Eigentlich sollte der zweite Teil unserer HASEPOST-Wahlanalyse zur Oberbürgermeisterwahl schon früher erscheinen. Doch in der Redaktion wollten wir noch abwarten, wie sich die Causa Frank Henning entwickelt. Das war offenbar richtig: Wenige Tage vor der Wahl verzichtet der frühere SPD-OB-Kandidat auf eine erneute Kandidatur für den Landtag – während er am Sonntag weiterhin auf Platz 1 der SPD im Wahlbereich 2 für den Stadtrat antritt.
Im ersten Teil unserer Analyse – „Kommunalwahl: Warum die Grünen verlieren – und die CDU trotzdem nicht gewinnt“ – gehen wir von einem engen Rennen zwischen CDU, SPD und Grünen aus. Die CDU hat demnach die besten Chancen, knapp stärkste Kraft zu werden; die SPD könnte überraschend nah herankommen, während eine durchaus erhebliche Wahrscheinlichkeit besteht, dass die Grünen von Platz eins bis auf Platz drei durchgereicht werden.
Bei der Oberbürgermeisterwahl gelten allerdings andere Regeln. Hier zählen Bekanntheit, Persönlichkeit und die Frage, wer bei einer wahrscheinlichen Stichwahl die Wähler der ausgeschiedenen Kandidaten für sich gewinnen kann. Für SPD-Chef und OB-Kandidat Robert Alferink kommt wenige Tage vor der Wahl noch ein schwer berechenbarer Faktor hinzu: sein Konflikt mit Frank Henning.
Am Sonntag (13. September) wählen die Osnabrücker neben dem neuen Stadtrat auch ihre Oberbürgermeisterin oder ihren Oberbürgermeister. Erreicht keiner der sechs Kandidaten mehr als 50 Prozent der gültigen Stimmen, treten die beiden Erstplatzierten am 27. September erneut gegeneinander an. Die Stadt Osnabrück informiert hier über die OB-Wahl und eine mögliche Stichwahl.
Eine repräsentative Umfrage zur Osnabrücker OB-Wahl gibt es nicht. Auch diese Analyse ist deshalb eine Arbeitshypothese aus früheren Wahlergebnissen, aktuellen politischen Entwicklungen und der Ausgangslage der Kandidaten.
Katharina Pötter startet mit einem Vorteil, den keine Partei kopieren kann
Bei der letzten OB-Wahl 2021 erreichte Katharina Pötter im ersten Wahlgang 35,75 Prozent. Die damalige Grünen-Kandidatin Annette Niermann kam auf 26,64 Prozent, SPD-Kandidat Frank Henning auf 24,09 Prozent. In der Stichwahl wurde Pötters Vorsprung noch größer: Sie gewann mit 56,09 gegen 43,91 Prozent. Schon unsere damalige HASEPOST-Analyse zur OB-Wahl 2021 beschäftigte sich ausführlich mit der Frage, wohin die Stimmen der ausgeschiedenen Kandidaten in der Stichwahl wandern könnten.
Für 2026 ist das aus zwei Gründen wichtig. Pötter tritt diesmal als Amtsinhaberin an. Und schon 2021 zeigte sich, dass sie weit über die damalige Stärke ihrer CDU hinaus Stimmen holen konnte: Während die Grünen stärkste Kraft im Stadtrat wurden, gewann Pötter die Personenwahl deutlich. Es wäre deshalb falsch, ihre Chancen einfach aus der derzeitigen Schwäche der CDU und der schlechten bundespolitischen Stimmung für Kanzler Friedrich Merz abzuleiten. Wer Pötter wählt, muss am Sonntag noch lange nicht CDU wählen.
Eine absolute Mehrheit von mehr als 50 Prozent bereits am 13. September wäre bei sechs Kandidaten trotzdem eine hohe Hürde. Vieles spricht daher dafür, dass Pötter zwar einen der ersten beiden Plätze erreicht, die Entscheidung aber erst zwei Wochen später fällt. Die eigentlich spannende Frage lautet deshalb zunächst: Wer schafft es mit ihr in die Stichwahl?
