Ist hinter den Kulissen schon alles geklärt? Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters (hinter Bezahlschranke) wurde bereits ein Letter of Intent (LOI), also eine Absichtserklärung zwischen Vertretern des Volkswagenkonzerns und dem israelischen Rüstungskonzern Rafael Advanced Systems unterzeichnet.
Erklärtes Ziel der Verhandlungen soll ein Verkauf, nicht eine Auftragsproduktion, für den Rüstungskonzern aus Israel sein.
Damit dürften sich die bereits seit März bekannten Pläne bestätigen, dass in Osnabrück bald Teile für den Raketenschutzschirm „Iron Dome“ gebaut werden – aber ganz anders, als noch vor wenigen Stunden gedacht. Mehr als 2.000 VW-Mitarbeiter würden dann in wenigen Monaten in einem Rüstungsbetrieb arbeiten, der dem Staat Israel gehört und dem israelischen Verteidigungsministerium untersteht.
Offiziell bleiben alle Seiten zurückhaltend
Noch Anfang der Woche hatte VW-Chef Oliver Blume in einem Interview angedeutet, dass Volkswagen selbst Teile für die Rüstungsindustrie am Standort Osnabrück bauen könnte – allerdings keine Waffen. Nun deutet der Reuters-Bericht, der sich maßgeblich auf zwei Insider stützt, in eine andere Richtung: Die Investoren aus Israel könnten die Produktion im ehemaligen Karmann-Werk im Osnabrücker Fledder offenbar selbst organisieren – vorbei am Subunternehmer Volkswagen, falls der Konzern das Werk tatsächlich verkauft.
Offiziell halten sich die Beteiligten bislang bedeckt. Ein Sprecher von Rafael Advanced Systems in Deutschland wollte sich dem Bericht zufolge nicht äußern. Auch Volkswagen bleibt bei Details zurückhaltend. VW-Chef Oliver Blume bestätigte lediglich weiterhin konstruktive Gespräche mit der Rüstungsindustrie, ohne konkreter zu werden.
Auch Verteidigungsministerium äußert sich nicht konkret zu Osnabrück
Aus dem Verteidigungsministerium gibt es am Vorabend des 1. Mai ebenfalls keine Bestätigung für den möglichen Verkauf des Osnabrücker Werks. Dort heißt es nach Angaben von Bild.de lediglich, man wolle gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium prüfen, wie Rüstungsindustrie und zivile Unternehmen zusammenarbeiten könnten.
Rafael Advanced Systems gehört dem israelischen Staat und ist unter anderem Hersteller des Raketenabwehrsystems „Iron Dome“. In Osnabrück könnten künftig nach den vorliegenden Informationen Fahrzeuge und Komponenten für Abfangraketen gefertigt werden. Die Produktion von Sprengkörpern soll aus Sicherheitsgründen ausgeschlossen sein.
VW-Werk Osnabrück steht vor tiefem Umbruch
Für den Standort Osnabrück wäre ein Einstieg von Rafael eine Zäsur. Noch laufen dort T-Roc-Cabrios vom Band, doch im kommenden Jahr soll damit Schluss sein. Das Ende der Produktion ist Teil eines Sparprogramms bei Volkswagen – und betrifft rund 2.300 Beschäftigte am traditionsreichen Standort.
Die Geschichte des Werks reicht bis ins Jahr 1901 zurück. Die Wilhelm Karmann GmbH fertigte in Osnabrück über Jahrzehnte Cabriolets und Coupés, darunter den legendären Karmann-Ghia auf Basis des VW Käfer. Nach der Insolvenz von Karmann im Jahr 2009 übernahm Volkswagen den Standort.
Rheinmetall hatte bereits abgewunken
Volkswagen sucht seit Längerem nach einer Perspektive für das Werk. Auch Rheinmetall hatte sich den Standort bereits angesehen, zog sich jedoch im März wieder zurück. Dabei wäre das Werk grundsätzlich für die Produktion von 6×6-Radpanzern infrage gekommen. Zusätzliche Kapazitäten werden nach damaliger Einschätzung jedoch derzeit nicht benötigt.
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