Laut einer KI-gestützten Auswertung aller Notenbanker-Reden durch das ZEW-Forschungsinstitut steuert die EZB auf eine Zinserhöhung in der kommenden Woche zu. Die im Handelsblatt veröffentlichte Analyse stellt zugleich die Markterwartung infrage, dass weitere Erhöhungen bis Jahresende sehr wahrscheinlich sind.
ZEW-Experte: Leitzins könnte auf 2,5 Prozent steigen
Vor dem Hintergrund anhaltend hoher Energiepreise und positiver Konjunkturaussichten sei eine Erhöhung des Leitzinses von 2,25 auf 2,5 Prozent "klar vorbereitet", sagt ZEW-Finanzexperte Friedrich Heinemann. Die Einigkeit unter den 27 Notenbankern ist dem aktuellen „Momentum-Indikator“ zufolge noch relativ hoch, beginnt aber zu bröckeln.
Momentum für Zinserhöhungen schwächt sich ab
Der ermittelte "Momentum-Score" liegt zwar weiterhin klar in dem Bereich, der steigende Zinsen signalisiert. Allerdings längst nicht so deutlich wie in der zweiten Jahreshälfte 2022, als die EZB zu umfangreichen Zinserhöhungen in schneller Abfolge bis auf 4,0 Prozent ansetzte.
Der aus den Reden ermittelte Gesamtwert ist seit dem Frühjahr sogar etwas gefallen. Deshalb sei es "nicht so selbstverständlich", wie die Märkte annehmen, dass der EZB-Rat zu weiteren, raschen Zinserhöhungen entschlossen sei. Das deutet darauf hin, dass die monatelange Dominanz der "Falken" – also der Befürworter eher hoher Zinsen – schwindet.