Die realistischsten Bewerber um Platz zwei dürften Robert Alferink und Grünen-Kandidat Volker Bajus sein. Daneben treten Oliver Hasskamp für die FDP, Thomas Groß für die Linke und Thorsten Wassermann für die AfD an.
Drei Favoriten – und streng genommen kein gebürtiger Osnabrücker
Eine kleine biografische Kuriosität verbindet die drei Kandidaten, denen die besten Chancen auf die Stichwahl eingeräumt werden können: Keiner von ihnen ist in Osnabrück geboren.
Bajus kam 1964 in Bremerhaven zur Welt und wuchs in Bad Bederkesa auf. Er studierte unter anderem in Osnabrück und gehört bereits seit 1996 – mit Unterbrechung – dem Stadtrat an. Nach mittlerweile mehr als vier Jahrzehnten Osnabrück-Bezug dürfte er kaum noch unter ernsthaften Zugereistenverdacht fallen. Hier findet sich seine Biografie beim Niedersächsischen Landtag.
Alferink wurde in Nordhorn geboren, wuchs in Schüttorf auf und zog 2003 zum Jurastudium nach Osnabrück. Seit inzwischen 23 Jahren ist die Stadt sein Lebensmittelpunkt. Alferink beschreibt hier selbst seinen politischen und persönlichen Werdegang.
Und Pötter? Die kam tatsächlich in Münster zur Welt. In ihrem Fall ist das kaum mehr als eine Petitesse. Kurz nach ihrer Geburt stand ihre Wiege bereits an der Hase. Viele Osnabrücker kennen sie politisch oder persönlich seit Jahrzehnten als ziemlich waschechtes „Osnabrücker Mädchen“.
Robert Alferink hat eigentlich eine erstaunlich gute Ausgangslage
Auf den ersten Blick müsste Alferink gegen eine amtierende CDU-Oberbürgermeisterin Außenseiter sein. Die jüngsten Osnabrücker Wahlergebnisse sprechen allerdings dafür, ihn nicht zu unterschätzen. Bei der Bundestagswahl 2025 wurde die SPD innerhalb des Stadtgebietes mit 23,8 Prozent stärkste Partei. Auch SPD-Direktkandidat Thomas Vaupel lag innerhalb der Stadt vor CDU-Bewerber Mathias Middelberg, der sein Direktmandat erst durch seine stärkeren Ergebnisse in den Umlandgemeinden des Bundestagswahlkreises gewann.
Damit besitzt die SPD in Osnabrück trotz ihrer bundesweit ausgesprochen schlechten Lage weiterhin ein erhebliches lokales Wählerpotenzial. Alferink ist zudem nicht nur OB-Kandidat, sondern Vorsitzender der Osnabrücker SPD. Politisch ist er keineswegs ein Neuling: Nach eigenen Angaben gehört er seit 26 Jahren der SPD an, seit 2019 dem Vorstand der Osnabrücker Sozialdemokraten und seit 2021 dem Stadtrat. Seit 2024 ist er Vorsitzender der Osnabrücker SPD; im Rat ist er stellvertretender Fraktionsvorsitzender und unter anderem für Stadtentwicklung zuständig. Alferinks Angaben zu seinem politischen Werdegang finden sich hier.
Genau diese lokale SPD-Basis versucht Alferink mit einem ausgesprochen intensiven persönlichen Wahlkampf auf seine Person zu konzentrieren: Haustürbesuche, Wahlkampfstände und zahlreiche Termine bei Betrieben, Vereinen und Verbänden.
