In Deutschland hängen Bildungschancen nach einer neuen Analyse des Ifo-Instituts und "Ein Herz für Kinder" stark von sozialer Herkunft und Geschlecht ab. Besonders Kinder aus benachteiligten Familien sowie Jungen haben demnach deutlich geringere Aussichten auf einen Gymnasialbesuch als Mädchen und Kinder aus privilegierten Haushalten.
Chancenmonitor zeigt deutliche Unterschiede nach Herkunft
Die Ergebnisse gehen aus dem Chancenmonitor hervor, den das Ifo-Institut gemeinsam mit „Ein Herz für Kinder“ am Dienstag in Anwesenheit von Karin Prien (CDU) in Berlin vorgestellt hat. Die Studie basiert auf Daten von knapp 68.000 Kindern und Jugendlichen im Alter von zehn bis 18 Jahren aus dem Mikrozensus 2022, der größten Haushaltsbefragung in Deutschland. Der familiäre Hintergrund wird durch den Bildungsstand der Eltern, das Haushaltseinkommen, den Migrationshintergrund und den Alleinerziehenden-Status abgebildet.
„Unsere Analyse zeigt, wie stark die Chance auf einen Gymnasialbesuch von Elternbildung und Einkommen bestimmt wird“, sagte Ludger Wößmann, Leiter des Ifo-Zentrums für Bildungsökonomik, laut Mitteilung des Ifo-Instituts. Laut der Analyse liegt die Gymnasialwahrscheinlichkeit in der am meisten benachteiligten Herkunftsgruppe bei nur 16,9 Prozent gegenüber 80,3 Prozent in der privilegiertesten Gruppe des familiären Hintergrunds.
Jungen mit geringeren Bildungschancen
„Besorgniserregend ist auch: Jungen haben systematisch geringere Bildungschancen als Mädchen“, sagte Ifo-Forscherin Vera Freundl nach Angaben des Ifo-Instituts. „Während 43,5 Prozent der Mädchen ein Gymnasium besuchen, sind es nur 36,9 Prozent der Jungen – ein Rückstand von 6,6 Prozentpunkten, der sich durch alle sozialen Gruppen zieht.“
Allerdings fällt dieser Gender Gap zulasten der Jungen in den obersten Bildungs- und Einkommensgruppen geringer aus. Er verstärkt sich im Verlauf der Schulzeit und beträgt im Alter von 16 bis 18 Jahren sogar 9,6 Prozentpunkte. „Der neue Chancenmonitor dokumentiert damit eine mehrfache Ungleichheit der Bildungschancen“, sagte Sarah Majorczyk, Vorstandsvorsitzende von „Bild hilft e. V. Ein Herz für Kinder“, laut der Organisation.
Empfehlungen zur Verbesserung der Bildungschancen
Die Ifo-Forschenden geben in dem Chancenmonitor auch Handlungsempfehlungen. Um die Bildungschancen für sozial benachteiligte Gruppen zu verbessern, brauche es mehr frühkindliche Bildungsangebote, eine stärkere Unterstützung der Familien, gute Lehrkräfte an Schulen mit benachteiligten Kindern, mehr kostenfreie Nachhilfeprogramme, ein späteres Aufteilen der Kinder in verschiedene Schularten und mehr Mentoring-Programme.
Handlungsempfehlungen für bessere Chancen für Jungen seien mehr männliche Erzieher und Lehrkräfte, eine stärkere Beachtung von Geschlechterstereotypen in Unterricht und Erziehung, eine frühere Förderung der Lesekompetenzen und der Selbstregulation von Jungen, mehr Elternarbeit und eine außerschulische Stärkung der Bildungsaspiration von Jungen.
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