Funke-Verlegerin Julia Becker hat die Berichterstattung des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) über ein Treffen zwischen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner deutlich kritisiert. Anlass ist ein RND-Podcast, in dem angebliche Zitate Döpfners verbreitet worden waren, die später von der RND-Redaktion zurückgenommen wurden. Becker sieht dadurch die Glaubwürdigkeit des Journalismus gefährdet.
Kritik an Veröffentlichung nicht verifizierter Zitate
Funke-Verlegerin Julia Becker äußerte sich in einem am Mittwoch veröffentlichten Podcast des stellvertretenden „Bild“-Chefs Paul Ronzheimer zu dem Vorgang. Sie warf den Kollegen vom RND vor, mit nicht verifizierten Zitaten die journalistische Glaubwürdigkeit riskiert zu haben. „Wenn du auf Döpfner und Merz zielst, da musst du, finde ich, schon bewaffnet sein, und ansonsten lässt du es lieber bleiben“, sagte sie im Ronzheimer-Podcast (Quelle: Ronzheimer-Podcast).
Ausgangspunkt der Debatte ist ein in der letzten Woche veröffentlichter Podcast des RND. Darin war behauptet worden, Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner habe Bundeskanzler Friedrich Merz mit den Worten „Das werden Sie noch bereuen“ bedroht, nachdem dieser angeblich eine Aufforderung Döpfners zum Aufweichen der sogenannten „Brandmauer“ abgelehnt habe (Quelle: RND-Podcast). Die RND-Redaktion ruderte später zurück und räumte ein, die Zitate hätten nicht verbreiten werden dürfen (Quelle: RND-Redaktion).
Der Springer-Verlag sprach in diesem Zusammenhang von „Lüge“ (Quelle: Springer-Verlag), die Bundesregierung von „absurden Gerüchten“ (Quelle: Bundesregierung).
Bestätigtes Treffen, bestrittene Zusammenhänge
Regierungssprecher Stefan Kornelius bestätigte ein Treffen zwischen Merz und Döpfner im Frühjahr (Quelle: Regierungssprecher Stefan Kornelius). Zudem hatte Merz nach einer Vorstandssitzung gesagt, er sei von „einzelnen Verlagshäusern dazu aufgefordert“ worden, „eine andere Mehrheit im Bundestag“ zu suchen, was er nicht tun werde (Quelle: Merz-Aussage nach Vorstandssitzung). Regierungssprecher Kornelius hatte der dts Nachrichtenagentur diesbezüglich auf Anfrage am Freitag gesagt, es gebe „keinen Zusammenhang“ zwischen dem Treffen mit Döpfner und dem Zitat (Quelle: dts Nachrichtenagentur).
Becker zeigte dementsprechend kein Verständnis dafür, dass das RND das Gerücht öffentlich gemacht hatte. Der entstandene Schaden wiege schwer, sagte sie im Ronzheimer-Podcast: „Der zahlt auf unser aller Glaubwürdigkeit ein und Glaubwürdigkeit ist die für mich allerwichtigste Ressource, die wir in unserer Zeit noch haben. Und die wurde hier leichtfertig verspielt“ (Quelle: Ronzheimer-Podcast).
Warnung vor zu großer Nähe zwischen Medien und Politik
Die Verlegerin nutzte den Anlass zugleich für grundsätzliche Kritik am Verhalten von Medien und Journalisten gegenüber der Politik. Sie warf ihnen vor, in der Vergangenheit zu oft die Nähe zu Politikern gesucht zu haben. Sie selbst halte strikte Distanz: „Ich hatte immer ein Störgefühl, dass Politik und Medien, für mein Gefühl, an einander gegenüberliegenden Seiten des Tisches sitzen. Und diese Kungelei oder das Selbstverständnis von `wir sind auch privat alle gut befreundet` – (das schafft) viel zu große Nähe“ (Quelle: Ronzheimer-Podcast).