Doch darin liegt zugleich eine seiner Schwächen. Trotz seiner langen SPD-Mitgliedschaft sitzt Alferink erst seit 2021 im Stadtrat und steht erst seit 2024 an der Spitze der Osnabrücker SPD. Vielen Osnabrückern dürfte sein Name noch immer weniger vertraut sein, als es der von Frank Henning bereits 2021 war.
Henning war damals seit Jahren Landtagsabgeordneter, Ratsherr und durch seine ungewöhnlich breite Präsenz in Vereinen weit über die klassische SPD-Anhängerschaft hinaus bekannt. Alferink versucht diesen Bekanntheitsnachteil sichtbar durch persönlichen Einsatz aufzuholen. Ob diese Präsenz inzwischen tatsächlich in breite Bekanntheit umgeschlagen ist, dürfte eine der entscheidenden Fragen am Sonntag sein.
Denn bei einer OB-Wahl zählt nicht nur die Stärke der Partei. Entscheidend ist, ob ein Kandidat auch Menschen erreicht, die seine Partei normalerweise nicht wählen würden. Genau darin hatte Henning 2021 einen Vorteil – und darin besitzt Pötter als Amtsinhaberin heute vermutlich ihren größten Vorsprung.
Dann kam die Causa Frank Henning
Dass dieser Artikel später erscheint als ursprünglich vorgesehen, hat einen Grund. Wir wollten wissen, welche Konsequenzen die Osnabrücker SPD aus dem inzwischen als „Frisuren-Gate“ bezeichneten öffentlichen Angriff Hennings auf die NOZ-Journalistin Sandra Dorn zieht.
Inzwischen ist klar: Henning verzichtet auf eine erneute Kandidatur für den Niedersächsischen Landtag. Weniger klar ist, welche weiteren Konsequenzen die SPD tatsächlich von ihm erwartet. Die Partei blieb auffällig unbestimmt, ob über einen vorzeitigen Verzicht auf sein derzeitiges Landtagsmandat gesprochen wird oder ob auch ein möglicherweise am 13. September gewonnenes Ratsmandat gemeint sein könnte. HASEPOST berichtete über Hennings Verzicht auf eine erneute Landtagskandidatur und seinen verbleibenden Listenplatz 1.
Gerade deshalb ist die Unklarheit bemerkenswert: Henning tritt am Sonntag weiterhin auf Platz 1 der SPD im Wahlbereich 2 mit Darum, Gretesch, Lüstringen, Schinkel-Ost und Widukindland an.
Alferink hatte zuvor öffentlich maximalen Abstand hergestellt. Beim Heimatabend in der Lagerhalle fragte er über seinen Parteifreund sogar: „Wie blöd muss man eigentlich sein?“ Die möglichen Konsequenzen bezeichnete er zunächst als „aktuell sehr offen“. HASEPOST berichtete über Alferinks deutliche Reaktion.
Nur ist Henning eben nicht irgendein Parteimitglied oder irgendein Landtagsabgeordneter.
Frank Henning ist tief in Osnabrück vernetzt
Henning trat 2021 selbst für das Oberbürgermeisteramt an und verfehlte mit 24,09 Prozent die Stichwahl nur knapp. Gleichzeitig war er bei der Kommunalwahl mit fast 2.901 Direktstimmen sogar das persönlich stimmenstärkste gewählte Ratsmitglied. HASEPOST berichtete damals ausführlich über das Ergebnis.
Und Henning besitzt etwas, das sich in Parteiprozenten schwer messen lässt: ein außergewöhnlich breites persönliches Netzwerk.
Schon im OB-Wahlkampf 2021 sorgten seine damals angegebenen 24 Vereinsmitgliedschaften für eine kleine HASEPOST-Geschichte. Es waren so viele, dass Henning offenbar selbst nicht mehr jeden Eintrag ganz aktuell im Blick hatte: Auf seiner Website führte er noch den Schützenverein Voxtrup als Mitgliedschaft, obwohl dieser bereits seit rund fünf Jahren nicht mehr existierte. „Überblick verloren? OB-Kandidat Frank Henning und seine 24 Vereinsmitgliedschaften“ hieß es damals bei HASEPOST.
