Der Deutsche Philologenverband (DPhV) fordert eine klare Strategie für den Umgang mit Social Media an Schulen. Eine bundesweite Umfrage unter Lehrkräften zeigt, dass sich viele im Schulalltag durch soziale Medien verunsichert, überfordert und mit Konflikten konfrontiert sehen. Vor allem Suchtverhalten, Ablenkung im Unterricht und digitale Gewalt gelten als zentrale Probleme.
Philologenverband mahnt politische Gesamtstrategie an
Die Vorsitzende des Deutschen Philologenverbands, Susanne Lin-Klitzing, drängt auf klare Vorgaben für Schulen und Lehrkräfte. „Gerade in Krisen – wenn ein Kind gemobbt wird, wenn jugendgefährdende Inhalte kursieren oder die Kommunikation mit den Eltern eskaliert – brauchen Schulen und Lehrkräfte klare Handlungsgrundlagen und Rechtssicherheit“, sagte sie dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (Freitagausgaben). Lehrkräfte erlebten täglich, wie Jugendliche in Suchtmechanismen gefangen seien, wie Mobbing aus dem Netz in den Klassenraum wandere und Falschinformationen den Unterricht vergifteten, so Lin-Klitzing gegenüber dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“.
„Das ist keine pädagogische Randnotiz – vielmehr braucht es eine politisch-gesamtgesellschaftliche Strategie, die zum Beispiel auch Eltern schon in der Grundschule einbezieht und für ihr eigenes Nutzungsverhalten und somit auch das ihrer Kinder sensibilisiert“, forderte Lin-Klitzing im „Redaktionsnetzwerk Deutschland“.
Viele Lehrkräfte fühlen sich unsicher
Eine bundesweite Umfrage, die der Deutsche Philologenverband gemeinsam mit dem Bildungsportal „Lehrer-Online“ im Mai und Juni 2026 unter 1.015 Lehrkräften durchgeführt hat, legt nahe, dass jede zweite Lehrkraft in Deutschland sich durch Social Media im Schulalltag unsicher fühlt. Acht Prozent der teilnehmenden Lehrkräfte äußerte sich hilflos und überfordert.
Suchtverhalten und übermäßige Nutzung durch Jugendliche zählt für 79 Prozent der befragten Lehrkräfte zu den zentralen Herausforderungen im Zusammenhang mit sozialen Medien. Danach folgen Ablenkung durch Handys im Unterricht (70 Prozent) sowie Cybermobbing, Sexting, Hassrede und Desinformation (63 Prozent). Am wenigsten Sorgen bereitet den Lehrkräften die Kommunikation mit den Eltern (22 Prozent).
Wunsch nach Regeln, Rechtssicherheit und Unterstützung
Für 68 Prozent der Befragten ist der Umgang mit sozialen Medien relevant. Rund 15 Prozent fordern akute Unterstützung. Nur für neun Prozent ist der Umgang mit Social Media kein Thema. 40 Prozent fühlen sich zudem sicher im Umgang mit Konflikten, die durch Social Media entstehen.
Für den Schulalltag wünscht sich eine Mehrheit von 68 Prozent der befragten Lehrkräfte einheitliche Regeln und Konzepte. 62 Prozent wünschen sich konkrete, individuelle Handlungsstrategien, 59 Prozent mehr Kenntnis über rechtliche Grundlagen wie Urheberrecht, Strafbarkeit und Datenschutz. Bei Fortbildungen sind praktische Tipps gefragt. 29 Prozent der Befragten verlangen psychologische Unterstützung bei belastenden Fällen.
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