In Osnabrück entwickelte und baute Volkswagen einst den ersten MOIA-Kleinbus – ein Vorbote einer neuen elektrischen Mobilitätswelt, entwickelt zu wesentlichen Teilen auf dem Werksgelände im Fledder. Nun findet der Konzern für sein milliardenschweres Projekt zum autonomen und geteilten Fahren offenbar keinen Co-Investor.
Kritiker der Konversion des ehemaligen Karmann-Werks zum Rüstungsstandort haben in den vergangenen Monaten immer wieder die Produktion autonomer Kleinbusse als mögliche zivile Zukunft für das VW-Werk ins Spiel gebracht. Die Realität ist: Beim autonomen Fahren kämpft Volkswagen um den technologischen Anschluss an Tesla, Waymo und chinesische Anbieter – und ist bei entscheidenden Technologien längst auf externe Partner angewiesen.
Uber und Lyft wollen nicht in VW-Robotaxi-Projekt investieren
Nach Recherchen des manager magazins ist der Versuch von Volkswagen, externe Geldgeber für sein Geschäft mit autonomen Fahrzeugen zu gewinnen, vorerst gescheitert. Zuletzt sollen Uber und Lyft als mögliche Investoren für das elektrische Sammeltaxi abgesprungen sein.
Das bedeutet noch nicht das Ende von MOIA. Volkswagen steht aber vor der Frage, ob und wie lange der Konzern die kostspielige Entwicklung noch allein weiterfinanzieren will – oder kann.
Tesla setzt auf Individualität und nicht auf Sammeltaxis
Angesichts der aktuellen Erfolge von Teslas autonomen Cybercab dürfte vor allem die Frage im Raum stehen, ob es überhaupt Fahgäste für ein System gibt, bei dem man sich den engen Raum eines Kleinbusses wie in einem Drittwelt-Land mit anderen Menschen teilen soll, wenn es doch bessere und vor allem individuelle Alternativen gibt. Anders als MOIA setzt Tesla in seinen Robotaxis auf lediglich zwei komfortable Fahrgastplätze, weil nach Marktuntersuchungen für mehr als 90 % aller Fahrten kein Bedarf nach mehr Sitzplätzen besteht.
MOIA ist tatsächlich ein Stück „made in Osnabrück“
Was heute gern als Zukunftsprojekt rund um den autonomen ID. Buzz präsentiert wird, hat einen wichtigen Teil seiner Wurzeln in Osnabrück.
Das erste MOIA-Fahrzeug (MOIA +6) wurde gemeinsam von MOIA, Volkswagen Nutzfahrzeuge und Volkswagen Osnabrück entwickelt. Volkswagen war 2017 stolz darauf, dass das Fahrzeug innerhalb von nur zehn Monaten geplant, entwickelt und gebaut worden war. Die Kleinserie wurde anschließend im Osnabrücker Werk gefertigt.
Volkswagen selbst nennt MOIA bis heute ausdrücklich unter den Projekten der Technischen Entwicklung in Osnabrück. Rund 500 hochqualifizierte Beschäftigte können dort Fahrzeuge vom ersten Konzept bis zur Serienreife entwickeln.
Was nur wenigen bekannt ist: Volkswagen Osnabrück war intensiv auch an einem weiteren vermeintlichen Hoffnungsträger beteiligt – dem ID. Buzz.
Auch der ID. Buzz erfüllt die großen Hoffnungen bislang nicht
Der elektrische Nachfolger des legendären VW-Bullis sollte eines der Aushängeschilder für Volkswagens Elektro-Offensive werden. Die Wirklichkeit blieb hinter den großen Erwartungen zurück. Die Produktion in Hannover musste der Nachfrage angepasst werden – wie so häufig bei Volkswagen in den vergangenen Jahren: nach unten. Inzwischen steht der Standort Hannover unter erheblichem Kostendruck und Volkswagen sucht nach einer langfristig wettbewerbsfähigen Perspektive für das Transporter-Werk.
Entscheidende Technik entwickelt VW längst nicht mehr selbst
Der ID. Buzz bildet die Basis für MOIAs nächsten Versuch, gegen Tesla & Co. anzutreten: den ID. Buzz AD, der ohne Fahrer Fahrgäste befördern soll. Die entscheidende Technologie dafür kommt allerdings nicht aus Osnabrück und nicht einmal von Volkswagen. Das System für das autonome Fahren liefert das israelische Unternehmen Mobileye.
Noch im April dieses Jahres verkündeten Volkswagen und Uber große Pläne für die USA. Mehr als 100 autonome ID. Buzz sollten in Los Angeles getestet werden, erste Fahrten über die Uber-Plattform noch Ende 2026 beginnen. Nur wenige Monate später will Uber nach den aktuellen Berichten zwar weiter mit MOIA zusammenarbeiten, aber kein Investor des Projekts werden.
Milliarden investiert – und kein Co-Investor für den Schritt zur Marktreife
Volkswagen hat Medienberichten zufolge bereits rund zwei Milliarden Euro in autonomes Fahren und MOIA investiert. Mindestens eine weitere Milliarde soll notwendig sein, um die Technik kommerziell auf die Straße zu bringen. Nach monatelanger Suche fand sich nach aktuellem Stand trotzdem kein externer Großinvestor, der bereit wäre, das finanzielle Risiko mit Volkswagen zu teilen.
Auch das ursprüngliche MOIA-Geschäft wurde zurückgefahren. 2025 stellte MOIA nach sieben Jahren seinen Fahrdienst in Hannover ein und konzentrierte sich in Deutschland auf Hamburg. Statt selbst Fahrdienstbetreiber zu sein, sollte MOIA zum Anbieter einer kompletten Technologieplattform für autonome Mobilität werden.
Die Geldvernichtung bei CARIAD lässt grüßen
MOIA steht damit nicht allein. Volkswagen hat in den vergangenen Jahren große Summen in Zukunftstechnologien investiert und mehrfach seine eigenen Ziele verfehlt.
Das prominenteste Beispiel ist CARIAD. Die 2020 gegründete Softwaretochter sollte Volkswagen auf Augenhöhe mit Tesla bringen und eine einheitliche Softwarearchitektur für den Konzern schaffen. Es folgten Entwicklungsprobleme, verspätete Fahrzeugprojekte, ein weitgehender Austausch des Vorstands und immer neue Softwarepläne. 2025 meldete CARIAD einen operativen Verlust von rund 2,2 Milliarden Euro.
Am Ende holte sich Volkswagen ausgerechnet bei einem deutlich jüngeren US-Autobauer Hilfe: Bis zu 5,8 Milliarden Dollar steckt VW in das Gemeinschaftsunternehmen mit Rivian. Dessen Software- und Elektronikarchitektur soll Grundlage kommender Volkswagen-Modelle werden.
Beim automatisierten Fahren verlief die Entwicklung ähnlich. Die 2022 groß angekündigte Automated Driving Alliance von CARIAD und Bosch ist inzwischen beendet. Offiziell sprechen beide Unternehmen von einem erfolgreichen Abschluss und verweisen auf ein gemeinsam entwickeltes Level-2-System. Medien berichteten hingegen, dass die entwickelte Technik innerhalb Volkswagens als nicht ausreichend wettbewerbsfähig beurteilt worden sei.
Für höhere Automatisierungsstufen sucht Volkswagen inzwischen andere Lösungen. In China greift der Konzern bereits auf Technologie des chinesischen Herstellers Xpeng zurück.
Mehr Nachrichten aus der Region?
➡️ Alle aktuellen Artikel zu Osnabrück (Gesamtstadt) finden Sie hier.