Damals war das vor allem eine amüsante Randnotiz. Heute illustriert es, wie breit Henning seit vielen Jahren in Vereinen und gesellschaftlichen Strukturen Osnabrücks vernetzt ist.
Auch die Leserreaktionen bei HASEPOST auf die aktuelle Affäre zeigen, dass Henning keineswegs nur Ablehnung erfährt. Neben deutlicher Kritik gibt es durchaus Stimmen, die mit ihm sympathisieren und sowohl die mediale Reaktion als auch die Konsequenzen seiner Partei für überzogen halten. Gerade deshalb ist für Alferink nicht risikolos, wie scharf er sich von Henning distanziert hat.
Die Causa Henning kann Alferink in beide Richtungen beeinflussen
Der naheliegende Effekt wäre zunächst ein Schaden für den SPD-Kandidaten. Unentschlossene Wähler könnten den Streit als SPD-internes Chaos wahrnehmen. Manche dürften sich zudem fragen, warum Henning für eine erneute Landtagskandidatur offensichtlich nicht mehr infrage kommt, am Sonntag aber weiterhin als Spitzenkandidat seines Wahlbereichs für den Stadtrat antritt.
Andererseits könnte Alferinks klare Distanzierung ihm helfen. Er hat Hennings Äußerung nicht kleingeredet, sondern unmittelbar Konsequenzen verlangt. Gerade Wähler zwischen SPD und Grünen könnten dies als Führungsstärke interpretieren.
Und dann gibt es einen dritten Effekt: Hennings eigene Anhänger müssen Alferinks Vorgehen keineswegs goutieren. Die Causa Henning ist deshalb kein einfacher Minuspunkt, den man von einem hypothetischen Alferink-Ergebnis abziehen könnte. Sie erhöht vor allem die Unsicherheit.
Volker Bajus hat das umgekehrte Problem
Für Bajus ist die Ausgangslage fast spiegelverkehrt. Persönlich ist er erheblich länger in der Osnabrücker Politik präsent als Alferink. Seit 1996 gehört er – mit einer Unterbrechung – dem Stadtrat an und sitzt inzwischen seit vielen Jahren im Niedersächsischen Landtag. Der Niedersächsische Landtag führt seine politischen Stationen hier auf.
Auch seine Partei besitzt in Osnabrück eine außergewöhnlich starke strukturelle Basis. Bei der Europawahl 2019 erreichten die Grünen in der Stadt 33,3 Prozent, bei der Kommunalwahl 2021 29,2 Prozent. Doch bei der Bundestagswahl 2025 waren davon nur noch 18,7 Prozent übrig.
Besonders die deutlich erstarkte Linke greift inzwischen in genau jenen jüngeren und urbanen Milieus Stimmen ab, die lange die besondere Osnabrücker Stärke der Grünen bildeten. Das muss Bajus bei einer Personenwahl nicht eins zu eins treffen. Aber er muss deutlich über die derzeitige Parteistärke der Grünen hinauskommen, wenn er sicher in die Stichwahl will.
Niermann benötigte 2021 dafür 26,64 Prozent. 2026 dürfte Platz zwei wegen des auf sechs Kandidaten verteilten Feldes womöglich schon mit weniger Stimmen zu erreichen sein. Das hilft Bajus – aber genauso Alferink.
Linke und AfD könnten entscheiden, wer Zweiter wird
Thomas Groß und Thorsten Wassermann dürften nach den bisherigen Wahlergebnissen kaum selbst um Platz eins kämpfen. Für den Ausgang des ersten Wahlgangs können beide trotzdem entscheidend sein.
