Bundesinnenminister Dobrindt plant Zentrum in Cochstedt nach Drohnenfund in Leipzig.
Nach dem Fund einer mit Sprengstoff bestückten Drohne auf dem Flughafen Leipzig/Halle will Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) die Forschung zur Drohnensicherheit in Deutschland ausbauen. Wie die Bild am Sonntag berichtet, soll am 18. August am Testflughafen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Cochstedt (Sachsen-Anhalt) eine neue Forschungseinrichtung für Drohnensicherheit errichtet werden. Dobrindt betonte, das technologische Wettrüsten erfordere eigene Forschungseinheiten, um Schritt halten zu können. Deutschland sei täglich Ziel hybrider Kriegsführung, so der Minister. Fremde Mächte zielten darauf ab, das Land politisch und gesellschaftlich zu bezwingen, indem sie Verunsicherung und Destabilisierung schürten.
Drohnenangriff auf ukrainische Flugzeuge in Leipzig
Der Vorfall in Leipzig hatte eine breite Debatte über die Drohnenabwehr an kritischer Infrastruktur ausgelöst. Am Dienstagabend war in der Nähe ukrainischer Transportflugzeuge eine Drohne mit Sprengstoff und Zünder entdeckt und von einem Mitarbeiter zum Absturz gebracht worden. Ein kurz danach durchstartendes Flugzeug kollidierte möglicherweise mit einer zweiten Drohne. Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts des versuchten Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion und des gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr.
Russland oder Ukraine – Wer steckt hinter den Drohnen
Während US-Medien wie das Wall Street Journal und CNN unter Berufung auf Geheimdienstquellen Russland als Urheber der Drohne vermuten, weist die russische Botschaft in Berlin die Vorwürfe zurück und spricht von einer gegen Moskau gerichteten Provokation der Ukraine. Dobrindt selbst vermeidet eine direkte Schuldzuweisung, spricht aber von einem hybriden Anschlagsszenario. Eine Studie des International Institute for Strategic Studies (IISS) sieht zwischen August 2024 und Februar 2026 eine UAV-Kampagne über Europa, die mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Russland zurückzuführen sei. Europa sei auf diese Bedrohungslage noch nicht ausreichend vorbereitet, heißt es in dem Papier.
Behörden prüfen die nächsten Schritte
Zur Koordinierung der Drohnenabwehr haben Bund und Länder bereits ein Gemeinsames Drohnenabwehrzentrum (GDAZ) in Berlin eingerichtet. Zudem gibt es in Bayern ein Drohnenkompetenz- und -abwehrzentrum (DKAZ) nahe dem Münchner Flughafen. Die Abwehr von Drohnen ist primär Aufgabe der Polizei, doch die Zuständigkeiten und Reaktionsmöglichkeiten gelten als fragmentiert. Dobrindt und Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) räumen der Drohnenabwehr seit Längerem hohe Priorität ein.
Hybride Drohnenangriffe bedrohen kritische Infrastruktur
CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann warnte in der Bild am Sonntag vor einer terroristisch-militärischen Bedrohung neuer Art. Deutschland müsse technologisch voraus sein, um die kritische Infrastruktur zu schützen. Hybride Angriffe richteten sich häufig gegen Flughäfen, Bahnstrecken oder Energieversorger und zielten gleichzeitig auf die öffentliche Meinung ab. Falschmeldungen und Desinformation sollten Verunsicherung auslösen und das Vertrauen in staatliche Institutionen schwächen.