Das Land Niedersachsen hat der Montessori-Schule in Osnabrück zusätzliche Unterstützung angekündigt. Vier Vollzeitstellen sollen der Förderschule zugewiesen werden. Entspannung bringt das jedoch kaum: Durch zusätzliche Klassen und einen weiteren Standort ist der Personalbedarf zum neuen Schuljahr noch einmal deutlich gestiegen.
Montessori-Schule stellte Überlastungsklage
Fachkräfte der Montessori-Schule hatten bereits im Frühjahr 2026 eine offizielle Überlastungsklage beim Landesamt für Schule und Bildung eingereicht. Damals fehlten nach Angaben von Schulleiter Benno Schomaker 15 pädagogische Fachkräfte, die Unterrichtsversorgung lag bei lediglich 83 Prozent. Zum neuen Schuljahr hat sich die Situation nach Angaben des Schulelternrats weiter verschärft: Es fehlen 19 Stellen, da drei neue Klassen dazugekommen sind.
Vier zusätzliche Vollzeitstellen angekündigt
Die Grünen-Landtagsabgeordnete Lena Nzume teilte Schulelternrätin Brigitte Pelkmann Ende August mit, dass die Montessori-Schule vier zusätzliche Vollzeiteinheiten erhalten soll. Auch die Herman-Nohl-Schule in Osnabrück soll mit 1,52 zusätzlichen Vollzeiteinheiten berücksichtigt werden.
Hintergrund sind neue Stellen für pädagogische Mitarbeitende, die mit dem kommenden Doppelhaushalt geschaffen werden sollen. Nach Angaben Nzumes plant das Land jährlich 100 zusätzliche Stellen in diesem Bereich. Die Schulen sollen selbst entscheiden können, ob sie die zusätzlichen Einheiten für Neueinstellungen oder zur Aufstockung vorhandener Stellen nutzen.
Für die Montessori-Schule ist die Zusage dennoch nur eine begrenzte Entlastung, die außerdem zu spät kommt.
Personalbedarf ist inzwischen weiter gestiegen
Seit dem vergangenen Schuljahr sind an der Montessori-Schule drei weitere Klassen hinzugekommen. Gleichzeitig wird inzwischen an einem zusätzlichen Standort in einem anderen Stadtteil unterrichtet.
Nach Angaben des Schulelternrats fehlen dadurch aktuell rund 19 pädagogische Fachkräfte. Damit wäre selbst mit vier zusätzlichen Vollzeitstellen ein erheblicher Teil des Bedarfs weiterhin ungedeckt.
Pelkmann spricht deshalb von einem „Tropfen auf den heißen Stein“. Entscheidend sei zudem, wann die angekündigten Stellen tatsächlich besetzt werden können. Sollte dies erst zum Sommer 2027 geschehen, würde sich an der angespannten Situation im laufenden Schuljahr zunächst nichts ändern.
Eine Reaktion auf die bereits Anfang 2026 gestellte Überlastungsanzeige komme damit viel zu spät.
Personalmangel hat unmittelbare Folgen im Schulalltag
Wie stark die Schule auf ausreichende Betreuung angewiesen ist, zeigt sich immer wieder im Alltag. Viele Schülerinnen und Schüler benötigen aufgrund ihrer Beeinträchtigungen engmaschige Begleitung, feste Strukturen und teilweise eine dauerhafte Aufsicht.
Gerade an Außenstandorten sei zudem eine Doppelbesetzung besonders wichtig. Viele Schülerinnen und Schüler könnten Gefahrensituationen nur schwer einschätzen oder reagierten schneller mit Panik.
Unterrichtsausfall trifft Familien besonders hart
Hinzu kommt, dass Unterrichtsausfall an einer Förderschule für Familien häufig andere Folgen hat als an einer Regelschule.
Viele Kinder an der Montessori-Schule können nach Angaben der Elternvertretung aufgrund von Pflegebedarf, fehlender Gefahreneinschätzung oder Weglauftendenzen nicht alleine zu Hause bleiben. Fällt Unterricht aus, müssen Eltern deshalb teilweise kurzfristig selbst die Betreuung übernehmen. Für berufstätige Familien führe das auf Dauer zu erheblichen Problemen.
Kritik am neuen Schulgesetz
Neben dem Personalmangel kritisiert der Schulelternrat auch das neue Niedersächsische Schulgesetz. Aus Sicht von Pelkmann schwächt die Reform die Rolle der Förderschulen in der Inklusion.
An der Montessori-Schule zeigt sich der Konflikt bereits konkret: Statt vier konnten zuletzt nur noch zwei Förderstunden pro Schüler und Woche an Regelschulen abgeordnet werden, weil das Personal für den eigenen Unterricht fehlt. Gleichzeitig wird befürchtet, dass die stärkere Zuordnung nach einem vorrangigen Förderbedarf Kinder mit mehreren Unterstützungsbedarfen benachteiligen könnte.
Auch die Streichung des Satzes, wonach an Förderschulen Abschlüsse allgemeinbildender Schulen erworben werden können, sieht der Elternrat kritisch. Sie fürchtet dadurch weniger Wahlmöglichkeiten für Familien und eine weitere Schwächung der Förderschulen als Teil des inklusiven Schulsystems.
Elternrat fordert schnellere Entlastung
Für die Montessori-Schule bleibt deshalb trotz der angekündigten zusätzlichen Stellen wenig Anlass zur Entwarnung.
Zwar wertet der Schulelternrat die vier zusätzlichen Vollzeiteinheiten grundsätzlich als Schritt in die richtige Richtung. Angesichts des aktuell deutlich höheren Personalbedarfs brauche es jedoch kurzfristigere Lösungen.
Der Kern der Kritik hat sich damit seit dem Sommer kaum verändert: Der geplante Neubau und zusätzliche Stellen können die Situation langfristig verbessern. Für den aktuellen Schulalltag fehlt der Montessori-Schule aber weiterhin deutlich zu viel Personal.
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