„Eine Achterbahn im Stadion“, dazu: „VfL Osnabrück geht ab wie Achterbahn“. Für Eingeweihte ein Symbol für eine Vereinsgeschichte mit zahlreichen Auf- und Abstiegen. Für Fußballfans überall auf der Welt einfach nur „crazy“ – und für die VfL-Ultras womöglich der Aufstieg in die erste Tifo-Liga der Welt: Seite an Seite mit den Fans des BVB, von Paris Saint-Germain oder des AC Milan.
Vor dem Anpfiff des DFB-Pokalspiels gegen den FC Bayern München ließen die Fans des VfL eine selbstgebaute Achterbahn mit Puppen durch das Stadion an der Bremer Brücke fahren. Eigentlich ging es dabei um die wechselhafte Vereinsgeschichte – doch irgendwie spiegelte die Choreo sogar das Spielgeschehen dieses Abends wider: Erst ging es steil hinauf zur Führung, dann wie bei einer Achterbahn ziemlich schnell wieder bergab. Robin Meißner traf früh zum 1:0, doch Bayern drehte das Spiel und gewann 4:1.
Was blieb? Neben Fußball der Extraklasse an der Brücke und dem Beweis, dass der VfL zumindest zeitweise selbst den Bayern zeigen kann, „wo die Lederhosen hängen“, war die Choreo der eigentliche Gewinner des Abends. „Best tifo in the history of football?“ titelte zum Beispiel der Fußball-Influencer gionextlevel bei Instagram.
Millionen Aufrufe für die Achterbahn-Choreo
Die Bilder aus Osnabrück gingen noch vor dem Abpfiff um die Welt. Auf X teilten englischsprachige Accounts wie FootballAwaydays und The Casual Ultra das Video – teils mit mehr als einer Million Aufrufen. Kommentare wie „one of the craziest fan displays I’ve ever seen“ machten schnell die Runde. OneFootball berichtete ebenso über das Spektakel wie im deutschsprachigen Raum die WELT oder Watson.
Wie weit die Bilder von der Bremer Brücke reichten, zeigt ein Blick nach Indonesien: Dort lief das Spiel um drei Uhr nachts Ortszeit. Trotzdem teilten Accounts wie Spieltag Indonesia und FaktaBola das Video unmittelbar. „Tifo bukan sembarang tifo“, hieß es dort sinngemäß: Das ist kein gewöhnlicher Tifo.
Wieso „Tifo“ – das ist doch eine „Choreo“?
Tifo ist der international gebräuchliche Begriff für das, was Fußballfans hierzulande meist Choreo nennen. Der Begriff hat seinen Ursprung im Italienischen und bezeichnet große, vorbereitete visuelle Aktionen auf den Tribünen: Banner, Kartenmosaike, Pyrotechnik und manchmal sogar bewegliche Elemente – wie jetzt die Achterbahn an der Bremer Brücke. Solche temporären Installationen sind fester Bestandteil der Fankultur und transportieren häufig Botschaften zur eigenen Vereinsgeschichte, an die Mannschaft oder greifen Entwicklungen und Missstände im zunehmend kommerzialisierten Profifußball auf.
VfL-Choreos international bislang weitgehend unbeachtet
In den inoffiziellen Ranglisten der besten Tifos steht für Deutschland häufig die Dortmunder Choreo von 2013 gegen Málaga weit oben: Ein riesiger Fan mit Fernglas erhob sich über der Tribüne und hielt Ausschau nach dem „verlorenen Pokal“ – mitten im Champions-League-Viertelfinale. Ebenfalls regelmäßig genannt werden spektakuläre Inszenierungen aus Kopenhagen, Mailand, Paris und anderen europäischen Fußballhochburgen.
Spektakulär, aber international kaum beachtet: die Flutlicht-Choreo 2025
Dabei haben die Fans des VfL schon zuvor spektakuläre Bilder produziert. International weitgehend unbeachtet blieb etwa die Choreo zum 50-jährigen Flutlicht-Jubiläum an der Bremer Brücke im März 2025. Damals präsentierten die Fans eine Nachbildung der legendären Flutlichtmasten – inklusive leuchtender Lampen und kleinem Feuerwerk. National sorgte die Aktion für Aufmerksamkeit, international tauchte sie dagegen kaum auf. Mit der Achterbahn spielen die VfL-Fans jetzt erstmals ganz groß auf der internationalen Tifo-Bühne mit.
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