Die Linke kam bei der Bundestagswahl 2025 innerhalb der Stadt auf 13,7 Prozent und war gerade in einigen innerstädtischen Wahlbezirken ausgesprochen stark. Jede Stimme für Groß fehlt damit potenziell dort, wo auch Bajus und Alferink um linke beziehungsweise progressive Wähler konkurrieren.
Auf der anderen Seite erreichte die AfD bei der Bundestagswahl in der Stadt 10,1 Prozent. Wassermann dürfte einen erheblichen Teil dieses Potenzials binden. Das kann indirekt sogar Pötter treffen, weil konservative Protestwähler nicht automatisch bei der CDU-Amtsinhaberin landen. Auch FDP-Kandidat Hasskamp bindet Stimmen im bürgerlichen Lager.
Beides macht einen direkten Pötter-Sieg mit mehr als 50 Prozent zusätzlich schwierig.
In der Stichwahl beginnt praktisch eine neue Wahl
Der vielleicht wichtigste Punkt jeder OB-Prognose ist: Eine Stichwahl ist keine bloße Fortsetzung des ersten Wahlgangs.
Am 27. September stehen nur noch zwei Namen auf dem Stimmzettel. Die Wähler aller ausgeschiedenen Kandidaten müssen sich neu entscheiden – oder zu Hause bleiben. Damit werden plötzlich auch die Wahlempfehlungen der Verlierer wichtig.
Bei Pötter gegen Alferink dürfte eine Wahlempfehlung der Grünen für den SPD-Kandidaten naheliegen. Umgekehrt wäre bei Pötter gegen Bajus davon auszugehen, dass die SPD eher den Grünen als die CDU-Amtsinhaberin unterstützt.
Eine Empfehlung ist allerdings noch lange keine Stimmenübertragung. Pötter zeigte bereits 2021, dass sie gerade bei einer Personenwahl Wähler erreicht, die bei der Kommunalwahl eine andere Partei bevorzugen.
Was macht die Linke?
Besonders interessant könnte die Haltung der Linken werden. Eine Empfehlung für die konservative Pötter wäre politisch eher überraschend. Dass die Linke automatisch und vorbehaltlos Alferink oder Bajus unterstützt, ist angesichts zahlreicher inhaltlicher Differenzen aber ebenfalls nicht selbstverständlich.
Und selbst wenn die Partei eine Empfehlung ausspricht, müssen ihre Wähler ihr nicht folgen. Ein Teil könnte in der Stichwahl schlicht zu Hause bleiben. Gerade bei Pötter gegen Alferink dürfte diese Frage wichtiger werden, als eine simple Addition von Parteiresultaten vermuten lässt.
Und was macht die AfD?
Noch schwerer vorhersehbar ist das Verhalten von Wassermann und seinen Wählern. Eine belastbare öffentliche Wahlempfehlung für die Stichwahl gibt es bislang nicht.
Kolportiert wird aus einer früheren Facebook-Diskussion eine durchaus pfiffige strategische Überlegung Wassermanns: Eigentlich müsse er gerade denjenigen Kandidaten empfehlen, den er politisch nicht unterstützen wolle – denn dieser müsse sich anschließend öffentlich von einer Wahlempfehlung der AfD und ihren Anhängern distanzieren.
Einen belastbaren Originalbeleg für diese Äußerung konnten wir allerdings nicht finden. Sie ist deshalb nicht als gesichertes Zitat Wassermanns zu verstehen.
Die dahinterstehende strategische Frage ist trotzdem real. Bei einer Stichwahl zwischen Pötter und einem Kandidaten von SPD oder Grünen ist keineswegs selbstverständlich, dass die AfD-Wähler geschlossen zur CDU-Amtsinhaberin wechseln. Ein Teil dürfte sie als konservativere Option bevorzugen, andere könnten zu Hause bleiben.
Eine Wahlempfehlung ist noch keine Stimmenübertragung
Deshalb führt jede einfache Addition der Ergebnisse des ersten Wahlgangs in die Irre.
