auf den Weg gebracht. Bis zum geplanten Baubeginn Ende 2028 werden Kosten von rund 16,9 Millionen Euro erwartet. Gleichzeitig zeichnet sich jedoch ab, dass die Stadt mehr Fördermittel einwerben könnte als zunächst angenommen.
Gemeinsames Zuhause für Osnabrücks Museumsschätze
Im neuen Depot sollen künftig die Sammlungen des Museumsquartiers, des Museums am Schölerberg und der Kunsthalle Osnabrück zentral untergebracht werden. Der Rat hatte den grundsätzlichen Bedarf für einen Neubau bereits im November 2024 anerkannt.
Die inzwischen abgeschlossene Vorplanung sieht ein zweigeschossiges Gebäude mit rund 3.090 Quadratmetern Nutzfläche vor. Weitere etwa 600 Quadratmeter entfallen auf Technik- und Verkehrsflächen. Von außen soll das Gebäude bewusst nicht wie ein klassisches Museumsdepot aussehen.
Im Inneren wird es dagegen hoch spezialisiert. Die einzelnen Museen erhalten eigene abgeschlossene Bereiche. Hinzu kommen gemeinsam genutzte Räume. Die Depotbereiche werden zudem in separate Brandabschnitte unterteilt.

Das Museumsquartier – bestehend aus Felix-Nussbaum-Haus, Kulturgeschichtlichem Museum, Die Villa_ und Akzisehaus – benötigt ein neues Depot für seine Kunstschätze. / Foto: Dominik Lapp
Brandschutz kostet fast eine Million Euro
Besonders aufwendig ist die geplante Brandbekämpfung. Eine Aerosollöschanlage soll Brände früh erkennen und löschen, ohne die empfindlichen Kunst- und Kulturgüter mit Löschwasser zu beschädigen. Allein diese Anlage schlägt mit rund 935.000 Euro zu Buche. Damit kostet sie rund 700.000 Euro mehr als die ursprünglich vorgesehene Brandgasentrauchung.
Auch beim Raumklima gelten besondere Anforderungen. Eine Bauteilaktivierung in der Gebäudehülle soll für stabile klimatische Bedingungen sorgen und gleichzeitig den Energieverbrauch senken. Auf dem Dach ist eine Photovoltaikanlage vorgesehen. Beheizt werden soll das Depot mit einer Wärmepumpe und einem Eisspeicher.
Von zunächst 13,8 auf 16,9 Millionen Euro
Die Kosten sind damit deutlich gestiegen. Die aktuelle Kostenschätzung vom Juli 2026 liegt zunächst bei knapp 14,94 Millionen Euro. Hinzu kommen erwartete Baupreissteigerungen von rund 1,95 Millionen Euro. Für den geplanten Baubeginn Ende 2028 kalkuliert die Stadt deshalb mit insgesamt 16,9 Millionen Euro.

So soll das neue Museumsdepot aussehen. / Grafik: Schoeps & Schlüter Architekten GmbH
Ursprünglich waren für 2026 rund 13,8 Millionen Euro angesetzt worden. Zum Hauptvergabezeitpunkt 2028 ging die Stadt zuletzt von rund 15,24 Millionen Euro aus. Neben der teureren Aerosollöschanlage treiben unter anderem eine aufwendigere Dachkonstruktion und zusätzliche Kosten für die technische Inbetriebnahme den Preis nach oben.
Rund 10,3 Millionen Euro müsste die Stadt selbst tragen. Gleichzeitig sollen 6,58 Millionen Euro aus dem Bundesprogramm „KulturInvest“ eingeworben werden. Allerdings könnte der Fördertopf für das Projekt noch größer werden. Das machte Norbert Niedernostheide, Direktor des Museums am Schölerberg, in der Sitzung deutlich. Statt der bislang angesetzten rund 6,58 Millionen Euro könnten nach seiner Einschätzung sogar etwa acht Millionen Euro an Drittmitteln zusammenkommen.
Rat behält bei deutlicher Kostensteigerung das letzte Wort
Die Stadt sichert die Gesamtfinanzierung des Projekts grundsätzlich zu. Sollte der städtische Eigenanteil allerdings um 20 Prozent oder mehr steigen, müsste der Rat erneut über das Vorhaben entscheiden.
Für Volker Witte (SPD) ist der Neubau vor allem eine Investition in den Schutz der Sammlungen: „Ich bin froh, dass wir unsere Schätze einlagern können“. Brigitte Neumann (CDU) verwies zugleich auf die schwierige Situation, in der sich die Bestände derzeit befinden: „Sie waren nicht gut untergebracht, sie waren desaströs untergebracht.“
Auch die Sammlung des Museums am Schölerberg soll im neuen Depot sicher verwahrt werden. / Foto: Dominik Lapp
Baubeginn 2028 – Einzug bis 2032
Nach der derzeitigen Planung soll 2028 mit dem Bau begonnen werden. Rund zwei Jahre sind für die Bauphase vorgesehen. Ende 2030 könnte das Gebäude damit fertig sein.
Dann beginnt allerdings erst der Umzug der Museumssammlungen. Bis 2032 sollen unter anderem Schwerlastregale und weitere notwendige Infrastruktur aus den bisherigen Mietobjekten in den Neubau verlagert und dort eingerichtet werden. Erst anschließend ist der reguläre Betrieb des Depots vorgesehen. Damit will die Stadt auch Schluss mit den bisherigen dezentralen Mietlösungen machen. Nach dem Umzug sollen die bestehenden Mietverträge beendet werden.
Ein Verzicht auf den Neubau wäre grundsätzlich möglich. Die bisherigen Flächen könnten weiter angemietet und ertüchtigt werden. Möglicherweise wären dann auch noch weitere Flächen anzumieten. In der Vorlage wird diese Möglichkeit jedoch lediglich als Alternative geführt. Mit dem neuen Depot setzt die Stadt stattdessen auf eine dauerhafte zentrale Lösung für die wertvollen Sammlungsbestände.
Neben Museumsquartier und Museum am Schölerberg soll auch die Kunsthalle das neue Depot nutzen. / Foto: Heiko Pohlmann
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