Berlin sticht heraus, doch die Unterschiede sind weiterhin deutlich.
Die Lohnunterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland bestehen weiterhin, obwohl es in den vergangenen Jahren leichte Fortschritte gab. Wie die Berliner Zeitung unter Berufung auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der AfD berichtet, lag das Medianentgelt sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigter in Berlin 2025 bei 4459 Euro brutto im Monat. Damit erreicht die Hauptstadt den höchsten Wert Ostdeutschlands und liegt nur 309 Euro hinter Hamburg, das mit 4768 Euro das höchste Medianentgelt aller Bundesländer aufweist. Mecklenburg-Vorpommern bildet mit 3497 Euro das Schlusslicht. Die absolute Lohnlücke zwischen Ost und West betrug 2025 554 Euro oder 14,7 Prozent. Im Jahr 2000 lag die Differenz noch bei 642 Euro, was zeigt, dass die Schere sich nur langsam schließt. Prozentual ist der Abstand aufgrund des insgesamt gestiegenen Lohnniveaus stärker gesunken – von 34,8 auf 14,7 Prozent.
Ostdeutsche Fachkräfte verdienen oft weniger als westliche
Besonders auffällig ist, dass rund 35 Prozent der ostdeutschen Fachkräfte 2025 weniger verdienten als westdeutsche Beschäftigte in Hilfstätigkeiten. Der Medianentgelt westdeutscher Helfer lag bei 3055 Euro, während 728.000 ostdeutsche Fachkräfte unter dieser Marke lagen. In 20 von 79 untersuchten Wirtschaftsabteilungen verdienten ostdeutsche Fachkräfte im Median weniger als westdeutsche Helfer. Ein Beispiel ist die Autoindustrie: Hier lag das Medianentgelt ostdeutscher Fachkräfte bei 4078 Euro, während westdeutsche Helfer im Schnitt 4266 Euro verdienten.
AfD fordert Ende der Lohnungleichheit im Osten
Die AfD-Bundestagsabgeordnete René Springer kritisiert die anhaltenden Unterschiede scharf. „35 Jahre nach der Wiedervereinigung ist die deutsche Einheit auf dem Lohnzettel noch immer nicht angekommen“, sagte Springer der Berliner Zeitung. Er betont, dass Berlin zeige, dass hohe Löhne im Osten möglich seien, und fordert bessere Rahmenbedingungen für Investitionen und gut bezahlte Arbeitsplätze in den ostdeutschen Flächenländern. Die Bundesregierung verweist demgegenüber auf Maßnahmen wie den Mindestlohn, eine stärkere Tarifbindung und die Förderung strukturschwacher Regionen, um die Lohnunterschiede zu verringern.
Ostdeutsche arbeiten länger – auch tariflich
Zusätzlich zu den Lohnunterschieden gibt es auch Differenzen bei der Arbeitszeit. Erwerbstätige in Ostdeutschland arbeiteten 2025 durchschnittlich 35,6 Wochenstunden, im Westen waren es 33,9 Stunden. Auch die tarifliche Wochenarbeitszeit lag im Osten mit 39 Stunden etwas höher als im Westen mit 38,5 Stunden.
Niedriglöhne im Osten bleiben häufiger als im Westen
Niedriglöhne sind im Osten zudem verbreiteter: 2025 lagen 21,7 Prozent der ostdeutschen Vollzeitbeschäftigten im unteren Entgeltbereich, im Westen waren es 14,2 Prozent. Immerhin gibt es eine langsame Annäherung: 2022 verdienten noch 38 Prozent der ostdeutschen Fachkräfte weniger als westdeutsche Helfer, 2025 waren es 35 Prozent.