Mehr als 750.000 Euro soll eine große Albrecht-Dürer-Ausstellung im Jahr 2028 kosten. Mindestens 245.000 Euro davon sollen durch Drittmittel finanziert werden – bleiben rund 500.000 Euro, die aus der tiefenentleerten Stadtkasse kommen sollen.
Im Rat stellte die FDP deshalb die Frage nach dem Verhältnis von kulturellem Anspruch und leerer Stadtkasse: Was verbindet Osnabrück eigentlich mit Albrecht Dürer? Die Mehrheit des Rates sieht in der umfangreichen Dürer-Sammlung im Museumsquartier dagegen eine große Chance für die Stadt.
Ein berühmter Künstler … aus Nürnberg, nicht aus Osnabrück
Die Ausgangslage ist durchaus ungewöhnlich: Albrecht Dürer wurde 1471 in Nürnberg geboren, starb dort 1528 und hat keinen biografischen Bezug zu Osnabrück. Trotzdem soll sein 500. Todestag im Jahr 2028 in Osnabrück mit einer großen Sonderausstellung gewürdigt werden.
Das Museumsquartier kalkuliert mit Gesamtaufwendungen von 755.500 Euro. Mindestens 245.000 Euro sollen über Drittmittel eingeworben werden. Zusätzlich sollen Eintrittsgelder, Führungen und Verkaufserlöse zur Refinanzierung beitragen. Bleibt es bei den vorgesehenen Drittmitteln, verbleiben zunächst 510.500 Euro, die anderweitig finanziert werden müssen.
FDP: In dieser Haushaltslage muss irgendwo gespart werden
Genau daran störte sich die FDP in der jüngsten Ratssitzung. Guido Altvogt stellte der Dürer-Ausstellung die für 2029 geplante Sonderausstellung zum 125. Geburtstag des in Osnabrück geborenen Felix Nussbaum gegenüber, die für seine Partei außerhalb jeder Diskussion steht.
Eine große Ausstellung zu Nussbaum sei nachvollziehbar, argumentierte Altvogt: „Er ist fest in unserer Kultur und Geschichte verankert.“ Bei Dürer stelle sich dagegen die Frage: „Welchen Bezug hat der 500. Todestag Albrecht Dürers zu unserer Stadt?“
Altvogt verwies zugleich auf die finanzielle Situation der Stadt und die in den kommenden Jahren weiter anwachsende Verschuldung. Die Verwaltung selbst habe eingeräumt, dass die zusätzlichen Ausgaben in künftigen Haushalten an anderer Stelle berücksichtigt werden müssten. Auch der Zeitpunkt überzeugte die FDP nicht: Die beiden großen Ausstellungen liegen unmittelbar vor einer anstehenden Sanierung des Museumsquartiers mit anschließender längerer Schließung.
FDP-Ratsherr Oliver Hasskamp betonte ausdrücklich, dass seine Fraktion nicht an der künstlerischen Qualität zweifle. „Wir sind uns der Qualität dieser Ausstellung natürlich bewusst“, sagte Hasskamp. Es gehe vielmehr darum, Verantwortung für den städtischen Haushalt zu übernehmen: „Irgendwo müssen wir anfangen zu sparen.“
Die FDP wollte deshalb differenzieren: Zustimmung für die Felix-Nussbaum-Ausstellung 2029, aber keine Zustimmung für die Dürer-Ausstellung 2028.
Osnabrück besitzt allerdings eine bedeutende Dürer-Sammlung
Ganz ohne Verbindung zu Dürer ist Osnabrück allerdings nicht. Und genau hier setzte die Ratsmehrheit an.
Der Osnabrücker Antiquar und Kunstsammler Dr. Konrad Liebmann trug über Jahrzehnte eine umfangreiche Sammlung von Grafiken Albrecht Dürers zusammen. Seit 1996 befindet sich die Sammlung der Konrad-Liebmann-Stiftung als Dauerleihgabe im Kulturgeschichtlichen Museum und gehört heute zu den bedeutenden Kunstbeständen des Museumsquartiers.
