Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) fordert die Abschaffung der abschlagsfreien Frührente für besonders langjährig Versicherte. Eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung sieht darin ein erhebliches Sparpotenzial und zusätzliche Fachkräfte für den Arbeitsmarkt, während die SPD vor negativen Folgen für Beschäftigte in belastenden Berufen warnt.
Arbeitgeberverband kritisiert „teuren Irrweg“
Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) dringt auf ein Ende der abschlagsfreien Frührente. BDA-Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter sagte dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (RND): „Die abschlagsfreie Frühverrentung ist ein teurer Irrweg, den sich unser Sozialstaat angesichts des demografischen Wandels nicht länger leisten sollte.“ Während Fachkräfte fehlten, müssten die Beitragszahler mit der sogenannten Rente ab 63 weiterhin den vorzeitigen Ausstieg erfahrener Beschäftigter aus dem Arbeitsmarkt finanzieren. Das sei das falsche Signal zur falschen Zeit.
Kampeter verwies laut RND auf eine neue Studie, der zufolge die Abschaffung dieses „Fehlanreizes“ Milliarden sparen und gleichzeitig dringend benötigte Fachkräfte im Erwerbsleben halten würde. „Wer die Rentenversicherung stabilisieren, Beitragszahler entlasten und Wachstum sichern will, kommt an der Abschaffung der abschlagsfreien Frühverrentung nicht vorbei“, mahnte Kampeter dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ zufolge. Unterstützung gehöre denjenigen, die tatsächlich nicht länger arbeiten könnten – nicht pauschal allen. Es sei an der Zeit für eine „ehrliche und mutige Rentenpolitik“ anstelle von „teuren Frühverrentungsprämien“.
Studie sieht Milliardenentlastung und mehr Fachkräfte
Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung würde die Abschaffung der abschlagsfreien Frührente für besonders langjährig Versicherte Milliarden sparen. Die Rentenkasse könnte einer Modellrechnung nach um 9,5 Milliarden Euro pro Rentnerjahrgang entlastet werden – allerdings über die gesamte Rentenbezugsdauer des Jahrgangs. Außerdem stünden dem Arbeitsmarkt in diesem Szenario rund 125.000 zusätzliche Vollzeitkräfte zur Verfügung.
Union drängt auf Reform, SPD lehnt Abschaffung ab
Auch aus der Union kommen seit längerem Forderungen, die abschlagsfreie Frührente im Zuge der geplanten Reformen abzuschaffen. Die SPD lehnt das jedoch ab. SPD-Fraktionsvize Dagmar Schmidt sagte dem RND, viele Menschen könnten schlicht nicht bis ins hohe Alter weiterarbeiten, gerade in körperlich oder psychisch belastenden Berufen und bei gesundheitlichen Einschränkungen. Eine Abschaffung der abschlagsfreien Frührente würde diese Menschen besonders hart treffen, entweder durch längeres Arbeiten unter hoher Belastung oder durch dauerhafte Rentenkürzungen.
„Wer 45 Jahre gearbeitet, Beiträge gezahlt, Kinder erzogen, Angehörige gepflegt und unser Land mit seiner Arbeit mitgetragen hat, verdient Respekt, Sicherheit und einen fairen Übergang in den Ruhestand“, mahnte sie laut „Redaktionsnetzwerk Deutschland“. Deshalb sei die abschlagsfreie Rente für besonders langjährig Versicherte eine wichtige sozialpolitische Errungenschaft. Es gehe nicht um Privilegien, sondern um Gerechtigkeit nach einem langen Arbeitsleben.
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