Die Zukunft des Volkswagen-Werks in Osnabrück könnte sich schneller entscheiden als bislang erwartet – und mit Aurelius aus Tel Aviv kommt ein renditeorientierter Finanzinvestor ins Spiel, den bislang niemand auf dem Zettel hatte. Und das Kapitel Volkswagen in Osnabrück wäre beendet.
Update 8. September: In einer ersten Version dieses Artikels wurde die AURELIUS Gruppe aus München als Käufer genannt. Das war eine falsche Angbae basierend auf einem Artikel der Wirtschaftswoche, auf den wir uns ausdrücklich bezogen haben. Richtig ist: Das Land Niedersachsen plant eine Zusammenarbeit mit Aurelius aus Israel, einem Namensvetter, der nach Angaben der Münchner AURELIUS über keine Namensrechte in Deutschland verfügen soll. Wir haben diesen Artikel um die Bezüge auf die Münchner AURELIUS Gruppe gekürzt.
Nach Informationen der „WirtschaftsWoche“ will Volkswagen bereits am Montag (7. September) seinen Rückzug vom Standort im Osnabrücker Fledder verkünden. Das Land Niedersachsen und Investoren sollen übernehmen und gemeinsam die Voraussetzungen dafür schaffen, dass unter anderem der israelische Rüstungskonzern Rafael auf dem Werksgelände produzieren kann. Für die rund 2.300 Beschäftigten könnte damit eine monatelange Hängepartie in eine entscheidende Phase gehen. Auch der Name Volkswagen könnte damit schneller vom Werk verschwinden als bislang erwartet.
Vieles von dem, was die „WirtschaftsWoche“ am Sonntagmorgen berichtet, ist für Leser der HASEPOST nicht neu. Dass Niedersachsen eine Konstruktion vorbereitet, mit der der Widerstand des VW-Großaktionärs Katar gegen eine Zusammenarbeit mit dem israelischen Rüstungskonzern Rafael umgangen werden kann, hatte sich bereits seit Monaten abgezeichnet.
Neu sind allerdings zwei entscheidende Punkte: Volkswagen will sich offenbar tatsächlich vollständig vom Osnabrücker Standort zurückziehen – und mit Aurelius steht nun ein privater Finanzinvestor bereit, der beim Übergang eine zentrale Rolle spielen soll.
Kommt Olaf Lies am Montag nach Osnabrück?
Nach Informationen der „WirtschaftsWoche“ soll bereits am Montag verkündet werden, dass Volkswagen das Werk aufgeben wird. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies soll dazu persönlich nach Osnabrück kommen.
Ein Insider wird von dem Wirtschaftsmagazin mit der Aussage zitiert, Lies wolle verkünden, dass Arbeitsplätze und Werk auch ohne Volkswagen gesichert werden sollen.
Volkswagen selbst bestätigt den Bericht bislang nicht. Ein Konzernsprecher erklärte gegenüber der „WirtschaftsWoche“, über die zukünftige Ausrichtung des Standorts sei aktuell noch nicht entschieden.
Dennoch spricht einiges dafür, dass es jetzt sehr schnell gehen könnte. Erst am Freitag hatte sich der Volkswagen-Aufsichtsrat mit einem umfassenden Spar- und Zukunftsprogramm für den Konzern beschäftigt. In den langfristigen Planungen für andere deutsche Werke spielt Osnabrück nach Informationen der „WirtschaftsWoche“ überhaupt keine Rolle mehr.
Volkswagen will offenbar komplett raus aus Osnabrück
Damit geht die neue Entwicklung deutlich über das hinaus, was bislang bekannt war. HASEPOST berichtete bereits Ende August, dass das Land Niedersachsen selbst Teil einer neuen Konstruktion für das Werk werden könnte. Hintergrund ist der Widerstand des katarischen Staatsfonds Qatar Investment Authority gegen eine direkte Zusammenarbeit zwischen Volkswagen und Rafael.
Katar hält rund 17 Prozent der Stimmrechte bei Volkswagen. Die Pläne für eine gemeinsame Produktion von Volkswagen und Rafael waren deshalb zwischenzeitlich erheblich ins Stocken geraten.
Nach den neuen Informationen soll dieses Problem nun radikaler gelöst werden als bislang angenommen: Volkswagen zieht sich zurück – und Niedersachsen sowie ein privater Investor übernehmen.
Nach Informationen der „WirtschaftsWoche“ soll Volkswagen allerdings zumindest für den Übergang noch Einfluss nehmen. Mit Aurelius sei eine Absichtserklärung vorgesehen, in der festgeschrieben werden soll, dass der Industriestandort und der Großteil der Arbeitsplätze langfristig erhalten bleiben.
Rafael könnte nur der erste neue Nutzer des Standorts Osnabrück werden
Damit rückt erneut die Frage in den Mittelpunkt, die HASEPOST bereits Ende August gestellt hatte: Reicht die geplante Zusammenarbeit mit Rafael überhaupt aus, um ein Werk dieser Größe und mehr als 2.000 Beschäftigte auszulasten?
Nach den bislang bekannten Plänen soll Osnabrück vor allem Produktions- und Montagestandort für schwere Militärfahrzeuge, Abschussvorrichtungen, Generatoren und weitere Komponenten werden. Die eigentlichen Abfangraketen des Iron-Dome-Systems sollen dagegen nicht in Osnabrück gefertigt werden.
Damit würde ein erheblicher Teil der Wertschöpfung weiterhin außerhalb des ehemaligen Karmann-Werks stattfinden. Osnabrück wäre nach bisherigem Kenntnisstand vor allem ein Standort, an dem vorhandene Fahrzeugbau-Kompetenz mit Rafaels Rüstungstechnik zusammengeführt wird.
Zwischenzeitlich wurde zudem bekannt, dass Rafael den Aufbau einer Fertigung für Tamir-Abfangraketen – dem Herzstück des Iron-Dome-Systems – im Billiglohnland Indien prüft. Eine endgültige Entscheidung für Indien ist allerdings bislang nicht öffentlich bestätigt.
Entsteht ein großer Rüstungsstandort Osnabrück-Fledder?
Wenn der Investor Aurelius tatsächlich das komplette Gelände nutzen und ein Großteil der heute rund 2.300 Beschäftigten weiter in Lohn und Brot gehalten werden soll, müsste im Fledder schnell mehr entstehen als lediglich die bislang bekannten Rafael-Aktivitäten.
HASEPOST hatte bereits berichtet, dass möglicherweise weitere Unternehmen aus der Rüstungsindustrie auf dem großen Werksgelände angesiedelt werden könnten. Mit einem neuen Vermieter könnten das auch Unternehmen sein, die zuvor eine eigene Übernahme abgesagt hatten. Neben Rafael war in der Vergangenheit unter anderem der Panzerbauer KNDS als möglicher Nutzer im Gespräch. Auch Rheinmetall hatte sich den Standort angesehen, eine Übernahme des gesamten Werks später allerdings ausgeschlossen.
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