Deutschlands größter Stromnetzbetreiber Tennet verlangt eine engere Zusammenarbeit mit Sicherheitsbehörden. Das Unternehmen sieht sich zunehmend Cyberangriffen, Ausspähversuchen und Drohnenüberflügen ausgesetzt und pocht auf bundesweite Lösungen.
Kritik an Ländergesetzen und Forderung nach Handlungsfähigkeit
Kathrin Günther, Chief Transformation Officer bei Tennet, betont, dass das Ziel nicht sei, Drohnen über Umspannwerken zum Absturz zu bringen. „Es ist überhaupt nicht unser Ziel, eine Drohne über einem Umspannwerk zum Absturz bringen zu dürfen“ dem „Spiegel“. „Allein schon aus Sicherheitsgründen. Außerdem sind viele Haftungsfragen ungeklärt.“
"Beim Schutz der kritischen Infrastruktur dürfen wir uns nicht in Grundsatzdiskussionen verlieren, sondern müssen endlich ins Handeln kommen", sagte Günther. Tennet habe bereits Drohnenmonitoring-Systeme im Einsatz, doch Günther fordert eine technische Anbindung an behördliche Drohnenabwehrzentren. "Wenn die Einsatzkräfte eintreffen, ist die Drohne oft schon weitergeflogen".
Bundesweite Regelung statt Länderlösungen
Günther kritisiert Pläne wie die von Bayern, Drohnenabwehr auf Länderebene zu regeln. "Unser Netz geht aber über verschiedene Bundesländer, der Worst Case für uns wäre, wenn jedes davon eigene Vorgaben schafft. Angreifer und Drohnen halten sich nicht an Ländergrenzen". Eine gesamtdeutsche Lösung sei notwendig.
Forderung nach Datenschutz-Lockerung
Zudem verlangt Tennet eine Lockerung des Datenschutzes bei der Überwachung kritischer Infrastruktur. Derzeit dürfen nur Innenbereiche von Anlagen gefilmt werden. "So sehen wir eine Gefahr erst, wenn sie bereits auf dem Gelände ist". "Daran muss sich etwas ändern."
Transparenzpflichten als Netzbetreiber hält Günther zwar für nachvollziehbar. "Aber wir müssen auch hier darüber diskutieren, ab wann öffentlich verfügbare Informationen zu kritischer Infrastruktur selbst zum Sicherheitsrisiko werden. "