Fahrerlose Elektro-Lkw von Einride beliefern Filiale in Edermünde.
Die Schwarz-Gruppe setzt auf autonome Lieferungen, um dem Fachkräftemangel in der Logistik zu begegnen. Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) und die ZEIT berichten, testet der Konzern im hessischen Edermünde bei Kassel fahrerlose Lkw des schwedischen Herstellers Einride für die Belieferung einer Lidl-Filiale. Das Fahrzeug wurde bei einer Veranstaltung im bayerischen Geisenfeld vorgestellt, wobei Details zum Probebetrieb genannt wurden. Das Kraftfahrt-Bundesamt hat für den Test eine Genehmigung erteilt, wie ad-hoc-news.de ergänzend mitteilt.
Autonome Lieferung scheitert an Filial-Manövern
Das eingesetzte Fahrzeug ist speziell für kurze Strecken konzipiert und darf maximal 25 Stundenkilometer fahren. Die Distanz vom Warenverteilzentrum zur Filiale beträgt nur 400 Meter, was die Geschwindigkeit nicht zum limitierenden Faktor macht. Laut Serhan Yildirim von Schwarz Logistic Solutions bietet die Technologie ein enormes Potenzial, um Lieferketten resilienter zu gestalten. Dennoch betont er, dass wichtige Entscheidungen weiterhin beim Menschen liegen. Die technologische Herausforderung liege weniger in der zurückgelegten Strecke als vielmehr in der Komplexität der Manöver im Filialalltag, wie etwa dem Abbiegen im öffentlichen Verkehr oder dem Anfahren der Laderampe, so Dangelmayer von der Schwarz-Gruppe.
Pilotphase: Mensch greift bei Lkw noch ein
Aktuell ist das Fahrzeug noch nicht vollständig autonom: In der Pilotphase übernimmt ein begleitender Mitarbeiter von Einride, der so genannte Local Operator, das Be- und Entladen manuell und kann in Ausnahmesituationen per Fernsteuerung eingreifen. Als weitere Hürde nennt Dangelmayer die komplexen regulatorischen Anforderungen sowie die nahtlose Integration des autonomen Lkw in die physischen und digitalen Prozesse an den Laderampen und Filialen. Die Schwarz-Gruppe habe Deutschland bewusst als Teststandort gewählt, da das deutsche Regulierungsumfeld mit den strengen Vorgaben von TÜV und Kraftfahrt-Bundesamt besonders anspruchsvoll sei, wie Yildirim erklärt.
Elektro-Lkw mit 3.000 Paletten pro Projekt umgeschlagen
Laut ad-hoc-news.de handelt es sich bei dem eingesetzten Fahrzeug um einen kabinenlosen Elektro-Lkw mit Automatisierungsgrad SAE Level 4. Es verfügt über eine Kapazität von 15 Euro-Paletten und soll während der viermonatigen Projektlaufzeit bis zu 3.000 Paletten umschlagen. Als nächste Stufe sei ein Multi-Stop-Milk-Run mit mehreren Stationen denkbar, um Logistikengpässe und Fachkräftemangel weiter zu reduzieren. Einride plant, bis 2028 eine Flottengröße von 1.500 bis 2.000 Fahrzeugen zu erreichen, wobei rund 80 Prozent des Bedarfs mittelfristig automatisierbar seien.