Die mögliche Zukunft des Volkswagen-Werks in Osnabrück mit dem israelischen Rüstungskonzern Rafael stößt offenbar auf Widerstand eines einflussreichen VW-Großaktionärs. Der katarische Staatsfonds Qatar Investment Authority hat Bedenken gegen die Pläne angemeldet.
Nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung soll Katar sogar sein Veto eingelegt haben. Damit gerät eine der bislang aussichtsreichsten Perspektiven für den Osnabrücker Standort ins Wanken und damit könnte die Hoffnung auf den erhalt von mehr als 2.000 Arbeitsplätzen zerstört werden.
Unter anderem auch das „Handelsblatt“ hat am vergangenen Wochenende über die neue Lage recherchiert und berichtet. Die Nachrichtenagentur Reuters sowie weitere Wirtschaftsmedien griffen das Thema auf. In einem entscheidenden Punkt unterscheiden sich die Berichte allerdings: Während „Bild“ von einem Veto des katarischen Großaktionärs spricht, ist in anderen Veröffentlichungen zunächst von Einwänden, Bedenken und weiterem Gesprächsbedarf die Rede.
Die politischen Spannungen im Nahen Osten könnten so oder so unmittelbare Auswirkungen auf die Zukunft des Volkswagen-Werks in Osnabrück und seiner Beschäftigten haben.
Katar hat großen Einfluss bei Volkswagen
Die staatseigene Qatar Investment Authority gehört zu den größten Aktionären des Volkswagen-Konzerns. Sie hält 17 Prozent der Stimmrechte sowie 10,4 Prozent des Aktienkapitals.
Katar ist zudem im Volkswagen-Aufsichtsrat vertreten und kann deshalb Einfluss auf wichtige strategische Entscheidungen des Konzerns nehmen. Nach Angaben der „Bild“-Zeitung sitzen der Vorstandsvorsitzende der Qatar Investment Authority, Mohammed Saif Al-Sowaidi, sowie zwei ehemalige Mitglieder der katarischen Regierung im Aufsichtsrat von Volkswagen.
Hintergrund der Bedenken sollen die belasteten Beziehungen zwischen Katar und Israel sein. Nach Informationen des „Handelsblatts“ hat sich der katarische Großaktionär gegen die Pläne des VW-Managements gestellt, gemeinsam mit Rafael Komponenten für ein modernes Flugabwehrsystem zu produzieren.
Ob Katar den möglichen Deal endgültig blockiert oder zunächst weitere Verhandlungen verlangt, ist bislang nicht abschließend geklärt. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet zurückhaltender von Einwänden des Staatsfonds gegen die Gespräche zwischen Volkswagen und Rafael.
Absichtserklärung mit Rafael bereits Ende April unterzeichnet
Für das Osnabrücker Volkswagen-Werk sah die Entwicklung zunächst vielversprechend aus. Ende April unterzeichneten Volkswagen und der israelische Staatskonzern Rafael nach übereinstimmenden Medienberichten eine Absichtserklärung.
Geplant ist demnach, das Osnabrücker Werk für die Produktion von Komponenten des Raketenabwehrsystems „Iron Dome“ zu nutzen. Das von Rafael entwickelte System schützt Israel vor Angriffen mit Raketen und Drohnen.
Im Gespräch sind technische Bauteile und weitere Komponenten des Abwehrsystems. Die eigentlichen Abwehrraketen sollen nach den bislang bekannten Plänen nicht in Osnabrück produziert werden.
VW-Werk braucht nach dem T-Roc Cabriolet eine neue Aufgabe
Für Volkswagen wäre die Zusammenarbeit mit Rafael eine Möglichkeit, dem Osnabrücker Werk nach dem Ende der aktuellen Fahrzeugproduktion eine neue Perspektive zu geben. Im kommenden Jahr soll die Produktion des T-Roc Cabriolets auslaufen. Ein Nachfolgemodell für den Standort ist bislang nicht vorgesehen.
Die Nutzung des Werks durch Rafael könnte deshalb zahlreiche Arbeitsplätze sichern und die vorhandenen Produktionshallen sowie das technische Wissen der Belegschaft weiter nutzbar machen. Die Gespräche mit Rafael galten zuletzt als eine der konkretesten Optionen für die Zukunft des Werks. Zuvor waren auch andere Unternehmen aus der Automobil- und Rüstungsbranche als mögliche Partner oder Interessenten genannt worden. Eine verbindliche Vereinbarung gibt es bislang jedoch nicht.
Kommentare zu diesem Artikel:
Mehr Nachrichten aus der Region?
➡️ Alle aktuellen Artikel zu Osnabrück (Gesamtstadt) finden Sie hier.
