Deutschland verzeichnet 2025 einen neuen Höchststand bei politisch motivierter Kriminalität: Mindestens 85.000 Taten registrierten die Bundesländer nach Recherchen der „Welt am Sonntag“. Damit wird der bisherige Rekordwert aus dem Jahr 2024 übertroffen, während sich die Zahl der Delikte innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppelt hat.
Neuer Rekordwert und unvollständige Datenlage
Innerhalb von zehn Jahren hat sich die Zahl politisch motivierter Straftaten mehr als verdoppelt. 2015 lag die Zahl der Delikte noch bei 38.981, 2024 bei 84.172 Fällen und 2025 nun bei mindestens 85.000 politisch motivierten Straftaten. 15 Bundesländer stellten ihre Daten auf Anfrage der „Welt am Sonntag“ zur Verfügung, nur Rheinland-Pfalz fehlt. Dort verzögert sich nach den Landtagswahlen und dem Wechsel des Innenministers die Bereitstellung, sodass sich die Gesamtzahl noch erhöhen könnte.
Roman Poseck
Warnungen aus den Innenministerien
NRW-Innenminister Herbert Reul
Baden-Württembergs neuer Innenminister Manuel Hagel
Anhaltend hohe Gewaltbereitschaft und Schwerpunkte
Besonders alarmiert die Sicherheitsbehörden die anhaltend hohe Gewaltbereitschaft. Bundesweit stieg die Zahl politisch motivierter Gewalttaten laut „Welt am Sonntag“ um 1,2 Prozent von 4.107 auf 4.156 Delikte. Dazu zählen Straftaten wie Körperverletzung, Brand- und Sprengstoffdelikte sowie Landfriedensbruch. 1.598 Delikte ordnen die Ermittler Rechtsextremen zu, 1.087 Taten der linken Szene. Der Rest verteilte sich auf die Phänomenbereiche „ausländisch“, „religiös“ und „sonstige“.
Der innenpolitische Sprecher der SPD, Sebastian Fiedler
Ermittler führen die Entwicklung nach Angaben der „Welt am Sonntag“ vor allem auf den polarisierten Bundestagswahlkampf 2025 und internationale Krisen wie den Nahost-Konflikt zurück. Auch ein verändertes Anzeigeverhalten spiele eine Rolle, insbesondere bei Hasskommentaren im Netz und Beleidigungen von Politikern.
Rechtsextremisten bleiben laut „Welt am Sonntag“ der größte Treiber politisch motivierter Kriminalität. Rund die Hälfte aller Straftaten ordnen die Ermittler dem Bereich „PMK-rechts“ zu. Von den mehr als 42.000 Delikten entfällt ein großer Teil auf Propaganda-Straftaten. Grünen-Innenexpertin Irene Mihalic
Den stärksten Zuwachs gab es laut „Welt am Sonntag“ bei linksextremen Straftaten. Ihre Zahl stieg um rund 35 Prozent auf mehr als 13.000 Fälle. Linksextreme Gewalttaten legten um 42,6 Prozent auf 1.087 Fälle zu.
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