Die gegenseitige Abneigung zwischen Anhängern deutscher Parteien hat seit 2020 deutlich zugenommen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des Ifo-Instituts. Besonders betroffen sind die Beziehungen zwischen Union und Grünen sowie Union und SPD.
Union und Grüne am stärksten betroffen
Laut Ifo-Forscherin Klara Lehmann wächst die Abneigung vor allem zwischen den etablierten Parteien. „Anders als häufig vermutet, geht der Anstieg jedoch nicht direkt auf die AfD zurück.“ In Ost und West ist der Anstieg ähnlich ausgeprägt.
Rund die Hälfte der stärkeren Abneigung seit 2020 entfällt der Analyse zufolge auf das Verhältnis zwischen Union und Grünen, ein weiteres Fünftel auf die Abkühlung zwischen Union und SPD. "Was den Anstieg nach 2020 ausgelöst hat, lässt sich nicht abschließend klären, da mehrere Entwicklungen zeitlich zusammenfallen, darunter die Covid-19-Pandemie, der russische Angriffskrieg auf die Ukraine und der Bruch der Ampelkoalition".
Die Studie untersucht, wie stark Anhänger ihre eigene Partei bevorzugen und andere ablehnen – unabhängig von der sachlichen Distanz der Positionen. Die Autoren führen einen etablierten Polarisierungsindex auf Basis des GESIS-Politbarometers bis 2024 fort.
Die Erhebungen umfassen Sympathiebewertungen für Parteien auf einer Skala von 0 bis 10 sowie die angegebene Wahlabsicht. Rund 65 Prozent des Anstiegs seit 2013 gehen auf eine echte Verschärfung der Abneigung zurück, nur 35 Prozent auf veränderte Stimmengewichte. Im Osten steigt der Index etwas stärker, was vor allem ein rechnerischer Effekt ist. Die tatsächliche Zunahme der Ablehnung ist in Ost und West gleich groß.