Die IG Metall erwägt für die nächste Tarifrunde automatische Gehaltsaufschläge für gut verdienende Betriebe. Gleichzeitig signalisiert sie Kompromissbereitschaft für Krisenunternehmen, lehnt aber eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ab.
Flexible Löhne nach Umsatzrendite
Daniel Friedrich, IG-Metall-Bezirkschef Küste, betonte: „Wir brauchen einen Tarifabschluss, der allen gerecht wird“. Er verwies auf die unterschiedliche Lage in der Branche: „Autokonzerne und Zulieferer stehen massiv unter Druck. Rüstung, Medizintechnik und andere Bereiche verdienen dagegen sehr gut.“
Aktuell können Firmen mit weniger als 2,3 Prozent Umsatzrendite Teile des Gehalts automatisch streichen. Nun fordern Friedrich und Knut Giesler, Bezirkschef NRW, einen automatischen Aufschlag für besonders profitable Betriebe. „Denkbar wäre, das T-Geld zu erhöhen, wenn ein Betrieb eine bestimmte Umsatzrendite erwirtschaftet“, erläuterte Giesler. Dies könnte einen moderaten Lohnabschluss für die gesamte Metall- und Elektroindustrie erleichtern, der speziell der angeschlagenen Autobranche zugutekäme.
Konkrete Berechnungen und Reichweite
Das T-Geld liegt derzeit bei 18,4 Prozent eines Monatseinkommens. Bei einer Verdopplung ab 4,6 Prozent Umsatzrendite würde ein Facharbeiter mit 3.917 Euro Monatsgehalt rund 700 Euro mehr erhalten. Rund 30 Prozent der Branchenbeschäftigten könnten von einem solchen Modell profitieren.
Die Gewerkschaft zeigt sich offen für weitere Zugeständnisse an Krisenbetriebe. "Im Zweifelsfall brauchen wir in diesen Zeiten ein neues Werkzeug für Unternehmen, denen es besonders schlecht geht", sagte Giesler.
Forderungen nach Abschaffung der 35-Stunden-Woche wies er jedoch zurück: "Die großen Autokonzerne schütten immer noch Dividenden aus. Erklären Sie einem Arbeiter mal, dass er für eine Dividendenzahlung mehr Stunden arbeiten soll". "Mit einer 40-Stunden-Woche wird man die hochsubventionierten chinesischen Hersteller nicht schlagen. Dafür bedarf es einer Industriepolitik, die wichtige Branchen weiterentwickelt und die Energiekosten reduziert."