UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher warnt vor einer wachsenden Atmosphäre der Straflosigkeit in der internationalen Politik und sieht dadurch die Grundlagen der Zusammenarbeit gefährdet. Zugleich setzt er auf technologische Innovationen wie KI, um humanitäre Hilfe effizienter zu machen und die Legitimität der UN zu stärken.
„Atmosphäre der Straflosigkeit“ in der internationalen Politik
UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher kritisiert eine zunehmende Straflosigkeit auf internationaler Ebene. Es gebe derzeit ein Gefühl, dass niemand zur Rechenschaft gezogen werde, sagte Fletcher der FAZ. „Es ist eine Zeit, die von einer Art Kriegslust geprägt ist, und es ist eine Zeit, in der es viel mehr um Transaktionen geht.“ Dies untergrabe die Grundlagen der internationalen Zusammenarbeit, „wenn im Grunde jeder zu einer Art Immobilienmakler wird“.
Erwartungen an die Sudan-Konferenz in Berlin
Die am Mittwoch in Berlin stattfindende Sudan-Konferenz bewertet Fletcher bereits als Erfolg, da sie die richtigen Akteure zusammenbringe. „Die am Mittwoch in Berlin stattfindende Sudan-Konferenz sei schon ein Erfolg, da sie die richtigen Leute an einen Tisch bringe“, sagte er der FAZ. Zugleich warnte er vor überzogenen Erwartungen an schnelle Ergebnisse: „Ich glaube, wir haben uns in eine Welt manövriert, in der alle erwarten, dass Friedensabkommen sofort zustande kommen“, so Fletcher. Stattdessen brauche es „deutsche Geduld und Ernsthaftigkeit“ für eine erfolgreiche Friedenslösung.
„Humanitärer Neustart“ und der Einsatz von KI
Fletcher arbeitet nach eigenen Angaben an einem „humanitären Neustart“. Teil davon sei auch die Integration von KI, die bei der Abfederung von Budgetkürzungen für humanitäre Hilfe unterstützen könne. „Ich glaube, dass KI uns dabei helfen kann, besser vorherzusagen und einzuschätzen, was auf uns zukommt, und uns besser darauf vorzubereiten“, sagte Fletcher der FAZ.
Darüber hinaus sieht Fletcher in neuen Technologien ein Instrument zur Verbesserung von Nachverfolgung und Rechenschaftspflicht. „Wir haben zum Beispiel jetzt einen Tracker, der uns detailliert zeigt, wie wir im Januar sieben Millionen Menschenleben gerettet haben.“ Das könne den UN dabei helfen, Legitimität zurückzugewinnen, sagte Fletcher der FAZ. „Ich möchte zeigen, dass das, was wir tun, tatsächlich funktioniert, wirksam ist und dass es echte Ergebnisse bringt.“
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