Zur Sammlung gehören große Holzschnittfolgen sowie zahlreiche Kupferstiche und Einzelblätter, darunter auch Hauptwerke Dürers. Der Künstler selbst verbindet also wenig mit Osnabrück – eine bedeutende Sammlung seiner Werke dagegen sehr viel.
CDU-Ratsfrau Brigitte Neumann erinnerte daran, dass Osnabrück bereits 2003 eine große Dürer-Ausstellung gezeigt habe. Rund 30.000 Besucher seien damals gekommen. Neumann verwies zudem auf eine Ausstellung mit Osnabrücker Dürer-Werken im österreichischen Gmünd im Jahr 2015. Die Sammlung könne weit über Osnabrück hinaus Aufmerksamkeit erzeugen. „Wer hätte nicht gerne den Hasen von Dürer auch mal hier direkt vor Ort?“, warb Neumann für die Planungen und verwies darauf, dass sie selbst eine Plastik-Replika besitze. Damit bedeutende Leihgaben, Sponsoren und Fördermittel gesichert werden könnten, müsse lange vor der eigentlichen Ausstellung mit der Vorbereitung begonnen werden.
SPD sieht „einzigartige Chance“ in Ausstellung zu Nürnberger Künstler
Ähnlich argumentierte die SPD. Volker Witte sprach von einer „einzigartigen Chance“, gleich zwei große Ausstellungsformate auf den Weg zu bringen. Bei Dürer könne Osnabrück seine umfangreiche eigene Sammlung wieder in einem großen Zusammenhang präsentieren. Auch bei Felix Nussbaum sollten Werke aus den Archiven geholt und eine besonders umfassende Werkschau gezeigt werden.
Auch Sebastian Bracke (Grüne) berichtete, dass es zunächst Skepsis gegeben habe. Die detaillierten Erläuterungen der Museumsverwaltung zum Konzept hätten schließlich überzeugt. Ein Verzicht auf die bereits vorbereitete Ausstellung würde seiner Ansicht nach dem Museum und der Stadt schaden.
FDP und UWG stimmen gegen Dürer-Ausstellung
Auf Wunsch der FDP ließ Ratsvorsitzender Michael Hagedorn über die Dürer-Ausstellung und die weiteren Teile der Vorlage getrennt abstimmen.
Bei der Dürer-Ausstellung stimmten FDP und UWG gegen die Vorlage. Grüne, SPD, Volt, Linke, CDU, die Ratsherren Wefel und Garder (AfD) und Oberbürgermeisterin Katharina Pötter stimmten dafür. Damit wurde die Ausstellung beschlossen.
Die Felix-Nussbaum-Ausstellung für 2029 fand anschließend auch die Zustimmung der FDP und wurde einstimmig beschlossen. Für die Nussbaum-Ausstellung sind Gesamtaufwendungen von 370.200 Euro vorgesehen. Mindestens 116.000 Euro sollen über Drittmittel finanziert werden.
Verwaltung darf bereits Geld ausgeben, das erst im Nachtragshaushalt 2027 freigegeben wird
Mit dem Ratsbeschluss werden nicht erst in den eigentlichen Ausstellungsjahren finanzielle Verpflichtungen eingegangen. Die Haushaltsmittel sollen im Nachtragshaushalt 2027 und in der mittelfristigen Finanzplanung angepasst werden.
Die Verwaltung darf zudem schon während der vorläufigen Haushaltsführung 2027 Verträge abschließen und Ausschreibungen etwa für Leihgaben, Ausstellungsgestaltung und Publikationen vorbereiten. Für Transporte, Versicherungen und Honorare sollen 2027 bis zu 87.000 Euro freigegeben werden. Im Vorgriff auf 2028 sind nach der derzeitigen Planung weitere 372.000 Euro vorgesehen.
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