Grüne plus SPD ergibt nicht automatisch Alferink. SPD plus Linke ergibt nicht automatisch Bajus. Und AfD plus FDP ergibt schon gar nicht automatisch Pötter.
Bei einer Stichwahl geht es stärker um Personen, Ablehnung und taktisches Verhalten als im ersten Wahlgang. Genau das zeigte 2021, als Pötter weit über das damalige CDU-Ergebnis hinaus Stimmen gewinnen konnte.
Wenn sie erneut in die Stichwahl einzieht, wird deshalb weniger entscheidend sein, welche Partei am 13. September wie stark war. Entscheidend wird sein, welche ausgeschiedenen Kandidaten Empfehlungen aussprechen – und wie viele ihrer Wähler diesen tatsächlich folgen.
Unsere Arbeitshypothese: Pötter vorne, dahinter wird es eng
Vier Tage vor der Wahl erscheint folgendes Szenario am plausibelsten: Pötter erreicht Platz eins, verfehlt aber die absolute Mehrheit. Dahinter kämpfen Alferink und Bajus um den Einzug in die Stichwahl.
Alferink besitzt aufgrund der zuletzt erstaunlich starken SPD-Basis innerhalb der Stadt möglicherweise einen kleinen strukturellen Vorteil. Dagegen stehen sein geringerer persönlicher Bekanntheitsgrad gegenüber der Amtsinhaberin und wohl auch gegenüber Frank Henning 2021 sowie die schwer berechenbaren Auswirkungen der aktuellen SPD-Auseinandersetzung.
Bajus verfügt wiederum über jahrzehntelange kommunalpolitische Bekanntheit und kann davon profitieren, dass die Grünen in Osnabrück trotz ihrer jüngsten Verluste deutlich stärker sind als bundesweit. Gleichzeitig konkurriert die Linke inzwischen besonders stark in genau den Milieus, auf die Bajus angewiesen ist.
Linke und Grüne nehmen sich damit teilweise gegenseitig Stimmen ab; AfD und FDP erschweren Pötter den direkten Durchmarsch über 50 Prozent. Und über allem hängt seit wenigen Tagen die Causa Henning.
Sie muss Alferink nicht zwingend schaden. Seine deutliche Distanzierung kann als Führungsstärke wahrgenommen werden. Sie kann ihn aber auch Stimmen bei genau jenen Osnabrückern kosten, die Henning seit vielen Jahren persönlich kennen, mit ihm in Vereinen verbunden sind oder den öffentlichen Umgang mit ihm für überzogen halten. Gerade diese Gruppe lässt sich mit keiner Wahlstatistik zuverlässig berechnen.
Am Sonntagabend könnten wir deshalb eine ungewöhnliche Situation erleben: Die Amtsinhaberin Katharina Pötter weiß möglicherweise relativ früh, dass sie zwei Wochen später noch einmal antreten muss – während erst spät feststeht, ob ihr Gegner Robert Alferink oder Volker Bajus heißt.
Erst dann beginnt die eigentliche zweite Hälfte dieser Oberbürgermeisterwahl. Denn am 13. September wird womöglich zunächst nur darüber entschieden, wer die Eintrittskarte zur Stichwahl bekommt. Wer Osnabrücks Oberbürgermeisterin oder Oberbürgermeister für die kommenden acht Jahre wird, wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit erst am 27. September entscheiden.
Ob wir bis dahin noch einen Bundeskanzler Friedrich Merz haben, wie sich die Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt entwickelt und welche zusätzlichen Effekte die Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin haben werden – all das ist kaum vorhersehbar. Wir leben in spannenden, aber auch chaotischen Zeiten.
Disclaimer: Weil ein Großteil der hier vorgelegten Ergebnisse durch KI ermittelt wurde, wird dieser Artikel unserer KI-Kollegin Mila zugeordnet – auch wenn es hier heißen müsste: „von menschlichen Autoren bearbeitet“.
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