Stefan Wolf, Geschäftsführer des Batterieverbands, sieht Deutschland beim Aufbau einer europäischen Batterieindustrie hinter den Erwartungen zurück. Er fordert mehr Tempo, Koordination und marktgestaltende Maßnahmen, während China und die USA ihre Positionen ausbauen.
Kritik an mangelnder Dynamik
Nach Einschätzung der heimischen Industrie fehlt es in Deutschland an Tempo und Koordination. "Wir sind zu zaghaft darin, nachhaltig Zukunftsindustrien aufzubauen und die dafür erforderlichen Investitionen zu mobilisieren", sagte Stefan Wolf, Geschäftsführer des Batterieverbands, dem "Tagesspiegel Background„. Ein gemeinsames Vorgehen von Staat und Industrie sei notwendig, gerade weil die Autobranche mit Absatzschwierigkeiten kämpfe und ihre finanziellen Spielräume schrumpften.
Chinesische Dominanz und US-Schutzmaßnahmen
Chinesische Hersteller seien über Jahrzehnte mit massiven Subventionen aufgebaut worden und suchten wegen Überkapazitäten im Heimatmarkt gezielt den Weg nach Europa, so Wolf. Die USA hätten sich dagegen längst abgeschottet: "Die USA haben hohe Barrieren eingeführt", sagte er. Europa bleibe dadurch "eine Art Rettungsanker" für chinesische Konzerne. Tesla habe als Ausnahme den Trockenbeschichtungsprozess industrialisiert und skaliere das Verfahren nun am Standort Grünheide.
Trotz milliardenschwerer Förderprogramme habe die deutsche Politik bisher zu wenig auf marktgestaltende Instrumente gesetzt. Notwendig seien neben Förderung auch gezielte Nachfrageanreize auf der Marktseite. Wolf verglich den nötigen Schritt mit einer Brücke: "Um mit einem Brückenbau das Tal des Todes zu überqueren, geht man von beiden Seiten vor: neue Technologien entwickeln und neue Technologien nachfragen." Als Vorbild nannte er die USA, wo Steuergutschriften an Unternehmen aus China, Russland, Nordkorea oder dem Iran ausgeschlossen sind.
Kritisch äußerte sich Wolf zur aktuellen Bundesregierung: Während Forschungsministerium und Kanzleramt die Bedeutung der Batterietechnologie erkannt hätten, agiere das Wirtschaftsministerium zurückhaltend. Trotz Rückschlägen bei Northvolt, SVolt, Cellforce und Varta bleibe die Zuversicht mit Blick auf eine zweite Investitionsrunde in Ländern wie Frankreich, Schweden und den Niederlanden. Die Batterietechnologie bleibe neben Mikroelektronik und Künstlicher Intelligenz "ganz entscheidend für die Zukunft unserer Industrie", so Wolf.
Eine aktuelle Deloitte-Studie unterstrich zu Beginn der Woche die Dringlichkeit: Ihr zufolge werden 98 Prozent der großen Batteriefabriken in Europa von asiatischen Unternehmen betrieben – allen voran vom chinesischen Weltmarktführer CATL.